Eins vorneweg: Wer solche Filme wie "Paranormal Activity" oder "Blair Witch Project" nicht mag, der kann diese Review und auch diesen Film überspringen, da "Grave Encounters" auf der gleichen Schiene fährt.
Bleibt eben nur die Frage, ob Freunde der beiden großen Brüder mit diesem Streifen von den Vicious Brothers anfangen können.
"Grave Encounters" ist nicht nur der Name des Films, sondern auch der Titel der erfolgreichen Geister-Reality-Show, die Lance Preston (Sean Rogerson) und seine Crew durch mehrere Staffeln erfolgreich an den Mann gebracht hat. Natürlich sind das alles Fakes, was Lance, Techniker Matt (Juan Riedinger), das Kamerateam Ashleigh (Sasha Parker), Merwin (T.C. Gibson) und das "Medium" Houston (Mackenzie Gray), der in Wirklichkeit auch nur ein mieser B-Darsteller ist, da abziehen. Aber die Konsumenten am Fernsehen fahren voll drauf ab.
Für die neuste Episode lassen sie sich in der ehemaligen Collingwood-Psychiatrie eine Nacht einsperren, von wo seit Jahren über ungeklärte Phänomene berichtet wird.
Schnell müssen sie feststellen, dass dort wirklich Geister rumspuken und die nicht gerade zimperlich sind...
Wieder einmal wird dem Zuschauer Found-Foutage-Material präsentiert, das im Intro von einem Wissenschaftler als verschollenes Material angepriesen wird, was man aber erst heute veröffentlichen möchte. Leider wissen wir seit dem "Blair Witch Project", dass so etwas nur bedingt funktioniert. So folgen wir der Crew also zu diesem Hospital und man bekommt den typischen Look geboten, den man aus solchen Filmen eben gewohnt ist. Doch hier unterscheidet sich "Grave Encounters" schon von anderen Werken. Mit etwas Satire wird die heutige Medienwelt durch den Kakao gezogen, denn obwohl diese Sendung der reinste Schrott ist, kann sie sinnbildlich neben so Meisterwerken wie "Mitten im Leben" oder "DSDS" locker bestehen. Der heutige Konsument schluckt ja jeden Scheiß. Da werden beispielsweise neue Szenen nachgedreht, wenn sie nicht gruselig genug waren oder auch mal der Gärtner mit 20 Dollar bestochen, dass er lügt und auch von dem "Spuken im Hinterhof" berichtet. Das alles hat schon was und bringt einem desöfteren ein Schmunzeln ins Gesicht.
So, natürlich wollen wir hier Schocks erleben, also schalte ich als stahlharter Asskicker mal wieder in den Mumu-Modus und lasse mich im dunklen Raum mit voll aufgedrehtem Heimkinoset gehen.
Und es geht wieder los: Tür auf, Tür zu. Ein Vorhang weht. Alles fängt harmlos an und spitzt sich im weiteren Filmverlauf immer weiter zu. Genial ist natürlich die Idee, dass nach der Nacht die Crew keine Hilfe bekommt und nachdem sie sich selbst befreit haben, sich der vermeintliche Ausgang als Labyrinth entpuppt.
Hier und da gibt es mal heftige Schocks, aber im Gesamten konnte mich "Grave Encounters" nicht wirklich überzeugen. Zwar montiert die Ghostbuster-Crew auch viele Kameras auf Stativen (was ja gerade den Kick in "Paranormal Activity" ausmacht), aber solche Szenen kommen nur sehr kurz vor und geben obendrauf nichts wirklich Verwertbares her. Die meiste Zeit begleiten wir die Crew mit den Handkameras und dass da übelstes Wackeln in Angstsituationen entsteht, versteht sich ja von selbst. In solchen Filmen ist das okay, strapaziert jedoch meine Augen.
Trotzdem will der Funke nicht richtig überspringen. Es gibt ein paar würdige Szenen, die einem den kalten Schauer über den Rücken laufen lassen, aber im Gegensatz dazu gibt es auch einige Schock-Szenen, die beinahe schon banal wirken. Zudem wissen wir ja alle, dass bei solchen Filmen das Ende verdammt wichtig ist, und auch dies konnte mich nicht wirklich überzeugen. Da fand ich beispielsweise den ähnlich gelagerten "Atrocious" einen Tick besser.
Vielleicht sind das aber auch schon die ersten Abnutzungserscheinungen. Man kann in diesem Genre pro Jahr maximal drei Filme konsumieren, da diese Streifen alle gleich ablaufen und keine richtigen Überraschungen mehr zu bieten haben.
Dennoch will ich eine Empfehlung für "Grave Encounters" aussprechen. Das Teil hier ist nicht schlecht, bringt mit dem heruntergekommenen Irrenhaus eine prädestinierte Location mit und hat eine minimal andere Geschichte zu erzählen, wie seine Pendanten. Nur umgehauen hat er mich nicht, dafür scheint dieses Genre irgendwie schon zu sehr ausgelutscht zu sein.
5/10