Anfang des 20. Jahrhunderts werden straffällig gewordene Jugendliche auf einer norwegischen Gefängnisinsel inhaftiert. Der Alltag besteht aus Schulunterricht und Zwangsarbeit unter dem hart geführten Regiment des Direktors, gespielt von Stellan Skarsgard, und der übrigen Aufseher. Bis schließlich ein Teenager, gespielt von Benjamin Helstad, auf die Insel kommt, der es sich zum Ziel gesetzt hat, zu fliehen und schließlich einen Aufstand anzettelt.
Zwar basiert “King of Devils Island“ auf einer wahren Begebenheit, allerdings kommt die behandelte Thematik zahlreichen weiteren Gefängnisdramen so nahe, dass der Film es wirklich schwer hat, daneben zu bestehen, bzw. seine Nische zu finden und nicht zwischen gängigen Klischees und bekannten Stereotypen im Mittelmaß zu versauern. Letztlich erfindet “King of Devils Island“ denn auch das Rad nicht gerade neu, kann sich aber durchaus mit “Murder in the First“ und anderen Genrefilmen messen.
“King of Devils Island“ baut allmählich Spannung auf, zeigt, unter welchen unmenschlichen Bedingungen die Jugendlichen auf der Gefängnisinsel leben müssen, wie die Aufseher und der Direktor diese behandeln, verfällt dabei aber nicht in gängige Klischees oder Schwarz-Weiß-Malerei. Zwar führt der Direktor ein straffes Regiment und duldet manch einen Übergriff seiner Angestellten auf die Jugendlichen, auch wenn er diese als nicht korrekt ansieht, aber er scheint tatsächlich bemüht, die Jugendlichen zu resozialisieren und rechtfertigt sich gern damit, dass er diese immerhin vor dem Gefängnis bewahrt, in dem es den Jugendlichen auch nicht besser ergeht. Auch die Aufseher und Lehrer werden zunächst in kein allzu schlechtes Licht gerückt, wenn man bedenkt, wie die allgemeinen Haftbedingungen vor knapp hundert Jahren in anderen Staaten bzw. Gefängnissen waren.
Doch dann kommt erstmals ein Jugendlicher auf die Insel, der sich nicht mit seiner Situation abfindet und in der Hoffnung, nach ein paar Jahren wieder in Freiheit entlassen zu werden, stillhält, einer, der auch durch körperliche und psychische Gewalt nicht zu brechen ist und einen vielversprechenden Fluchtversuch startet. Darüber hinaus bemerkt er, dass einer der Aufseher einen Jugendlichen im Keller regelmäßig vergewaltigt, bewahrt aber im Gegensatz zu den übrigen Jugendlichen nicht Stillschweigen darüber. Er eckt an, provoziert mitunter aber auch bewusst. Dabei steigert sich der Film dann zunehmend, baut Spannung und Dramatik auf, zeigt immer deutlicher, wie unmenschlich die Zustände auf der Insel tatsächlich sind, welche drakonischen Strafen verhängt werden, was den teilweise sehr jungen Insassen alles zugemutet wird. Während die Wärter immer härtere Saiten aufziehen, beginnt auch ein Freund des Protagonisten, der sich bisher untergeordnet hat und deshalb kurz vor seiner Entlassung steht, sich aufzulehnen.
Mit dem Selbstmord eines Jugendlichen und weiteren, immer härteren Strafmaßnahmen gegen einzelne Insassen kommt es schließlich zum Aufruhr. Da vorher glaubhaft dargestellt wurde, unter welchen Bedingungen die Jugendlichen zu leben haben, wie sich die Wut allmählich aufstaut, kommt deren Entladung schließlich durchaus glaubhaft und nachvollziehbar daher. Dem folgt dann ein gutes, mitreißendes Finale, das vielleicht ein wenig zu sehr auf die Tränendrüse drückt, letztlich aber einen gelungenen Film, der mit zunehmender Laufzeit immer stärker mitzureißen vermag, gut abrundet. Dramaturgisch überzeugt das Geschehen dabei vor allem deshalb, weil die Geschichte stringent erzählt wird und die Charaktere durchaus an Profil gewinnen, weil sie nicht zu eindimensional konzipiert sind.
Auch ansonsten handelt es sich bei “King of Devils Island“ um eine weitere gelungene Arbeit aus Skandinavien. Die Darsteller sind gut und das gilt nicht nur für den Hollywood-erfahrenen Stellan Skarsgard, sondern auch für den übrigen Cast, der durchweg mit jungen und unbekannten Gesichtern besetzt ist. Vor allem die beiden Hauptdarsteller spielen hervorragend. Und auch ansonsten weiß die Regie zu überzeugen. Die Gefängnisinsel ist trist in Szene gesetzt, wirkt durchweg kalt und unbehaglich, was der Atmosphäre durchaus zuträglich ist. Dazu noch in dunklen Bildern gehalten und durch den Farbfilter gezogen, passt die Kulisse gut zum Inhalt. So gibt es auch handwerklich letztlich nichts zu kritisieren.
Fazit:
“King of Devils Island“ ist nicht nur gut gespielt und handwerklich einwandfrei umgesetzt, das Gefängnisdrama weiß auch aufgrund der guten Story und der gelungenen Charakterkonstruktion zu gefallen. Der Film stellt die Haftbedingungen der Jugendlichen zunächst realistisch dar, macht nicht den Fehler, die einzelnen Figuren zu früh in Schubladen einzuordnen und steigert sich dann stetig bis hin zum gelungenen Finale, bei dem sich die aufgestaute Wut schließlich entlädt. Absolut sehenswert.
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