Bei einem Einsatz in Tschernobyl finden Optimus Prime und seine menschlichen sowie maschinellen Mitstreiter eine Art extraterrestrische Brennstoffzelle, die Prime erahnen lässt, dass die Menschen mehr über die Transformers wussten, als sie ihm gegenüber zugegeben haben. Er erfährt, dass auf der dunklen Seite des Mondes das Raumschiff liegt, mit dem sein Vorgänger, Sentinel Prime, damals dem Krieg auf ihrem Heimatplaneten zu entkommen versuchte. An Bord befindet sich neben dem ehemaligen Führer der Autobots, den Prime wieder zum Leben erwecken kann, eine überaus mächtige Technik, die in den falschen Händen das Ende der Menschheit bedeuten könnte - und sie gerät in die falschen Hände. Erneut liegt es an Sam Witwicky, gespielt von Shia LaBeouf, dies zu verhindern.
Man darf gespannt sein, wie die Kritiker in zwei oder drei Dekaden so über Michael Bay und seine Filme sprechen werden. Möglicherweise wird er seinen Ruf als Regisseur von Effektgewittern, die allzu patriotisch, dümmlich und hektisch geschnitten daherkommen, behalten. Vielleicht wird sich aber auch die Erkenntnis durchsetzen, dass er einer Kinoära, die hauptsächlich von eben solchen Unterhaltungsfilmen, von modernen CGI-Effekten, 3D-Inszenierungen und immer neuen Superhelden geprägt wurde, seinen Stempel aufgedrückt hat. Als Regisseur, der es immer wieder geschafft hat, den technischen Standard auf ein neues Niveau zu bringen, als exzellenter Handwerker, der immer wieder aufs Neue atemberaubende Bilder geliefert hat. Als Regisseur der nicht zu Unrecht zu den kommerziell erfolgreichsten der letzten beiden Jahrzehnte gehört.
Und auch "Transformers 3" trägt die unverwechselbare Handschrift von Bay. In den ersten Szenen bekommt man eine Schlacht auf dem sterbenden Planeten der Transformers zu sehen, anschließend schreibt Bay die Geschichte bezogen auf die Mondlandung -natürlich triefend vor Patriotismus- mal eben ein wenig um. In der ersten Szene, mit der die eigentliche Handlung schließlich ansetzt, zoomt Bay den Hintern seiner leicht bekleideten Hauptdarstellerin (überflüssig zu erwähnen, dass es sich erneut eigentlich um ein Modell handelt) ins Bild und setzt sie auch in der anschließenden Einstellung mit LaBeouf wie ein Pin-up-Girl in Szene. Im weiteren Verlauf gibt es dann, ums kurz zu machen, viele weitere Actionsequenzen, viele Einstellungen gegen das Licht gefilmt und erneut die modernsten Spielereien des amerikanischen Militärs zu sehen. Schon nach Minuten ist klar: Es handelt sich um einen typischen Bay.
Und damit handelt es sich auch um ausgezeichnetes Unterhaltungskino. Offensichtlich hat Bay aus seinem etwas schwächeren zweiten Teil gelernt, der nach dem hervorragenden ersten Film durchaus eine kleine Enttäuschung darstellte. Er schenkt sich in der ersten Filmhälfte den infantilen Humor und fokussiert sich stattdessen darauf, seine Version des historischen Kontextes weiter auszuführen, was solide und stimmig gelingt und baut seinen Film zunächst ein wenig wie einen Thriller auf, in dem die Beteiligten unter anderem vor der Frage stehen, warum am laufenden Band Astronauten und hochrangige Mitarbeiter der NASA ausgeschaltet werden.
