kurz angerissen*
„Lifeforce“ zu sehen bedeutet, einen Staffellauf zu verfolgen: Was die Ziellinie überschreitet, hat längst nichts mehr zu tun mit dem Startschuss, und wenn man auch keinem Läufer die volle Strecke zutrauen mag, so findet doch jeder von ihnen irgendwie zur Übergabe.
Was sich in den ersten Filmminuten im Weltall abspielt, ist ein häufiges Phänomen seiner Zeit: Vom Design der Kulissen bis zum Spannungsaufbau, inklusive spärlicher Musikuntermalung, bahnt sich ein astreines „Alien“-Rip-Off an, visuell eines der interessanteren. Unzulänglichkeiten der verwendeten Tricktechnik werden durch gelungene Außenaufnahmen eines regenschirmförmigen, halb organisch wirkenden Raumschiffs völlig egalisiert und im Inneren gelingen Hooper entzückende Bildkompositionen frei schwebender Weltraum-Vampire.
Der Schnitt auf das allzu irdische London kommt hart und unerwartet, wohl auch, weil „Alien“ ebenso wie die meisten seiner Epigone keinen Fuß auf die Erde gesetzt hat. Er steht stellvertretend für Hoopers weitere Vorgehensweise im Umgang mit dem Stoff, der von Natur aus nicht allzu viel Substanz verspricht. Mit der Logik eines Virenausbruchs, personifiziert durch die Nachbildung einer jungen Frau (Mathilda May), die den gesamten Film mehr oder weniger nackt durch die Gegend stolziert, hangelt sich das Skript von einer Drehbuchseite zur nächsten, verknüpft sie aber nicht auf direktem Wege mit Krankheit und Tod, sondern nimmt den Umweg über die Erotik in Form einer psychosexuellen Einordnung des Mannes. Um die hiermit bereits gewählte Lesart des Vampirismus visuell angemessen zu untermauern, erfüllt ein permanentes ektoplasmisches Knistern die Luft. Gummimonster werden mit umständlichen Digitaleffekten in einem Tanz der Lichter vereint und sorgen für ein Festival leicht durchschaubarer und doch schwer unterhaltsamer Tricks, die sich so reichhaltig über den Film verteilen, dass man beinahe schon von Überfluss sprechen könnte.
Hervorzuheben ist dabei vor allem ihre verblüffende Vielseitigkeit. Wo pneumatisch zum Leben erweckte Klappergerüste mit Schrumpelhaut und klimpernden Augen das befremdliche Gefühl reproduzieren, das man beim Anblick der Spezialeffekte aus „The Thing“ (1982) empfand, würde jeder, der einen kurzen Blick auf das apokalyptische Finale wirft, einen astreinen Zombiefilm vermuten. Eine Traumsequenz ist verdächtig nah an der berüchtigten Blowjob-Szene aus „Ghostbusters“, der ohnehin über gleißende Lichtsäulen und das Miteinander aus Handmade-Effekten und nachträglicher Bildmanipulation präsent ist. Die hakelig, aber doch irgendwie faszinierend getrickste Bildung einer Blutskulptur im Inneren eines Helikopters nimmt in gewisser Weise bereits eine Erfahrung aus „Terminator 2“ (1992) vorweg und ein kreischender Patrick Stewart, dessen Antlitz mit jenem von Mathilda May im Sekundentakt die Plätze tauscht, ist ohnehin eine Erfahrung für sich.
Man könnte nun einwenden, dass die satte Vollbelegung mit Trickeffekten Drehbuchschwächen kaschiert, dass sie Längen verschleiert, die sich ohne das Spektakel auf dem Bildschirm zwangsläufig ergeben würde. Aber warum sollte man das tun?
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