Vampirbrüste sind eine runde Sache... dieser Film nicht.
Millionengrab, So Bad It's Good, Cannon-Kult, 80er-Must-See - es gibt viele Gründe warum Tobe Hoopers "Lifeforce" gefühlte Ewigkeiten auf meiner Watchlist stand. Zum Teil waren das Warnungen, zum Teil Vorschusslorbeeren. Leider wirkte er auf mich dann doch eher einschläfernd & enttäuschend. Ich sehe, warum er etwas Besonderes ist, warum er schwer zu beschreiben geschweige denn kategorisieren ist. Doch für mich funktioniert er weder als Trash noch als brauchbarer Film. Er wirkt eher wie eine sich übernehmende Cannon-Produktion, die viele erfolgreiche Versatzstücke seelenlos zusammenschustert. Etwas "2001", etwas "Alien", etwas "Zombie", dazu die besten Spezis im jeweiligen Fach, die auch hinter den großen Vorbildern die Fäden zogen - so einfach hat man sich das wohl im Hause Golan-Globus vorgestellt. Leider war dies ein Trugschluss. Selbst die stärksten Profis können Mist kredenzen - wenn man denn nicht mit Herz bei der Sache ist. Eine Art Söldnerfilm.
In "Lifeforce" läuft wenig zusammen & er ist schlicht kein guter Film. Noch dazu nicht so mies, dass er wieder lustig ist. Er nimmt sich super ernst & man versteht die Welt nicht mehr. Ein Film über Space Vampire, die über eine Raumstation auf die Erde gelangen & der Menschheit die Lebenskraft aussaugen wollen - das muss doch spaßig sein? Nein. Das muss doch spannend sein? Noch weniger. "Lifeforce" ist für mich ein überlanger Fehlschlag in fast allen Bereichen. Wenig Spaß, viel Übermut. Wenig Sinn, viel Unsinn. Wie ein typischer Cannon-Film, nur viel epischer. Also: schlecht in epischer. Nur scheint das der Film nicht zu wissen. Er geht davon aus der größte Sci-Fi-Hit des Jahres zu werden - tut mir leid, aber nicht mit einem Scriptchaos, das nichtmal Sherlock Holmes entschlüsseln könnte. Mal Invasionsfilm, mal erotischer Vampirstreifen, gegen Ende dann überbordende Zombieapokalypse - man muss es sehen, um es zu glauben. Und dann wünschte man sich, es nie gesehen zu haben.
Der Mut, der zu recht berüchtigten Cannon-Schmiede, mal etwas Anderes zu machen & alles auf eine Karte zu setzen, 25 (!) Mio. zu investieren, verlangt mir Respekt ab. Dazu spielen Einzelteile wie Henry Mancinis epochaler Score, das apokalyptische Finale oder gelungene mechanische & maskentechnische Effekte in der ersten Liga mit. Nicht zu vergessen Mathilda "Space Girl" May, die die meiste Zeit nackt rumlief & sich hoffentlich nicht erkältet hat. Eine Augenweide wäre hier noch untertrieben - sie ist DAS Nackedei-Highlight des Films & spielt den Weltraum-Vampir sogar noch richtig gut. Hilft alles nichts, diese Bedrohung aus dem Weltall ist eine Kuriosität, im besten Fall. Wenn man streng ist, ein Potpourri aus bizarren Ideen, das an Ungeniessbarkeit grenzt. Sorry Fans. Eine riesige Vision, die mit Anlauf gegen die Wand fährt. Ein ganzes Kultstudio mit dazu. Überhoben nennt man das wohl. Schade um Cannon :(
Fazit: Cannons vermeintlicher Sprung zu den Großen wurde ihr Sprung ins Grab. "Lifeforce" hat gute Parts, das Gesamtpaket ist jedoch Edeltrash, der noch nichtmal wirklich Spaß macht. Steht zwischen etlichen Stühlen. Konnte bei mir seinen Kultstatus nicht unterstreichen, selbst wenn ich verstehe was Fans an ihm finden. Teilweise.