Bay gibt sich sichtlich Mühe, seinen Film dabei nicht auf der Stelle treten zu lassen und dies gelingt ihm durchaus, weil die Story mehr hergibt als die des Vorgängers. Er verzichtet dabei natürlich nicht gänzlich auf Gags, aber wenn er mal welche einbaut, sind sie tatsächlich amüsant und nicht so infantil wie die des Vorgängers. John Turturro, der mit seiner hektisch-skurrilen Art im zweiten Teil schnell zu nerven begann, muss sich mit einer kleineren Nebenrolle begnügen, in der er aber durchaus gute Szenen hat. Mit John Malkovich und Frances McDormand hat sich Bay zudem zwei ausgezeichnete Charakterdarsteller mit ins Boot geholt, die in ihren kauzigen Rollen immer mal wieder amüsieren. Selbiges gilt für Sams Eltern, die ebenfalls für gute Laune sorgen, die übrigen Nebenfiguren und darüber hinaus auch für den Subplot rund um den eifersüchtigen Sam, der seiner Freundin eine Affäre mit deren reichen, attraktiven Chef, überzeugend von Patrick Dempsey gespielt, unterstellt.
So geht es ausgesprochen kurzweilig voran, während immer mal wieder kurze Action-Sequenzen eingestreut werden, die schon mal einen Vorgeschmack auf das geben, was am Ende jedes Films von Michael Bay zu sehen ist: Action vom Feinsten. Die Wartezeit überbrückt darüber hinaus der erneut durchweg überzeugende Shia LaBeouf, dem man diesmal Rosie Huntington-Whiteley zur Seite gestellt hat, die ihrer Vorgängerin optisch zum Glück, schauspielerisch aber eben leider auch, sehr nahe kommt.
Ach ja, Action gibt es dann auch noch - und das nicht zu knapp. Der Showdown ist lang und gut. Die Effekte sind kaum zu toppen und auch in Hinsicht auf die 3D-Umsetzung zeigt Bay einmal mehr, dass er jederzeit dazu imstande ist einen neuen Standard aufzustellen, oder zumindest den aktuellen, in diesem Fall von Camerons "Avatar" gesetzt, zu erreichen. Dabei entfaltet auch der Score von Steve Jablonsky einmal mehr seine volle Wirkung. Vom überhektischen Schnitt, der beim Vorgänger immer mal wieder etwas nervte ist derweil wenig zu sehen, stattdessen greift Bay mehrfach, auch wegen der Inszenierung in 3D, auf atemberaubende Kamerafahrten zurück, die visuell kaum eindrucksvoller wirken könnten.
Nach Zusammenhängen sucht man im finalen Schlachtgetümmel dann vergebens, da es letztlich zu viele Akteure sind, die an unterschiedlichen Stellen Chicago verwüsten. Aber hier folgt der Film sowieso mehr der Logik eines Fußballspiels: Es geht nicht um länger Zusammenhänge, es geht um schöne Kombinationen, um den einen gut herausgespielten Angriff und nicht darum, was vor drei Minuten passiert ist. Szenen, in denen die amerikanischen Soldaten in Fluganzügen quer durch die Häuserschluchten von Chicago gleiten, in denen Optimus Prime mal eben fünf oder sechs Gegner ausschaltet, oder die menschlichen Akteure in einem einstürzenden Gebäude um ihre Überleben kämpfen, wechseln sich ab, ohne, dass es bei diesem gigantischen Showdown eine Verschnaufpause geben würde. Letztlich bleiben wenig Ursachen für einen faden Beigeschmack, vielleicht, dass Bay im finalen Schlachtengetümmel dann doch ein wenig den Überblick verliert, vielleicht noch das abrupte Ende, aber ansonsten ist "Transformers 3" letztlich vor allem eines: Ausgezeichnetes Actionkino.
Fazit:
"Transformers 3" ist durch und durch ein Bay. Ohne den Hauch eines Anspruchs, dafür aber mit einer solide erzählten Story, die den Film nicht auf der Stelle treten lässt, ein paar gelungenen Gags und einem ordentlichen Darsteller-Ensemble unterhält sein Werk durchweg gelungen. Und dann wäre da natürlich noch das furiose Finale, das eine beeindruckende Szene nach der anderen liefert. Damit ist dies der bisher beste Blockbuster des Jahres und jedem zu empfehlen, der Bays Filmen etwas abgewinnen kann.
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