"Mangas, überall Mangas! Ich bin verlorn!"
Bereits im Kinderwagen lieferten sich Werner und Holgi heftige Rennduelle. Stets konnte Holgi Dank besserer Austattung dominieren, auch zu den Zeiten der Fahrräder und Seifenkisten. Nun will Werner eine erneute Revanche mit modifizierten Motorrädern.
Der einst berühmte Comiczeichner Brösel (Rötger Feldmann) hat gerade seinen 13. Werner-Comicband fertig gestellt. Sein Verleger Hermann Seidel (Richard Sammel) will diesen aber nicht veröffentlichen, da der Markt von Mangas beherrscht wird und die Werner-Comics keine Abnehmer mehr finden. Frustriert reist Brösel nach Korsika um sich dort zu entspannen. Bei dem Versuch den beiden Strandschönheiten Mandy (Marysol Fernandez) und Barbara (Ivonne Schönherr) mit einem Flachköpper zu imponieren lässt Brösel scheinbar sein Leben. Da sieht der Verleger Seidel die Chance Brösel's letzten Comic doch noch zu veröffentlichen und durch dessen Tod kommerziell auszuschlachten. Währenddessen befindet sich Brösel's Körper immer noch in Korsika in einem Kühlhaus und seine Freunde beschließen ihn in die Heimat zu überführen.
Bereits zum fünften Mal erscheint die Comicfigur Werner aus der Feder des Zeichners Rötger Feldmann auf der Leinwand. "Werner - Eiskalt!" setzt den gleichnamigen Comicband aus dem Jahr 1985 um und orientiert sich durch die Vermischung von Zeichentrick- und Realszenen am ersten Film. Allerdings mit gewaltigen qualitativen Unterschieden, denn gerade mal zwei Zeichentrickabschnitte funktionieren. Der Rest hängt mal mehr mal noch mehr durch.
Im Gegensatz zu "Werner - Beinhart!“, bei dem die Zeichentrick- und Realszenen klar voneinander getrennt waren, ist der Übergang diesmal fließend. Hin und wieder streuen sich ganz plötzlich gezeichnete Bilder in die Abschnitte mit realen Schauspielern. Die Folge: Ein aufweichen der Struktur, die ohnehin nur schwer erkennbar ist.
Die Handlung ist zweckmäßig schlicht und ohne Höhen. An sich besteht das Grundgerüst einer autobiografischen Rahmenhandlung, die Feldmann's tatsächliche Existenz widerspiegelt, nur, um von einem Gag zum nächsten zu hangeln. Der Hang zum Trash ist durch die laienhafte Präsentation der Realszenen und peinliche Darstellerleistung schnell sichtbar. Alles Dinge die sich in "Werner - Beinhart!“ etabliert haben. Jedoch mit einem wesentlichen Unterschied: Der Charme der Werner-Comics will einfach nicht aufkommen.
Dies liegt vor allem am Humor. Der anarchistische Fäkalhumor ist ohnehin eine Frage des persönlichen Geschmacks und ab und an sicherlich grenzüberschreitend, wobei "Werner - Eiskalt!" sicher "sauberer" bleibt, als seine drei puren Zeichentrickvorgänger. Aber gerade nach dem gelungenen Einstieg, der eine flotte Gagdichte vorlegt, hängt der Film zunächst in den Seilen. Dümmliche Dialoge ermüden, die Anhäufung der Stereotypen und Standardsituationen strapaziert das Tempo, kaum neue Ideen wirken wenig innovativ. Erst wenn gegen Ende die Figuren Eckard und Röhrich zum Zuge kommen sieht man, dass es auch anders geht.
Eine der wenigen Einfälle sind die Seitenhiebe auf Mangas. Anstatt diese aber belustigend oder mit einem gestärkten Ego anzugehen, lässt "Werner - Eiskalt" seine Haupfigur schlicht vor ein paar großäugigen Figuren flüchten. Kaum lustig, kaum aufbauend.
Auch zeichnerisch ist der fünfte "Werner"-Film zwiespältig. Zwar sind Figuren in kräftigen Farben gezeichnet und solide animiert, jedoch fällt die Einbindung dieser in die teils sehr detailarmen Hintergründe wenig liebevoll aus. Da bietet manch eine Flashanimation bereits mehr.
Bemüht wurden die Darsteller an ihre gezeichneten Pendants angepasst, die wenig geistreich agieren. Es sind aber nicht einzig die kaum vorhandenen Schauspielkenntnisse der Darsteller, die die Realszenen nicht funktionieren lassen wollen. Fakt ist: Wer einen "Werner"-Film sehen möchte, will auch die gezeichneten Figuren sehen und sich nicht zu einem hohen Teil der Laufzeit mit lieblosen Darsteller-Gegenstücken abgeben.
Letztendlich reicht "Werner - Eiskalt!" gerade mal in Ansätzen an den Originalfilm heran. Nur in der ersten und der letzten längeren Zeichentricksequenz lässt sich der infantile Klamauk und die freche Anarchie der Comic-Reihe erkennen. In der restlichen Laufzeit langweilt der Film mit strukturlosen Sprüngen zwischen Zeichentrick- und Realszenen, schlichten Standardsituationen und dümmlichen Dialogen. Und auch technisch bietet der fünfte "Werner"-Film nicht das Niveau seiner Zeit.
3 / 10