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Metall, Mondlandung und Megatonnen Chaos

Es gibt Blockbuster, und es gibt Michael-Bay-Blockbuster. Das sind zwei verschiedene Ökosysteme. In einem geht es um Geschichten, Figuren, vielleicht sogar um Emotionen. Im anderen – dem Bay’schen – geht es um Bewegung, Lärm, kinetische Energie und die fast religiöse Überzeugung, dass jede Szene besser wird, wenn irgendwo im Bild ein Auto explodiert. „Transformers: Dark of the Moon“ (2011) ist in diesem Sinne kein Film im klassischen Sinn. Es ist ein industrielles Ereignis. Eine Art zweieinhalbstündiger Maschinensturm.

Und bemerkenswerterweise ist es – innerhalb dieser sehr speziellen Kategorie – wahrscheinlich der beste der ersten drei Transformers-Filme.

Michael Bay eröffnet den Film mit einer Idee, die so absurd wie brillant ist: Die Mondlandung von Apollo 11 war angeblich keine rein wissenschaftliche Mission. Neil Armstrong und Buzz Aldrin seien in Wahrheit auf eine abgestürzte außerirdische Maschine gestoßen – ein Autobot-Raumschiff namens The Ark. Damit schlägt Bay einen seiner seltenen Momente halbwegs eleganter Science-Fiction-Geschichte an. Für etwa fünf Minuten fühlt sich der Film fast… clever an.

Natürlich hält das nicht lange.

Wir sind bald wieder im vertrauten Bay-Territorium: amerikanische Flaggen im Gegenlicht, Militärhubschrauber im Zeitlupenflug, Sonnenuntergänge, die aussehen, als wären sie von einer Werbeagentur für Energiegetränke entworfen worden. Bay filmt die Welt grundsätzlich so, als sei sie ein gigantischer Super-Bowl-Werbespot.

Der menschliche Mittelpunkt der Geschichte bleibt Shia LaBeouf als Sam Witwicky, der inzwischen College-Absolvent ist und – was in einem Film voller außerirdischer Kriegsmaschinen überraschend realistisch wirkt – keinen Job findet. LaBeouf spielt Sam mit seiner üblichen Mischung aus nervöser Energie und panischem Dauergerede. Er wirkt wie ein Mann, der versehentlich in einen Film geraten ist, der ungefähr fünf Lautstärkestufen über seiner emotionalen Frequenz läuft.

An seiner Seite steht diesmal Rosie Huntington-Whiteley, die Megan Fox ersetzt. Die Besetzung sorgte damals für viel Boulevardlärm, aber Huntington-Whiteley erfüllt im Grunde genau die Funktion, die Bay seinen weiblichen Figuren seit Jahrzehnten zugesteht: Sie sieht fantastisch aus, bewegt sich in Zeitlupe durch perfekt ausgeleuchtete Räume und reagiert mit beeindruckender Gelassenheit darauf, dass Chicago gleich von 40 Meter hohen Robotern zerlegt wird.

Doch seien wir ehrlich: In einem Transformers-Film sind Menschen nicht die Hauptdarsteller. Sie sind atmosphärische Dekoration zwischen zwei Explosionen.

Die eigentlichen Stars sind die Maschinen. Und hier muss man Bay und seinem Team – insbesondere den Effektspezialisten von Industrial Light & Magic – Respekt zollen. Die digitale Mechanik dieser Wesen hat etwas fast hypnotisches. Zahnräder falten sich ineinander, Metallplatten rotieren, ganze Körper zerlegen und rekonstruieren sich in Sekundenbruchteilen. Wenn Optimus Prime sich verwandelt, wirkt das wie eine industrielle Choreografie.

Das Problem – und es ist ein Problem, das Bay seit dem ersten Film begleitet – ist die Lesbarkeit. Seine Action ist nicht einfach schnell. Sie ist hyperkinetisch. Kameras kreisen, Schnittfolgen explodieren, Roboter bestehen aus tausend beweglichen Teilen. Manchmal fühlt sich ein Kampf an wie ein Blick in einen laufenden Mixer voller Chrom.

Und doch: In „Dark of the Moon“ gelingt Bay etwas, das den beiden Vorgängern fehlte – ein echtes Finale. Die letzte Stunde des Films ist im Grunde eine einzige gigantische Belagerung von Chicago. Decepticons übernehmen die Stadt, Hochhäuser stürzen ein, Militärjets rasen durch Straßenschluchten, Fallschirmspringer gleiten zwischen Wolkenkratzern hindurch.

Bay inszeniert das mit einer geradezu opernhaften Lust an der Zerstörung. Ganze Straßenzüge kollabieren in Zeitlupe. Ein Wolkenkratzer kippt um wie ein gefällter Mammutbaum. Die Kamera fährt durch Trümmer, Feuer und Glasregen, während Steve Jablonskys Musik heroisch anschwillt.

Es ist, zugegeben, ein wenig wahnsinnig. Aber es ist auch spektakulär.

Man spürt hier Bayers wahre Begabung: nicht für Storytelling, sondern für Skala. Seine Filme sind Architektur aus Explosionen. Während viele Blockbuster versuchen, emotional zu sein, will Bay schlicht überwältigen. Und in „Dark of the Moon“ funktioniert dieses Prinzip erstaunlich gut, weil der Film – im Vergleich zu seinem chaotischen Vorgänger „Revenge of the Fallen“ – zumindest eine halbwegs klare narrative Linie besitzt.

Interessant ist auch der nostalgische Unterton. Die Transformers selbst stammen aus einer Spielzeuglinie der 1980er Jahre, und Bay behandelt sie wie amerikanische Pop-Mythologie: riesige metallische Cowboys, die für Freiheit, Loyalität und sehr große Waffen stehen. In gewisser Weise ist das Ganze eine bizarre Mischung aus Spielzeugwerbung, Kriegsfilm und Science-Fiction-Oper.

Und vielleicht liegt genau darin der seltsame Reiz dieser Reihe.

Michael Bay ist kein subtiler Regisseur. Seine Filme flüstern nie. Sie schreien, hupen und detonieren. Aber in „Transformers: Dark of the Moon“ erreicht dieses Spektakel eine Art maximalistische Klarheit. Der Film weiß genau, was er ist: ein gigantischer Freizeitpark-Ride aus Metall, Feuer und Pathos.

Man könnte argumentieren, dass das Kino mehr sein sollte als das. Wahrscheinlich hat man damit recht.

Aber wenn ein Wolkenkratzer gerade in Zeitlupe auf Chicago fällt und ein 18-Meter-Roboter mit einem Energieschwert durch die Luft springt, ist es erstaunlich schwer, sich darüber zu beschweren.

Michael Bay baut keine Filme.

Er baut Kathedralen aus Explosionen.

Und „Dark of the Moon“ ist eine seiner lautesten.

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