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Wenn Tobe Hooper ein Drehbuch von Dan O'Bannon und Don Jakoby für Cannon in Großbritannien umsetzt, wundert es mich nicht wirklich, wenn dabei so etwas wie „Lifeforce“ herauskommt. 1985 veröffentlicht, entließ man einen abgefahrenen Mix aus Science-Fiction-, Vampir- und Zombie-Film auf die Zuschauer, der, erst einmal in Fahrt gekommen, aus allen Rohren schießt. Die konfuse Handlung kommt mit immer neuen Ideen daher, um den Effekt-Overkill zu rechtfertigen, der sich über weite Strecken wirklich sehen lassen kann und ausgesaugte Opfer, die zu Staub zerbröseln, zombieartige Gestalten, die Londons Straßen beherrschen (und mich an Dan O’Bannons im gleichen Jahr erschienende, eigene Regiearbeit „Return Of The Living Dead“ erinnern), viele Sci-Fi-typische, grelle Lichtspielereien etc. bietet. Das hat man sich auch einiges kosten lassen, denn mit 25 Mio. Dollar Produktionskosten war „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ „Big Budget“. Zwischendurch wird, wenn das Drehbuch nicht gerade wieder Kapriolen schlägt, der Vampir-Mythos bedient, Mathilda May, deren Rolle mich verdächtig an den zehn Jahre später veröffentlichten „Species“ erinnert, nackt durchs Bild gejagt oder sich fleißig aus Sci-Fi-Film-Vorbildern bedient. Am Ende darf man sich an einem apokalyptischen London erfreuen, das im totalen Chaos versinkt. Eigentlich ist das alles zuviel des Guten, als hätte man versucht, viel zu viel in einen einzigen Film hineinzupressen. Aber: Es ist höchst unterhaltsam! Und wenn ich mir vergegenwärtige, wie schwer man sich damit tat, in effektfreien Momenten eine stimmige Atmosphäre zu erzeugen (ich denke da z. B. an die unpassend „heroische“ Musik beim Auftauchen des Militärs u. ä.), bin ich eigentlich froh, dass man es nicht allzu oft probiert und stattdessen auf Schauwerte gesetzt hat. Der Schluss fiel dann fast schon kitschig aus, denn natürlich hat man es sich auch nicht nehmen lassen, eine Romanze bzw. etwas, was man bei Cannon dafür hält, ins Skript aufzunehmen. Bei der Darstellerriege scheint es sich, von Patrick „Captain Picard“ Stewart einmal abgesehen, um einen (zumindest seinerzeit) weitestgehend unbekannten B-Cast zu handeln, worüber ich verdammt froh bin – so blieben uns Chuck Norris & Co. als Alienvampirjäger erspart. Fazit: Konfuses Effektspektakel zwischen kreativem Genre-Mix und unterhaltsamem Edel-Trash. Der Autor der Romanvorlage spricht hingegen entsetzt vom „schlechtesten Film aller Zeiten“...

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