Die "Werner"-Comics lebten schon immer von ihrem abstrusen Witz, der nicht bei jedem Betrachter sofort Lachsalven erzeugte, sondern einen gewissen Willen zum Hineindenken in den norddeutschen Charakter voraussetzte. Die bisherigen Verfilmungen interpretierten diese Eigenarten in eine laufende Story, die weniger auf hintersinnigen Humor setzte, sondern mehr einen brachial, fäkalen Stil pflegten, der auch seine Fans fand. "Werner-Eiskalt" dagegen versucht alle diese Stilrichtungen zu vereinbaren - Abstrusitäten und Fäkalhumor geben sich genauso ein Stelldichein, wie sich gezeichnete und reale Spielszenen abwechseln - nur lustig ist es nicht mehr.
Dabei ist der Wille, es besonders gut zu machen, dem Film jederzeit anzumerken, doch vor lauter Skurrilität verliert er jede gestalterische Linie. Der Beginn ist noch konventionell und widmet sich einem frühkindlichen Rennen, dass sich Werner und Holgi liefern, mit dem klassischen Fäkalwitz als Höhepunkt. Doch dann ist Zeichner "Brösl" selbst an der Reihe, der diesmal leibhaftig den "Werner" verkörpert. Und zwar als Loser, der erst einmal eine Abfuhr von seinem reichen Verleger erfährt, der noch Mangas herausbringen will und "Werner"-Comics für überholt hält. Dann stirbt Werner zudem noch an seiner eigenen Erfindung, als er bei einem Flachköpper gegen einen Stein stößt.
"Brösl" versucht sich selbst und damit sein Alter Ego "Werner" als sympathischen Verlierertypen darzustellen, dem erst Ehre widerfährt, als die Welt von seinem Tod erfährt und vor allem sein skrupelloser Verleger Profit aus seinem Tod schlagen will. Nicht nur, dass er plötzlich kein Problem mehr hat, Brösls neuen Comic zu veröffentlichen, er will sogar das berühmte Rennen wiederholen, in dem Werners Porschekiller gegen Holgis Porsche verloren hatte. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass auch ein tief gefrorener, toter Brösl noch lange nicht aufgibt.
Es fällt schwer die Story überhaupt eine Story zu nennen, denn es geschieht nicht wirklich etwas, außer dass Brösls alte Kumpel seinen Leichnam nach Deutschland überführen wollen und gleichzeitig von dem geldgierigen und egomanen Verleger das große Rennen organisiert wird. Aber dafür wechseln ständig reale Spielszenen mit Zeichentrickszenen ab, die sich gegenseitig an Witz und Absurdität überbieten wollen, aber nur einen lauen, uneinheitlichen Eindruck hinterlassen. Zwar können auch die alten Gags ("Ein Taucher, der nicht taucht...") nichts mehr retten, aber sie vermitteln schmerzlich eine vergangene Zeit, als "Werner" noch für Originalität stand und nicht für bescheuerte Situationskomik, wie der "Running Gag" mir der hübschen Blondine, die einen Narren am gealterten Brösl gefressen zu haben scheint.
Das dieser am Ende nicht mehr als Loser, sondern als Winner da steht, kann Niemanden überraschen, denn zum Einen ist er ja der Sympathieträger, zum Anderen hat er die Story bekanntlich selbst geschrieben. Dem Film gelingt diese märchenhafte Wandlung leider nicht, trotz des ehrenhaften Versuchs, sich von der bisherigen Linie der "Werner"-Filme zu entfernen. Das Stammpublikum der vorherigen Filme wird enttäuscht sein, da die Zeichentrickfigur "Werner" eher eine Nebenrolle spielt, während Anhänger skurrilen Humors auch nicht auf ihre Kosten kommen, weil der Film dafür schlicht zu schwach ist (2/10).