Review

"Im Herzen weiß ich, ich bin witzig."

Barry Levinson Beitrag über Zensur, Rassismus und dem ständigen Druck während des Kriegsgeschehens ist mittlerweile zum Klassiker avanciert. Vermutlich nicht unbedingt wegen dieser Themen sondern durch die Aufmachung und seinem Hauptdarsteller.

Der schlagfertige DJ Adrian Cronauer (Robin Williams) wird 1965 zu einem amerikanischen Radiosender in Vietnam abkommandiert um dort Nachrichten und politische Meldungen vorzutragen. Seine immer satirisch bissigen, witzigen aber auch respektlosen Sprüche sowie die etwas modernere Ausrichtung seiner Musikwahl kommt bei den GI's gut an, nicht so bei einigen seiner Vorgesetzten. Durch das wohlwollen eines Ranghöheren darf Cronauer, selbst nach einem Versuch die Zensurmaßnahmen der Nachrichtenagentur zu umgehen, weitermachen. Die Zuneigung zu einer Vietnamesin und deren Bruder soll ihm aber bald zum Verhängnis werden...

Robin Williams macht hier das was er am besten kann: Den alleinigen Unterhalter über die beinahe gänzliche Dauer des Films. Das vortragen der Nachrichten auf seine Art, die Grimassen dazu und die spritzige Art sind wohl das sehenswerteste an "Good Morning Vietnam". Da geht selbst der Support von Forest Whitaker oder Williams Gegenspieler Bruno Kirby hoffnungslos unter. Sicherlich eine Glanzleistung von Robin Williams. Aber kann das über die gesamte Laufzeit unterhalten?

Kritikpunkt Witz: Klar, einige Kommentare zünden sofort, ganz besonders zu Anfang und man kann sich dem schmunzeln kaum widersetzen. Das Dauerfeuer an Monologen wirkt allerdings nach recht kurzer Zeit bereits überzogen und albern, wird durch den immer wieder gleichen Ablauf sogar ermüdend oder gar pseudowitzig.
Neben den Radiosendungen mit Alleinunterhalter Williams gibt es noch clevere und unterhaltsame Dialoge, eine gute Songauswahl und einige starke Bilder.
Dem Gegenüber stehen eine zu komplex ausgearbeitete, schüchterne Liebesgeschichte und der mißlungene Versuch gegen Ende etwas mehr Action und Tempo einfließen zu lassen.

Der Film hat definitiv große Momente. Nur kopfschüttelnd kann man beispielsweise eine Bilderfolge bestehend aus zerstörten Gebäuden und toten, verstreut auf den Straßen liegenden Menschen zu Louis Armstrongs „What a wonderful world" aufnehmen. Ähnlich verhält es sich, wo ein Konvoy am Radiostar, Richtung Kriegsgeschehen, vorbei fährt und Cronauer die Soldaten mit seinen lockeren Sprüchen motiviert. Wir wissen schließlich alle, dass aus so einem Krieg eine Menge Menschen nicht lebend zurück kommen.

Wo ist nun die Begründung für meine verhältnismäßig schwache Bewertung?
Es ist schwer "Good Morning Vietnam" einzuordnen. Antikriegsfilm? Satire? Groteske? Tragikkomödie? Vermutlich etwas von allem, aber nichts so richtig. Und genau hier liegt die Schwäche. Das Drama verlangt zu viel von sich ab. Es schneidet Themen wie die Sinnlosigkeit des Krieges, Verständigungsprobleme zwischen verschiedenen Völkern und Traditionen oder die Leichtigkeit und Lebensfreude durch Witz und Einfühlungsvermögen nur an ohne auf einen Nenner zu gelangen. Zudem geht dummerweise die Botschaft des Films gegen Ende durch das mitleiden mit den Figuren und fehlendem Fingerzeig verloren. Welche Botschaft eigentlich?

Wer einen Kriegsfilm erwartet ist hier völlig falsch. ""Good Morning Vietnam" kommt beinahe völligst ohne Actionszenen aus, zeigt stattdessen Bilder der Army oder verwüstete Landschaften und Tote. Gute Schauspieler, sowie starke audiovisuelle Präsenz, aber am Ende bleibt nur der aberwitzige Hauptdarsteller hängen.
War Vietnam wirklich so schlimm?

4 / 10

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