Review
von Con Trai
Vierter Fall des neuen Inspector Barnaby im Lande, der sich in dem englischen Dörfchen Causton und seiner Umgebung schon derart gut eingewöhnt hat, dass jetzt weder die Fragen nach seinem ausgeschiedenen Vorgänger und Namensvetter gestellt noch andere Zweifel an seiner Existenz und Präsenz gezogen werden. Vielmehr ist man nun schon so fest in der Szenerie der Backsteinhäuschen, des lauschig vor sich hin plätschernden Flusses und seiner zumeist in voller Blüte der Natur stehenden Landschaft eingelebt, dass bereits das Vertrauen, das Lob und einhergehend die ersten Gefallen für die bessere Stammmannschaft auftreten. Die Neue Ermittlung als inoffizielles Gehabe, als Erfüllung einer (letzten) Bitte von Gerichtsmediziner Dr. George Bullard [ Barry Jackson ], der kurz vor Ruhestand persönliches Interesse an dem ansonsten noch nicht komplett die polizeilichen Belange erfüllenden Geschehen hegt. Eine Recherche im feuchten Herbst, wo die Blätter fallen und das braune Laub den grünen Stolz verdeckt:
Von seinem Gerichtsmediziner darum gebeten, setzt DCI John Barnaby [ Neil Dudgeon ] seinen gerade von einem Lehrgang zurückgekehrten DS Ben Jones [ Jason Hughes ] auf eine Vermisstenmeldung eines jungen Mädchens und die Unterstützung der Suche ihrer verzweifelten Eltern an. Jones soll sich in Tarnung in den letzten bekannten Aufenthaltsort der New Age Gemeinde "Oblong Foundation" auf Malham Hall einschleusen, geführt von Freddie Raft [ Josephine Butler ] und ihrem Prediger Dominic Segal [ Paul Hilton ] und im Besitz der jungen Waise Ruth Lambert [ Charity Wakefield ]. Aus der Kommune, in der jeglicher Kontakt zur Außenwelt verpönt bis verboten, dafür aber geschlechtlicher Umgang mit Jedermann im Haus erlaubt bis Usus ist. Während Jones als plötzlicher Hahn im Korb die Liebeswilligen vom Leib abhalten muss, ermittelt Barnaby an dem ihm doch merkwürdig vorkommenden Unfalltod von Ruths Eltern.
Dabei steht allein die Eröffnung des Filmes etwas außen vor; der notwendige Opener der weiterhin routinierten, auch durch die Umbesetzung von (Titel- und) Hauptfigur nicht sonderlich geänderten Reihe britischen Crimes in understatement. Nicht nur, dass der erste und bis dahin auch einzige oder einzig relevante Mord in einem Apartmentkomplex inmitten einer sichtlichen, später als London identifizierten Stadt räumlich und zeitlich weitab stattfindet und dort eher mit den Erinnerungen an Urbaneres wie Inspector Morse oder Lewis spielt. Auch findet sich bis final kein weiterer offen ausgespielter, nur indirekt vorgebrachter und schnell abgehandelter Bezug zu der dortigen Tat. Der Rest des Stückes ist dafür gewitzter und durch die Verlagerung der Wichtigkeit in der personellen Konstellation auch durchaus spannender "perfect imperfection" Individualität.
Denn diesmal steht der ewige Assistent im Vordergrund, die Nummer Zwei in Rang und Aufmerksamkeit, der als Laufbursche, Zuträger von Informationen und Postenkommandant vom Dienst, aber dann auch wirklich nicht viel mehr dient. Aufgrunddessen, dass die Beziehung zueinander weiterhin Vorgesetzter und Befehlsempfänger und somit relativ kühl im Vergleich zum vorhergehenden (Ersatz)Vater - (Zieh)Sohn bzw. Lehrmeister und Lehrling bleibt, ist das Herausnehmen des Benachteiligen Sergeant und seine sicherlich vorübergehende Stellung im Rampenlicht durchaus die richtige Idee. Zudem erhält auch die Handlung eigenes Profil, macht die Umwege über die Undercoverarbeit mit nötigem Schalk, ein wenig Spinnerei und Vorurteil und so auch der passenden Naivität. Ein gutes Gefühl für gleichbleibend solide Qualität.
Ein beschauliches Dasein entwickelt sich wieder und erneut, durch den professionellen Handwerker Renny Rye mit langer Kenntnis der Wahrzeichen der Serie in ruhigen Weisen und ländlichen Flair samt vieler Details in Chenies, Buckinghamshire, samt und sonders seinen Gärten, und um Long Crendon als Ausweichort der Bevölkerung, ein Pub, in Szene gesetzt. Eine stille, fast friedliche, fast altmodisch-amüsante Bedrohung in einer Sammlung von Obskuritäten- und Pflanzenstaffagen. [Die Location ist Gewinner der Historic Houses Association & Christie's Garden of the Year Award 2009.]
Die Ermittlungen als für die Verhältnisse großes Vergnügen, in Tarnung mit Bart und Brille, in Außerdienstlichkeit, in der Nichtöffentlichkeit und mit fröhlichem Schwips geführt. Das ist sicherlich klischeehaft schlechthin, kann auch die Stimmung einer zu albern gewordenen Variante von Scientology nicht vermeiden, ist aber wenigstens auch auf diesen einen Wirkungskern und seine Verwicklungen reduziert, inklusive freier Liebe mit Frauenüberschuss, dem Phrasendreschen von "Be your own tree" bis hin zu "Trust the real you". Gediegener Nonsens mit einigen lüsternen Phantasien und dem tollpatschigen Wissen darum, alles dargereicht in englischer Kargheit und für das Publikum zu späten Savouries, Scones and Tea.