Review

Da sitzt nun ein 24-jähriger Jackie Chan verzweifelt in seinem Sessel, und denkt sich was nur aus ihm werden solle. Seine Darbietungen in den Lo-Wei Filmen haben dem Pulbikum nicht sonderlich geschmeckt; die Filme floppten einer nach dem anderen, und dabei war es nicht mal seine eigene Schuld.
Das Problem liegt am Regessieur Lo Wei, der dem Irrglauben nachgeht, er könne aus Jackie Chan einen zweiten Bruce Lee machen, was nunmal nicht funktionieren will.
Chan war sich sicher, wenn er einen guten Film verbuchen würde, dann weil es ein Film nach seinen Vorstellungen ist, und nicht einer in dessen Rolle er sich gar nicht wohlfühlen würde.
Doch diesem Zahn wird er Lo nie ziehen können, eher kann er damit rechnen gefeuert zu werden.

All diese Gedanken plagen den armen Jackie, und wahrscheinlich müsste er wieder zurück nach Australien...diesmal für immer.
Plötzlich lächelt ihn sein Manager und bester Freund Willie an, und behauptet, jemand von der Konkurrenz hätte angerufen, und wäre an Jackie für einige Filmprojekte interessiert.
Dass Jackie, diesem Angebot voller Hoffnung und Begeisterung zusagte, zahlte sich schließlich auch für ihn aus, denn tatsächlich sollte er durch Seasonal Films seinen ersten Mega-Hit verbuchen und noch zum größten Star Asiens werden!!

Nun wie hat er das geschafft? Die Verleiher haben mittlerweile "Jackie Chan-Verbot"-Schilder bei sich aufgestellt, da Filme mit ihm in der Regel immer floppten. Was durfte Chan in seinem kultigen Werk "Snake in the Eagle's Shadow" anders machen?
Genau das wollte der Boss von Seasonal NG See-Yuen wissen.
Jackie Chan es führt Herrn NG See-Yuen mit Körpereinsatz vor und erklärt seine Konzepte und Ideen.

Seine wichtigste Anregung ist es den Versuch einer Bruce-Lee-Imitation einfach zu unterlassen. Bruceploitation gab es genug, und alle diese Filme sind von magerer Qualität, die heute bestenfalls unter der Kategorie "Trash" durchgehen würden. Anstatt also verzweifelt zu versuchen eine Ikone zu kopieren, wäre es besser neue Konzepte zu entwerfen (die später auch neue Film-Klischees mit sich ziehen).
Also was tat Bruce Lee? Er guckte meist finster seriös, schlug knallhart zu, und stieß dabei einen unvergleichlichen (für einige auch "peinlichen") Kriegsschrei aus, der seine Stärke und seinen Mut unter Beweis stellen soll. Er war ein Supermann, jemand an dem keiner herankommt, also eigentlich perfekt.
Chans Idee war es, jemanden zu zeigen, der nicht unantastbar ist, jemand mit dem sich das Publikum identifizieren kann, als wäre er nur einen von ihnen.
Wenn er zuschlägt, schreit er nicht um den Schlag zu verstärken, sondern um zu zeigen dass ein harter Schlag auch schmerzen kann.
Es muss eine Figur her, die alles andere als perfekt ist. Ein Außenseiter, der sich auch mal blamiert, und noch aus vielen Fehlern lernen muss.

Aus dieser Idee wurde Shin Fu, den nun Jackie Chan verkörpern sollte.
Ein Bauernjunge, der in einer Kampfsportschule nur den Boden putzen darf. Von seinen Lehrern wird er nur schikaniert und schlecht behandelt.
Absichtlich wird der Boden dreckig gemacht, nur damit er wie ein Sklave putzen darf. Zur Wehr setzen kann er sich nicht, denn das kämpfen bringt ihm niemand bei, und irgendwohin flüchten kann er auch nicht, denn die Schule ist seine einzige Unterkunft, die für 3 Mahlzeiten am Tag sorgt.

Das klingt nach einem sehr interessanten Konzept sagt NG während er sich übers Kinn reibt, und sagt Jackie voller Vertrauen dieses Projekt zu.
Ein Traum wird wahr!!

