Die Blütezeit der Episodenfilme im Grusel – und Horrorbereich ist eigentlich längst vorüber und nach der Serie „Geschichten aus der Gruft“ gab es auch nichts Vergleichbares mehr, doch ab und an setzen sich Regisseure zusammen und versuchen Kurzfilme unter ein Motto zu fassen, was im vorliegenden Fall der Oberbegriff des Bordells ist.
Die erste Geschichte „The Ripper“ offenbart sogleich ein geringes Budget und eine damit verbundene minimale Ausstattung. Graham hat bereits einige Huren bestialisch ermordet, nun soll Lilly sein nächstes Opfer sein, doch die entpuppt sich als etwas völlig Unerwartetes.
Zumindest spritzt im Off ordentlich Blut, doch ob eine Axt auf einen Körper drischt oder eine Zunge herausgerissen wird, - explizite Szenen oder gar offene Wunden sind nicht auszumachen. Darstellerisch ist das Zwei-Personen-Stück eher laienhaft, ein paar Farbfilter und ein Flashback im Comicstil sind auch nicht so toll eingesetzt, lediglich die Kamera liefert ein paar angemessen schräge Blickwinkel.
Im Mittelteil geht es um eine Story, die ein wenig an Frankensteins Braut angelehnt ist: Dr. Whale spricht im Bordell seine besonderen Vorlieben aus und erhält von der Puffmutter wenige Zeit später eine Art Frankenstein-Nutte, welche bewegungslos, stumm und starrend auf dem Bett hockt. Whale ist begeistert und möchte „Stitchgirl“ mit nach Hause nehmen, doch es kommt alles ganz anders…
Die Szenen im Bordell sind in Schwarzweiß gehalten und untermauern das altmodische Flair gemeinsam mit der vornehmen Wortwahl des Kunden und dessen Grammophon, welches düstere Klassik abspielt. Leider gibt es einen atmosphärischen Break, als das Geschehen schlagartig bunt wird und Stitchgirl auf der Straße inmitten von Tänzerinnen, Clowns und einem Sänger umgeben ist, was rein gar nicht zum Rest der Konstellation passt.
Der finale Twist ist okay, darstellerisch ist Stitchgirl Eleanor James mit ihren riesigen Augen eine goldrichtige Wahl, doch insgesamt ist das Geschehen zu dialoglastig ausgefallen.
Der finale Part thematisiert das neuartige Medium der Webcam im Erotikbereich und fokussiert ferner das nicht immer einfache Dasein eines überaus prominenten Menschen.
Jener ist Daniel Cain, ein ranghoher Politiker, der soeben mit eigener Webcam zur Nutte Destiny Kontakt aufgenommen hat. Nach und nach geben beide auch Privates preis und gerade als Cain den Grund für seinen einmal im Jahre stattfindenden „Vice Day“ schildert, passiert das Unerwartete.
Auch während der finalen Erzählung manifestiert sich der Eindruck des insgesamt minimalen Budgets, denn auch hier werden lediglich zwei Räume, zwei Leute und Computer mit Webcam benötigt. Auch wenn die Worte und die Situation des Politikers nachvollziehbar erscheinen, so nehmen diese doch zuviel Zeit in Anspruch, während die Pointe zumindest überraschen kann, wenn auch nicht umhaut.
Der Gesamteindruck fällt insgesamt nicht sonderlich positiv aus, da nicht nur die überaus geringen Produktionskosten frappierend ins Auge springen. Keine der drei Geschichten kann wirklich Suspense erzeugen, einen Ansatz von Blutvergießen gibt es nur zu Beginn und auch darstellerisch muss man durch die Bank Abstriche machen. Halbnackte Frauenkörper reißen da genauso wenig wie die leicht surreale Stimmung, welche zumindest beim Mittelteil überzeugen kann. Eine der schwächsten Horroranthologien der letzten Jahre, selbst Komplettisten werden das Ding aufgrund mangelnder Höhepunkte rasch in die hinterste Ecke ihrer Sammlung verfrachten.
Knapp
4 von 10