"Lifeforce" ist ein Bastard der besonderen - man könnte ich auch ein seltsamerweise halbwegs gelungenes Konglomerat aus Horror, SF und Fantasy nennen, das der inzwischen in den USA recht häufig arbeitslose Tobe Hooper im Königreich ihrer Majestät inszenieren durfte.
Der Plot beginnt als reinrassiges Alien-Ripoff, wenn ein britisches (ja, sischer dat!) Raumschiff im Schweif des Halleyschen Kometen ein ungeheuer großes Raumschiff entdeckt, dort humanoide und fledermausähnliche Lebewesen entdeckt und diese mal einfach mitnimmt, was natürlich nicht gut geht.
Obwohl ein alter Hut, inszeniert Hooper recht stimmungsvoll und geschwind, als wüßte er, dass seine Story keinesfalls in diesen Film passen würde.
Das ist dann auch bald das Hauptproblem der Story, die in einer gut getricksten Miniserie vermutlich besser aufgehoben gewesen wäre. Auf der Erde kommt das Shuttle nämlich nur mit den Aliens an, der letzte Mann ist vorher ausgestiegen und hatte auf gänzliche Zerstörung gehofft. Doch alsbald laufen die drei Männ- und Weiblein amok in the UK und saugen Lebenskraft aus den Menschen, was vampirische Folgen hat, die sich seuchengleich über das ganze Land, vor allem aber London ausbreitet.
Nach der In-Space-Einführung wechselt der Film das Terrain und bewegt sich mehr im Rahmen einer SF- und Mystery-Agentenstory, die an die Quatermass-Stories erinnert, wenn der federführende Special Air Command-Agent verzweifelt versucht, dem Mädchen habhaft zu werden, deren Geist flott die Körper wechselt.
Gleichzeitig werden die Horror-Grundlagen ausgerollt, indem die Folgen des Energietransfers gezeigt werden. Bis endlich mal das Wort "Vampire" fällt, dauert es aber lange, stattdessen müssen wir uns langwierige Diskussionen über die Natur des Todes anhören, obwohl uns derartige Fälle von "Besessenheit", wie bei dem überlebenden Shuttle-Piloten doch aus jedem zweiten Dracula-Streifen bekannt sein sollten.
Außerdem strapaziert der Film das Verständnis seiner Zuschauer durch einige kryptische Monologe über das Wesen der Vampirgeister, ihre Fähigkeiten und momentanen Aufenthaltsorte, die zwar visuell zu einigen interessanten Sequenzen führen, logisch aber schwer nachvollziehbar sind.
In der zweiten Hälfte rollt dann das korrekte Katastrophenfilmspektakel vom Stapel, wenn in London der akute Flächenbrand mit Ausnahmezustand herrscht. Mitten in diesem Chaos muß dann der Showdown ablaufen, garniert mit leuchtenden FX, die man so ähnlich schon in "Ghostbusters" bewundern durfte.
Das Problem des Films ist weniger seine visuell zwar reiche, aber qualitative Unausgewogenheit, sondern vielmehr, daß er inhaltlich nicht weiß, wo er hin soll. Ausgestattet mit reichlich Plot-Twists für zwischendurch weiß er stets zu unterhalten, doch ein allgegenwärtiges Kopfkratzen ist dabei einkalkuliert.
Letztendlich wird so mancher Fortschritt in dieser Angelegenheit auf der Basis von übernatürlichen Kräften des Shuttlepiloten erlangt, der auf einmal "sehen", "fühlen" oder "spüren" kann, was die Story weiterbringt.
Was aber nicht die einzigsten Löcher wären, die dieser Film besitzt. Gänzlich ungeklärt sicher das Auftauchen von wildgewordenen Zombiekreaturen am Schluß im brennenden London, obwohl man vorher die ziemlich unbeweglichen, aber hypnotisch aktiven "Ausgesaugten" gesehen hat. Warum die Stadt in Flammen steht, erwähnen wir auch mal nicht. Ebenso nachlässig sind die sogenannten "Sicherheitsvorkehrungen" für die drei Nackten aus dem Weltenraum, denn die Behörde sieht aus wie ein Institut für Tierfutterherstellung. Die Manifestation im Hubschrauber ist genauso hirnlos, wie das Wissen des Dr.Falada, der ein Energiezentrum unterhalb des Herzens lokalisiert und das passende "Zauberschwert" gleich dabei hat.
Falls sich noch jemand über den "Schluß" wundern sollte, der ist bezaubernd offen und zeigt uns nicht gerade eine nachvollziehbare Auflösung.
Aber wenn alles so knackig schnell und bunt ist, kann man darüber hinwegsehen. Muß man aber nicht, denn einige Tricks wirken bei genauer Betrachtung doch recht schlecht. Gut gemacht sind die fliegenden Lebensenergien, deren kometenhaftes Rumwabern jedoch kaum erklärt wird. Schon schlechter die "Ausgesaugten", deren Puppenherkunft doch offensichtlich ist. Diverse Miniaturaufnahmen des brennenden London verdienen eher das Prädikat "Amateurfilm", die Weltraumszenen sind arg körnig und die Szene, in der Patrick Stewarts Blut sich aus seinen Gesichtsöffnungen verabschiedet, bietet den schlechtesten Kunstkopf seit "Fahrstuhl des Grauens".
Dessen ungeachtet gibt es fantasie- und einfallslosere Filme und so ein Mischmasch wie "Lifeforce" hat es lange nicht mehr gegeben. Da bietet sich der Wunderkerzenvergleich geradezu an, macht viel her, macht aber eher Appetit auf mehr. Für alle, die noch nicht so abgebrüht sind, bestimmt der Bringer. (6/10)