Review

Oliver Stone (Platoon, Natural Born Killers) nahm sich 1999 vor, einen Beitrag zu der beliebtesten Sportart Amerikas zu verfilmen, dem Football.

Im groben wird die Geschichte der Miami Sharks erzählt, die nach etlichen Erfolgen diese Saison kurz davor sind, die Play Offs zu verfehlen. Der erfahrene Trainer Tony D'Amato (Al Pacino) hat mit allerlei Problemen zu tun: eine Jung-Präsidentin (Cameron Diaz), die keinen Plan von der Materie hat, aber überall mitreden will; viele Söldner, die eher an ihre Werbeverträge als an das Team denken. Sein Star-Quaterback (Dennis Quaid) fällt verletzt aus, der durch den "Looser" Willie Beamen (Jamie Foxx) ersetzt wird - der jedoch nach zwei Spielen zum Jesus Christ Superstar empor steigt und mit dem Erfolg und Ruhm nicht klar kommt.
Und eben die ganzen anderen Sachen, mit denen sich auch Klopp, Hitzfeld und Magath jeden Tag rumschlagen müssen.

"An jedem verdammten Sonntag" bläst dem Zuschauer von Beginn an die stone-typische Bildgewalt ins Gesicht: es vergehen erstmal zwanzig Minuten heftiges Schnitt-Stakkato zu einem Football-Spiel, bis mal so etwas wie Handlung einsetzt. Zugegeben, Stone bietet alles mögliche auf, was mit Kameras und Technik rauszuholen ist. Ja, und das kann man so oder so sehen. Spätestens ab dem dritten Spiel verspürte ich ein arges Reizen der Augen mit allen möglichen Schmerzsymptomen.

Doch kommen wir wieder zu der ab Minute 20 einsetzenden Handlung: diese ist mehr als dürftig. Und bevor wir so etwas wie Charakterzeichnung erhaschen können, setzt Stone schon zur nächsten langen Bildgewalt an. Was verdammt ärgerlich ist - es geht die ganzen 150 Minuten lang so weiter.
Episodenhaft wird eine Story runtergeleihert, die nichts zeigt, was nicht schon mal besser da war. Kritik an Medien hin oder her. Auch gezeigte Partys der Spieler insklusive Koks und Nutten lassen mich kalt.
OK, Al Pacino darf seiner Figur wengistens etwas Leben einhauchen. Jedoch alle anderen Figuren gehen unter. Ich kann mich kaum daran erinnern, dass schon mal mehr namhafte Stars (u.a.: James Woods, Dennis Quaid, Jamie Foxx, LL Cool J, Mathew Modine, Cameron Diaz) verheizt worden sind, wie hier. Klar, alle spielen ihre gewohnte Leistung ab, jedoch haben sie keine Chance gegen das Drehbuch, dass nur auf Bildgewalten zielt. Genauso blass bleiben dann auch gefühlte 90% des eigentlichen Teams - Spieler, die höchstens mal durch eine Stammtisch-Parole oder ´ne Goldkette auffallen.

Mittendrin statt nur dabei lautet die Devise. Aber aufgrund viel zu spärlicher Charaktervertiefung hat mich das ganze total kalt gelassen und ich fühlte mich ausgegrenzt (insklusive heftigem Augenflimmern). Also genau das Gegenteil, was Stone erreichen wollte.

"An jedem verdammten Sonntag" ist ein seelenloser Film in MTV-Optik geworden.
Aber das muss jeder selber für sich entscheiden.

Mein Tipp: Das Ansehen sparen und den gelungenen Soundtrack dazu kaufen.

3/10

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