Manchmal werden unbescholtene Bürger von einer Sekunde auf die andere per Zufall in einen Sog aus Verbrechen und Intrigen gezogen, was ihr Leben folgerichtig binnen kurzer Zeit auf den Kopf stellt, - das klassische Sujet eines Action-Thrillers, wobei der Vergleich auf dem Cover „Zehnmal besser als 96 Hours“ dann doch deutlich zu hoch gegriffen ist.
Dieser Normalo im Mittelpunkt des Geschehens ist Samuel (Gilles Lellouche), der als Krankenpfleger arbeitet und eines Tages den Kriminellen Hugo (Roschdy Zem) als Patient behandeln muss, als ein falscher Arzt das Sauerstoffgerät abschalten will. Doch im Gegenzug wird kurz darauf Samuels hochschwangere Frau Nadia (Elena Anaya) entführt, mit der Forderung, Hugo binnen kurzer Zeit aus dem Krankenhaus zu schleusen. Ein Wettlauf mit mehreren Instanzen durch halb Paris beginnt…
Zuweilen gibt es diese Actioner, die von Beginn an deutlich machen, worin ihre Stärke liegt, was auch hier der Fall ist: Bewegung. Die Erzählung steigt direkt mit einer Verfolgungsszene ein und lässt sich kurz darauf nur wenig Zeit, Samuels familiären Rahmen abzustecken, um danach wieder einen Gang hoch zu schalten. Zwar bleiben die Figurenzeichnungen aufgrund des rasanten Tempos ein wenig schablonenhaft und später auch ein wenig klischeebehaftet, doch der enorme Drive kann einige Schwachstellen, auch innerhalb des etwas unausgegorenen Skripts kaschieren.
Besonders fokussiert wird die Figur des Samuel, der mit etwa Mitte Dreißig zwar ein wenig zu alt für eine Ausbildung als Krankenpfleger ist, dem man jedoch problemlos seine Unrast, die moralischen Bedenken und die Unentschlossenheit in prekären Situationen abnimmt.
Zumal Samuel phasenweise als Spielball zwischen Ganoven, korrupten Polizisten und Kriminellen mit moralischen Grundprinzipien fungiert und sich schlichtweg nur von äußeren Einflüssen treiben lassen kann.
Bombast und übermäßige Schauwerte sind nicht das Ding von Regisseur Fred Cavayé, vielmehr macht er sich die oftmals überfüllten Schauplätze von Paris zunutze, um ein gewisses Maß an Chaos in die Waagschale zu werfen. Hier ein Run durch eine U-Bahn-Station, dort eine Flucht in einem verwinkelten Parkhaus, dazu ein Durchdrängeln auf der Rolltreppe und bezeichnenderweise ein Showdown im Polizeirevier, welches aufgrund der teilweise unübersichtlichen, chaotischen Zustände zusätzliche Dynamik ins Spiel bringt.
Allerdings kommen gegen Ende zuviele hanebüchene Aspekte zusammen, manche Gegebenheiten wirken arg konstruiert, was nicht zuletzt der etwas zu hektischen Abarbeitung kleinerer Twists im letzten Drittel geschuldet ist, wobei der finale Nachschlag von der Stimmung her ein wenig deplatziert wirkt.
Dennoch kann das gerade einmal 80 Minuten lange Werk problemlos überzeugen, sofern man sich Überlegungen bezüglich konstruierter Handlungsabläufe und einer eher oberflächlich ausgearbeiteten Story verkneifen kann.
Die Darsteller überzeugen durch die Bank, handwerklich ist nichts auszusetzen und auch der Score treibt das rastlose Geschehen latent an.
Ein grundsolider Action-Thriller, in hohem Maße kurzweilig und unterhaltsam, nur man sollte sich, wie so oft, keine detaillierten Gedanken über bestimmte Inhalte machen.
7 von 10