Review
von Alex Kiensch
Und wieder verschwimmen unter Pinheads Einwirkung die Grenzen von Realität und Wahnvorstellung: Diesmal trifft es einen unbedarften Büroangestellten, der nach dem vermuteten Unfalltod seiner Frau von immer bedrohlicheren Visionen heimgesucht wird. Auf der Suche nach einem Ausweg begegnet er den Menschen seines früheren Lebens - und den rachsüchtigen Dämonen rund um Pinhead.
Von der Grundidee her ähnelt "Hellraiser: Hellseeker" seinem Vorgängerfilm "Inferno" deutlich - allerdings erweist er sich um Längen souveräner inszeniert. Düstere Settings, gekonnt geschnittene Wechsel zwischen Realitäts- und Zeitebenen und finstere Monster erzeugen eine dichte Albtraum-Atmosphäre, die sich immer enger um die Hauptfigur herum zieht. Dazu kommen eine Handvoll sehr drastischer Gewaltszenen (allerdings zu wenig, um echte Hardcore-Splatter-Fans zufriedenzustellen), die die Bedrohung durch die Zenobiten immer intensiver werden lassen.
Neben der diesmal gut gelungenen Inszenierung ist auch ein ganz großes Plus die inhaltliche Verbindung zu den ersten beiden Filmen: Denn die vermeintlich tote Ehefrau erweist sich als Kirsty, die den Kampf mit Pinhead in "Hellraiser" und "Hellbound" mit knapper Not überlebt hatte und nun, 15 Jahre später, erneut mit ihm konfrontiert wird. Diese Verbindung ist auch Grundlage für die durchaus geglückte zentrale Überraschung der Story, die zwar für Genre-geübte Zuschauer etwas vorhersehbar kommt, aber dennoch für ein ordentliches Maß Spannung sorgen kann.
Klar, auch der sechste Teil der "Hellraiser"-Reihe hat mit Schwächen und Fehlern zu kämpfen: den etwas bemüht wirkenden Darstellern etwa oder einigen hölzernen Dialogen. Auch vermögen einzelne Gruselszenen wegen allzu viel Klischees nicht wirklich zu fesseln und wenn man sich die ganze Geschichte noch einmal genauer durchdenkt, ergibt sie nur bedingt Sinn (so wirkt etwa eine verstörende Gehirnoperations-Szene gleich am Anfang sehr zusammenhanglos, da auf sie nie wieder eingegangen wird). Betrachtet man den Streifen unter Mystery-Aspekten, ist er zwar im Großen und Ganzen gelungen, gehört aber nicht unbedingt zu den originellsten Filmen. Und unter Fans wird es wohl ein ewiges Streitthema bleiben, ob der Wandel von kompromissloser Splatter-Härte zu den Mystery-Thrillern, die "Inferno" und "Hellseeker" geworden sind, wirklich akzeptabel ist. Mir persönlich gefallen da auch die ersten Filme deutlich besser.
Nichtsdestotrotz ist "Hellseeker" spannend inszeniert - dank der immer rabiater wechselnden Realitätsebenen ist man als Zuschauer bald ebenso ratlos wie die Hauptfigur - in düsteren Bildern erzählt und mit einem Gespür für finster-bedrohliche Settings ausgestattet. Und Pinhead hat wieder eine deutlich zentralere Rolle als im missratenen fünften Teil. Für Fans ist hier also eigentlich alles gegeben, um auch diese Erweiterung des "Hellraiser"-Universums zumindest sehenswert zu finden - sofern man sich eben mit der Vorstellung von "Hellraiser" als Mystery-Thriller anfreunden kann.