Review

Wenn du die Hölle suchst, wird sie dich finden

Ich war mir nicht sicher, ob ich die komplette „Hellraiser“-Reihe je gesehen habe. Sie ist über die Jahre natürlich auch noch immer erweitert worden und irgendwann wird man müde am Ball zu bleiben. Zum Glück habe ich das mit „Hellseeker“ nochmal geprüft - den kannte ich nämlich definitiv noch nicht. Und nun werde ich als absoluter Fan der ersten drei Teile diese scheinbaren Lücken nach und nach schließen, endlich in den Genuss von mehr Schmerzen, mehr Würfelpuzzles, mehr Hölle kommen. Oder auch nicht. Denn alles was nach „Hell On Earth“ oder spätestens „Bloodline“ kam, genießt schließlich einen miserablen Ruf. Immerhin scheinen sie recht losgelöst voneinander, nur mythologisch verknüpft und super solo konsumierbar zu sein. Obwohl Kirsty natürlich eine Figur aus den Originalen ist. Aber hier ist der Fokus auf ihrem Ehemann. „Hellseeker“ macht nun meinen Einstieg in den Wiedereinstieg in die Hölle auf Erden - indem er von einem Mann erzählt, der bei einem Autounfall seine Frau verliert und dessen Leben nun aus jeglichen Fugen kippt. Und die Zenobiten scheinen natürlich auch ihre Finger im Spiel zu haben… 

Leichte Schläge auf den Hinterkopf verringern das Franchisevermögen?

Ehrlich gesagt hatte ich weitaus Schlimmeres erwartet. Was nicht direkt heißt, „Hellseeker“ ist ein guter Film. Aber man kann ihn sich ansehen. Die Grundidee ist alles andere als neu, die Mythologie und Welt von Pinhead und Co. kommt hier etwas kurz, es gibt auch nicht allzu viele Splatter-, SM- und Ekelszenen. Das kann enttäuschen. Und der Protagonist bleibt arg blass bis verloren-unsympathisch. Und dennoch/gerade deswegen ist es ein Wunder, dass „Hellseeker“ in seinem Grundtenor gut funktioniert und einem schön den Boden unter den Füßen, den filmischen Halt wegziehen kann. Passend zu seinem Thema irgendwo im Limbo zwischen Erde, Hölle, Leben, Tod und allem dazwischen. Er ist sprunghaft und chaotisch, er ist wirr und nie ganz wasserfest. Und dennoch bringt er seinen Punkt schwindelig rüber. Das ist schwer zu beschreiben. Eigentlich sind etliche Zeichen einer Kackfortsetzung auf dem Tisch. Und dennoch guckt man gebannt zu - passend zum Autounfall zu Beginn. Für mich ist das also noch nicht der Zusammenfall des „Hellraiser“-Franchise. Fast eher in der „Jacobs Ladder“- und „Angel Heart“-Ecke. Atmosphärisch einwandfrei. Hat mich auf niedrigem Niveau positiv überrascht. 

Fazit: nicht so schlecht wie befürchtet, nicht so gut wie es möglich gewesen wäre?! „Hellraiser: Hellseeker“ hat einen passenden Ansatz und schafft es für Verwirrung und Schwindel zu sorgen - mal inhaltlich, mal filmisch. Für einen sechsten Teil einer Horrorreihe meiner Meinung nach noch vertretbar. Zu wenig Pinhead, zu wenig Gore, zu wenig körperliche Schmerzen gibt’s dennoch. 

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