Den Posten des Regessieurs übernimmt Yuen Woo Ping, der heute auch als Kampfchoreograph der Matrix-Trilogy bekannt ist.
Doch auch dieser ist offen für Chans Ideen, und brachte somit viele neue Elemente in das bis dato völlig eingestaube Kung-Fu Genre.

Nun ist der Kung-Fu Meister und weißer Lehrer, kein Respektabler Mann hohen Ranges, der ziemlich schnell von den Bösen abgemurkst wird, worauf dessen Schüler blutige Rache nehmen.
Bei dem Sifu in "Snake in the Eagle's Shadow" der von Simon Yuen Siu Tien (Yuen Woo Ping's Vater) gespielt wird, handelt es sich um einen verrückten alten Bettler, der kranker nicht aussehen könnte.
Mit seinem ulkigen Gesicht, der urkomischen Mütze, den langen grauen Haaren und den zerfetzten blauen Lumpen den er trägt, macht er fast schon eine besser Figur als alle bisherigen Kung-Fu Lehrer in den Filmen.
Dieser alte Mann ist so abgedreht und komisch, dass man ihn nur noch lieben kann. Diese Leistung als alter Kung Fu-Lehrer ist fast schon lägender, und toppt sogar den von Pat Morita dargestellten Myagi aus den Karate Kid Filmen.

Dieser Sifu ist nun der letzte Überlebende, der Rebellen, der auch noch die Kunst der Schlangen-Technik beherrscht, und sich damit zur Wehr setzt.
Er wird von dem großen Vertreter der Adlerklauen Technik verfolgt (Hwang Jang Lee) der es sich zur Aufgabe gemacht hat das Rebellenpack zu vernichten.
So ist zumindest die Aliby-Story beim alten geblieben, wie man sie schon immer damals aus Hong Kong kannte, doch das soll nicht stören.

Der Erfolg des Filmes schöpft sich eben aus den vielen kreativen Einfällen Chans und der anderen Beteiligten.
Der Film hatte einen ganz anderen Stil als alle bisherigen Kung Fu Filme.
Es geht schon damit los, dass der Film eher eine Kung-Fu Komödie, als ein bitterboshaft-ernstes Kung Fu-Melodram, welches eben schon zu oft gedreht worden war.
Gags finden sich immer wieder Film, auch wenn nicht jeder ganz gut sitzt, und aus heutiger Sicht einiges an Wirkung verloren hat. Das macht aber die deutsche Synchronisation wieder wett, denn diese bietet wieder die dämlichsten Sprüche zu den unpassendsten Stellen.

Andere unfreiwillige Komik ist an dem Alter des Filmes zu erkennen. Ganz ohne Special Effects und anderen technischen Spielereien, macht der Film einen witzigen Eindruck durch seine ganz simple Art und Weise.
Und doch steckt in dem Film einiges an Arbeit, wenn man sich das Stuntwork und die Akrobatik ansieht.
Denn Jackie wurde schließlich gecastet um hier seinen Körper voll und ganz einsetzen zu können. Und das macht er wirlich hervorragend.

Als er dem alten Sifu bei dem Kampf gegen einige Raudis aus der Konkurrenzschule geholfen hat, malt dieser ihm eine Trainingsfläche mit Schrittübungen auf, die Shin Fu voll und ganz nutzt.
Die ersten Versuche sehen noch etwas unbeholfen aus (Drehbuchmäßig ja so eingeplant war), doch er lernt schnell, kriegt die komplitzierten Schritte raus, und wird schnurr straks zu einem flinken Wiesel, der nun immerhin gelernt hat präzise und elegant auszweichen.
Diese Szene wird von einer Musik begleitet, die eigentlich in die Filmgeschichte eingehen sollte. Wer auch immer diesen Soundtrack komponiert hat, bekommt meinen vollsten Respekt, das ist eine unverkennbare Melodie, wie sie besser in den Film nicht passen könnte.

