Review

„Alle Probleme sind gelöst.“

Für „Hellseeker“, die fünfte Fortsetzung von Clive Barkers „Hellraiser“-Horrorreihe aus dem Jahre 2002, nahm erstmals US-Regisseur Rick Bota auf dem Regiestuhl platz, der auch für die nachfolgenden „Hellraiser“-Franchises verantwortlich zeichnet. Nach „They – Sie kommen“ sein zweiter Spielfilm.

Was die Handlung betrifft, ließ man sich offenbar stark vom vorausgegangenen Teil 5 beeinflussen, der – wie ja streng genommen zuvor jede Fortsetzung der Reihe – anders, aber nicht schlecht war. Trevor (Dean Winters) erwacht nach einem Autounfall aus dem Koma, doch die sich ihm darstellende Realität und die Reaktionen auf seine Person passen nicht zu seinen Erinnerungen…

Das bereits in Teil 5 verwendete Verwirrspiel trieb man diesmal aber auf die Spitze, ein Mindfuck jagt den nächsten, die Grenzen zwischen filmischer Wirklichkeit und wilden Psychotrips werden durch Trevors zahlreiche Visionen, Zeitsprünge etc. komplett aufgelöst, auch der Zuschauer hat nicht mehr Informationen zur Verfügung als er. Dadurch stellt sich eine gewisse Beliebigkeit ein. Ohne Rücksicht auf eine innere Logik nehmen zu müssen, kann das Drehbuch eine Kapriole nach der anderen schlagen, wodurch die Spannung auf der Strecke bleibt – als Zuschauer ist man gezwungen, das, was man aufgetischt bekommt, als gegeben hinzunehmen und auf eine später folgende Erklärung zu hoffen. Man bemühte sich um eine düstere Atmosphäre und ein paar teilweise computergenerierte Schauwerte, bis auf eine fiese Gehirn-OP-Szene geriet das alles aber nicht sonderlich spektakulär. Die schauspielerischen Leistungen sind, sagen wir mal, „unauffällig solide“. Dean Winters bleibt für das, was ihm widerfährt, erstaunlich gelassen. Inwieweit für seine Rolle aber überhaupt wahnsinnige Emotionsausbrüche vorgesehen waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Ashley Laurence aus Teil 1 und 2 spielt wieder Kirsty Cotton, diesmal aber in einer Nebenrolle. Das ist natürlich ein nettes Wiedersehen, viel mehr aber auch nicht. Doug Bradley hat als Pinhead erhält erneut nur einen relativ kurzen Auftritt, lässt aber wenigstens wieder die Ketten raus. Die anderen Zenobiten sind reine Statisten und sehen leider auch nicht mehr so extravagant aus wie in anderen Teilen der Reihe. Was genau es mit ihnen auf sich hat wird nicht erklärt, dafür ist die Kenntnis der vorausgegangenen Teile erforderlich. Die finale Auflösung, die die Geschehnisse um Trevor aufdeckt, ist leider auch nicht das große Knallbonbon und wird wohl niemanden vom Hocker reißen.

„Hellseeker“ ist somit weder richtig Fisch, noch Fleisch. Ich würde ihn leicht überm Durchschnitt ansiedeln, denn wer von der Reihe nicht genug bekommen kann und nach immer neuen Fortsetzungen lechzt, wird vermutlich halbwegs zufriedengestellt werden. Als Horrorhappen „für Zwischendurch“ ganz ok, aber kein Film, den man als Genrefreund unbedingt gesehen haben muss. Als unverbrauchter Regisseur die Reihe einer Frischzellenkur zu unterziehen, ist Bota leider nicht geglückt.

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