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Fronkreisch, Fronkreisch, Du und Deine Animationsfilme.

Das letzte Werk dieser Art aus dem Land des Baguettes und der lustigen Baskenmützen, das ich mir zur Gemüte führte hieß Renaissance und ist mir nicht mehr wirklich in Erinnnerung. The Prodigies jedoch hatte es mir aus irgendeinem Grund angetan. Vielleicht war es die Handlugnsprämisse, vielleicht das Cover mit diesem lustigen Holografieeffekt. Vielleicht ist es aber auch das zur Zeit immer wiederkehrende Thema von ambivalenten Superhelden, das immer mehr Einzug in die Filmwelt hält (siehe Super, Kick Ass oder Watchmen). Im Gegensatz zu den amerikanischen Pendants versucht sich Regisseur Antoine Carreyron jedoch an einer computeranimierten Variante.

Hier ein kurzer Abriss der Handlung: Der junge Jimbo tötet im zarten Alter von zehn Jahren seine ihn misshandelnden Eltern mit Hilfe telekinetischer Fähigkeiten. Kurz darauf wird er von dem Großindustriellen Mr. Kilian aus der Psychatrischen Klinik geholt und darin unterrichtet seine Fähigkeiten zu unterdrücken. Jahre später ist er in Kilians Projekt involviert weitere Menschen seiner Art zu finden und diese "vor sich selbst zu schützen". Tatsächlich findet er fünf Kinder die genau wie er Superkräfte benutzen. Nachdem ein Mädchen der Gruppe grausam vergewaltigt wird, schwören ihre freunde Rache - an der gesamten Menschheit. 

Das Gute zuerst: Trotz recht begrenztem Budget und daher sichtlich detailarmen Figuren gelingt ihm dies ganz gut. Viel besser sogar als seinen japanischen Kollegen, die etwa den Appleseed-Film zu einer ziemlich sterilen Angelegenheit werden ließen. Bis auf wenige Szenen ist die Inszenierung so dynamisch, dass man dem Treiben eher begeistert als kritisch zusieht. Tatsächlich gibt es gar ein paar Szenen die durchaus memorabel geraten sind (etwa ein Verhör mit, im wahrsten Sinne des Wortes, hereinbrechenden Flashbacks). Auch der Sound ist gut und passend eingesetzt - ebenso übrigens die deutsche Synchronisation (im Englischen durch prominente Stimmen von Ben Wishaw, Naomi Watts oder Jeremy Irons tatsächlich noch einen guten Tacken interessanter).

Nun kommen wir zu den nicht so guten Eigenschaften des Films.
Obwohl die Geschichte wirklich Potential hat, nein besser hätte, wird dieses nur unzuureichend ausgeschöpft.  Das fängt bei dem Hintergrund der fünf Kinder an. Zwar wird kurz angerissen dass keiner von ihnen ein leichtes Leben hat - so schlimm, dass sie auf einmal zu misantropischen Psychophaten werden, ist es aber beileibe nicht. Eben dieser Hass, der plötzlich, sozusagen von 0 auf 100 kommt, ist in dieser Drastik kaum nachvollziehbar.
Allerdings verhält es sich ebenso mit den anderen Personenn der Geschichte - einzig Jimbo bekommt etwas mehr Persönlichkeit, alle anderen sind nur Mittel zum Zweck. Warum sie so handeln (und das wäre wirklich interessant gewesen) wird nur in Halbsätzen angerissen.
Und da wären wir eigentlich beim Hauptproblem. Am Ende, das geradezu nach einer Fortsetzung schreit, wird einem schlagartig klar, dass man eigentlich eher einen Piloten zu einer Serie als einen klassischen Film gesehen hat. Im Hinblick auf die Comicvorlage hätte das auch wirklich mehr Sinn gemacht. So aber wird man in eine viel zu schnell ablaufende Handlung mit auf einmal völlig skrupellos agierenden Antihelden geworfen die einen eher ratlos und unbefriedigt zurücklässt.

Dass der mangelnde Erfolg eine Vertiefung der Chraktäre in einem 2. Teil eher ausschließt, vervollständigt den Eindruck der vertanen Chance.

Fazit: Insgesamt sicher nicht schlecht - man freut sich ja eh jedes Mal über Animationsfilme die eine reiferes Publikum ansprechen - aber unbefriedigend und daher nur sechs von zehn Punkten wert. Schade.

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