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Spuk im verlassenen Irrenhaus hatten wir schon einige Male, doch noch nicht so häufig in Form von Found Footage. Die damit einhergehenden Bilder einer unsicheren Kamera sind wie gewohnt anstrengend zu verfolgen, doch daraus resultiert gleichermaßen eine unberechenbare Stimmung, während Teile der Story ein wenig von Silent Hill (dem Spiel) inspiriert scheinen.

Es sollte die sechste Folge der Reality-TV-Show der „Grave Encounters“ werden, welche unter der Leitung von Lance Preston eine Nacht in der Nervenklinik Collingwood verbringen will, welche seit fünfzig Jahren geschlossen ist. Doch mit den Geistern die man ruft, wird man zusehends konfrontiert…

Der Vorlauf beschäftigt sich vor allem mit einigen Seitenhieben auf Reality-TV, denn wenn der mexikanische Gärtner noch keinen Geist gesehen hat, fällt ihm nach zehn Dollar Trinkgeld plötzlich doch eine Anekdote ein und auch das Medium Houston verfällt in einen Lachkrampf, nachdem er der Kamera seine Visionen vorgegaukelt hat. So werden die wesentlichen Figuren recht sympathisch eingeführt, lediglich die einzige Dame Sasha bleibt reichlich außen vor.

Zunächst herrscht noch ausgelassen gute Laune unter den Filmern, doch man hätte sich eben nicht vom Hausmeister freiwillig einschließen lassen sollen. So nimmt der Spuk nach und nach seinen Lauf, wobei es immer noch so ist, dass unsichtbare Geister beängstigender sind, als solche, die mal wieder völlig vorhersehbar mit dem Kopf zur Wand stehen und sich kurz darauf mit einer Fratze umdrehen. Viel wirkungsvoller sind die weitaus subtileren Gruseleinlagen, welche sich aus der Stille heraus ereignen und mit kleinem Effekt den größten Schrecken erzeugen.

Effektiv ist auch die Idee, das Gebäude wandelbar erscheinen zu lassen, da scheinbare Ausgänge plötzlich zu Sackgassen werden, ganze Etagen vertauscht erscheinen und schlichtweg kein Ausweg gefunden werden kann. So werden aus den geplanten acht Stunden mehrere Tage, an denen das Team kein Sonnenlicht sieht und eine Wandlung durchmacht, die sie den einstigen übel behandelten Patienten näher erscheinen lässt als ihnen lieb sein kann.

Zehn fest installierte Kameras und drei Nachtkameras mit Infrarot liefern zwar einige verwackelte Aufnahmen und vermehrte Pixelbildung, doch das Interieur mit vielen engen Fluren, zahlreichen Türen und Abzweigungen, einem Tunnelsystem, einem Fahrstuhlschacht und einigen Patientenräumen schafft eine recht intensive Atmosphäre, welche von den durchweg überzeugenden Mimen ordentlich transportiert wird.

Zwar könnten die Soundeffekte etwas abwechslungsreicher sein und auch das Finale hätte ein wenig ideenreicher ausfallen dürfen, doch im Gesamtbild bekommt man einen soliden Spukhausfilm geliefert, der mit einer zum Teil packenden Atmosphäre punktet, auch wenn das Grundgerüst ein wenig abgegriffen erscheint und einige inszenatorische Mankos das Konzept des uneditierten Materials unterwandern.
Nicht so mitreißend wie das Original von „Rec“, aber stimmungsvoll genug, um einer Sichtung beizuwohnen.
6,5 von 10

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