Review

Es erinnert alles ein wenig an „Braveheart“ im Kleinformat, nur ein paar hundert Jahre später, als Kaiser Napoleons Truppen versuchten, Teile von Spaniens Provinzen zu erobern und erstmals eine Schlacht verloren, was mehr oder minder auf einen einzigen Mann zurückging.
Der spanische Regisseur Daniel Benmajor, der mit seinem Debüt „Paintball“ einen noch recht durchschnittlichen Slasher ablieferte, beweist mit diesem Werk zumindest eine gewisse Vielfältigkeit und den Sinn fürs Wesentliche.

1808 in El Bruc, Spanien: Unter der Führung ihres Anführers Maraval (Vincent Perez) wurde die letzte Schlacht verloren und zahlreiche Opfer sind zu beklagen. In der Provinz feiert man derweil den jungen Juan (Juan Jose Ballesta), den man seither auch Bruc nennt.
Maraval lässt diese Schmach jedoch nicht auf sich sitzen und erklärt Juan zu seinem persönlichen Feind. Als dieser Juans Familie auslöschen lässt und seine Verlobte entführt, dreht Juan den Spieß um…

Die ersten Einstellungen aus der Vogelperspektive wirken wahrlich nicht wie ein unüberlegter Schnellschuss: Ein Fluss, eine raue Felslandschaft und überall liegen die Leichen der französischen Soldaten, - ein Bild der Niederlage, aber auch eines, das die Situation rasch auf den Punkt bringt, denn der bisherigen Übermacht Napoleons droht Widerstand aus ungeahnten Reihen.
Und das ausgerechnet durch einen jungen Köhler, der naturverbunden und loyal seiner Wege geht und sich selbst überhaupt nicht als Helden sieht, da er günstige Umstände wie die Berge und die Jungfrau Montserrat an seiner Seite hatte.
Als es schließlich ans Eingemachte geht und Juan den Verlust seiner kompletten Familie hinnehmen muss, ist der Vergleich zu oben genanntem Beispiel unübersehbar, denn beide Helden handeln aus demselben Motiv gegen eine kriegerische Übermacht und stehen für dasselbe Ziel der Freiheit ein.

Ganz so opulent darf man sich das Treiben jedoch nicht vorstellen, denn auch wenn allerlei Waffen gebraucht werden, kleinere Explosionen zu verzeichnen sind und auch mal ein Kopf fliegt oder jemand in Brand gesetzt wird, so kämpft auf spanischer Seite eben ausschließlich Juan, der im Verlauf vom Flüchtenden zum Vollstrecker wird, was durchaus einige Unwahrscheinlichkeiten mit sich bringt.
Demgegenüber stimmen jedoch die Rahmenbedingungen, denn die Ausstattung ist solide, die Wahl der Locations erstklassig und phasenweise ebenso erstklassig in Szene gesetzt und wenn die Kamera mal nicht über die rauen Berglandschaften fliegt, kaschiert das flüssige Erzähltempo ohne nennenswerte Durchhänger die Simplizität der Geschichte.

Denn die Story reduziert sich im Verlauf zum Kleinkrieg; einer gegen alle, mit teilweise doch etwas kopflosem Vorgehen seitens der Franzosen (die einfach nur Verstärkung fordern müssten) und einem letztlich doch zu cleveren Einzelgänger, der die Gegend wie seine Westentasche kennt und aus jedem Körnchen Schießpulver Kapital zu schlagen weiß.
Aber das Rachemotiv und das grausame Vorgehen der französischen Truppe fördern ein Mitfiebern, welches bis zum Finale anhält und auch wenn die Figur des Juan nicht allzu viel Tiefe mit sich bringt, so ist man doch so deutlich auf seiner Seite wie es im Kampf der Minderheit nur der Fall sein kann.

Entsprechend schmiert man sich mit Asche ein und tritt zum Rachefeldzug an, die Verlobte stellt sich unter Druck den Feinden und hilft einem Verwundeten (dessen Entgegenkommen zum späteren Zeitpunkt hilfreich ist), man hängt am Abhang, muss ins Kloster fliehen und am Ende den Kampf gegen den Anführer in einer Höhle antreten.

Der Streifen hat zwar nicht das Zeug zum Meilenstein in Sachen Historien-Action, bietet jedoch allerlei solide Schauwerte inklusive toller Landschaftsaufnahmen, passabler Kameraarbeit und einen annehmbaren Score.
Kurzweilig, spannend, zwar ein wenig vorhersehbar, doch insgesamt ein flotter Beitrag.
Wen also die Leitmotive aus „Braveheart“ einst ansprachen, kann der kleineren Ausgabe dessen durchaus eine Chance gewähren.
7 von 10

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