Shin Fu jedenfalls nimmt auch ziemlich schnell Gebrauch von seinen neuen Fähigkeiten, was dem Lehrer aber völlig missfällt, und diesen zur Strafe verprügelt. Er flüchtet zum alten Bettler, und lässt sich schließlich von diesem in die Künste des "Schlangenbisses" einweihen.
Die Trainingseinlagen Chans sind wirklich beachtlich und sehr interessant anzusehen. Die Idee mit den verschiedenen Tier-Kampfstilen hatte er schon in Wooden Man angedeutet, und baut diese hier weiter aus.
Und dann lässt er sich noch einige richtig abstruse Trainingsübungen einfallen, wie zum Beispiel den Liegestützen über Glimmstäbchen, während der Sifu seine Beine auf dessen Rücken lehnt.
Eine solche Szene findet sich 20 Jahre später in Z wie Zorro (mit Antonio Banderas) wieder.
Aber auch die anderen Trainingsmethoden bieten viele originelle Einfälle, die Chan wirklich unterhaltsam darstellt.

Schließlich ist er zu einem großen Kämpfer geworden, und kann alle nach einem entscheidenden, von seinem Können überzeugen und deren Respekt gewinnen.
Nur beim überraschenden Kampf gegen den Meister der Adlerklaue scheint er noch zu versagen.
Nach dieser noch verschmerzbaren Niederlage sieht er, wie seine Hauskatze gegen eine Schlange kämpft. Die Katze gewinnt tatsächlich. Daraus kombiniert Shin Fu, dass ein Kampfstil einer Katze nachempfunden wesentlich wirkungsvoller gegen eine Adlerklaue ist als ein Schlangenbiss.

Und so steht er am Ende des Filmes wieder vor dem Meister der Adlerklaue, und überrascht diesen mit ihm völlig unbekannten Angriffen, die Shin Fu selbst die "Tigerpranke" nennt.
Nach einem Kampf mit einigen wirklich verdammt guten akrobatischen Einlagen seitens Chan, kann seine Figur den Kampf auch schließlich für sich gewinnen...

Dieser Storyverlauf, der den Werdegang in Sachen Kampferische Fähigkeiten eines einstigen Außenseiters beschreibt, ist in jeder Hinsicht gut gelungen, und war damals etwas wirklich frisches auf dem Hong Kong Kinomarkt.
Es war Zeit für etwas neues, und Chan war derjenige, der das wirklich erkannte, und dank Seasonal auch in die Tat umsetzten konnte.
Den neuen Stil den er entwickelt hatte, sollten später noch viele andere Kollegen kopieren und zum neuen Trend werden lassen.

Allein deswgen weil Chan solch einen Boom und Stiländerung in der Filmindustrie auslöste, machte ihn das zum Superstar Asiens.
Jackie Chan hat seine Ideen und Vorstellungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort geschildert.
Die Schlange im Schatten des Adlers spielte noch mehr Geld ein, als der schier übermächtige Bruce Lee Film "Way of the Dragon".
Und so begann schließlich Chans beispiellose Karriere, die noch tonnenweise Filme hervorrufen sollte, welche sich gegenseitig geradezu übertoppten.
Ich kann mir gut vorstellen, wie Herrn Chan beim Gedanken an diesem Film immer warm ums Herz wird.
Ganz klar, der Film ist uralt, kommt aus Hong Kong und sieht heute billig aus. Die Kämpfe sehen aus heutiger Sicht sehr gekünstelt und ruckartig aus, bei einigen Schlägen ist erst gar keine Wucht oder gar Körperkontakt zu erkennen, dennoch macht der Film Spass, denn er bietet tolle Musik, sehr interessante Trainingsszenen, sowie beachtliche Akrobatik, und schließlich auch einen sehr jungen Jackie Chan in seinem Frühstadium. Dem Grundbaustein seiner großen Karriere.
Für den nüchternen Zugucker wird das aber wahrscheinlich trotzdem nur ein "billiger" Kung Fu Film aus den 70ern sein. Kurzweiliger als andere Genre Kollegen, ist dieser hier allemal!!

Details
Ähnliche Filme