Review

Jackie Chan. Was hat er doch für miese Filme mit seinem ehemaligen "Gönner" Lo Wei drehen müssen, der mit aller Gewalt einen neuen Bruce Lee aus ihm machen wollte. Das das natürlich gewaltig in die Hose ging, merkt man den vielen unterdurchschnittlichen Chan/Wei Filmen an.
Da schlug das Schicksal zu und Seasonal Films lieh sich Jackie Chan für ein neues Projekt aus. Dort kamen dann mehrere Faktoren zusammen, die aus "Die Schlange im Schatten des Adlers" Chans Befreiungsschlag machten und ein riesen Erfolg wurde.
Regisseuer wurde Yuen Woo-Ping, der auch gleichzeitig die Kampf-Choreographie übernahm (der Gute sollte inzwischen auch dem letzten Land-Ei, durch seine Kampfchoreographie der Matrix-Trilogie bekannt sein)...
Ping war auch offen für Chans Konzept. Humor und Verletzlichkeit, kein unzerstörbarer Über-Held wie Bruce Lee, sondern genau das Gegenteil. Das ganze gespickt mit Chans hervorragender Akrobatik und einem guten Schuß Humor (der ernsthafte und dramatische Part überwiegt hier noch, was sich in Chans späteren Filmen genau umkehren sollte).
Die Story ist eigentlich recht simpel, aber erfüllt ihren Zweck:
Chien Fu (Jackie Chan) ist der Putzlappen und Prügelknabe einer Kung-Fu Schule und gerät durch Zufall in eine Fehde zwischen dem Schlangen- und dem Adler Klan. Der Adler Klan will mit allen Mitteln den Schlangen Klan für immer auslöschen. Zufällig hilft Chien Fu dem Meister des Schlange Clans (der sympatische "Alte" Simon Yuen Siu-Tin) aus der Patsche, der ihm als Gegenleistung Kung-Fu lehrt.
Als dieser dann vom Chef des Adler Klans gestellt wird, springt Chien Fu ein, um seinen Meister zu retten...
Der Film zeigt schon, was in Jackie steckte. Zwar sind hier die Kämpfe noch sehr in den alten Traditionen der 1, 2, 3, 4, 5 - Kampfabläufe verwurzelt, aber Chan holt mit Akrobatik, unglaublicher Körperbeherrschung und wunderbaren Kampfabfolgen richtig was heraus. Dazu gesellt sich die harte Schule des Trainings, die mit dem Nachfolger "Drunken Master" dann in einem schmerzhaften Höhepunkt mündete (es tut einem richtig weh, Chan beim knüppelharten Training zu beobachten).
Selbst der "Alte" glänzt in Close-Ups, wenn er auch oft zwischendurch gedoubelt wird. Die Kämpfe sind durchweg sehr gut. Yuen Woo-Ping versteht sein Handwerk hier schon ausserordentlich gut (schöne lange Kampf-Einstellungen, gute Schnittarbeit und ungewöhnliche Kameraperspektiven) und man sieht, woher Jackie sein Wissen bei Kampfinszenierung, aus seinen späteren Werke, her hat.
Ein weiterer Glücksgriff (der schon längst berühmt war) ist der Boss des Adler-Klans: Hwang Jang-Lee, ein koreanische Taek-Won-Do Meister, der unglaublich gute Kick-Arbeit abliefert.
Alleine im Endkampf zeigt er das ein oder andere Ding, das einen staunen lässt (3 Kicks in der Luft).
Bei den Drehabreiten schlug er auch Jackie einen Schneidezahn aus, wie man dann im Endkampf auch sehen kann. Leider ist der Gute nicht mehr aktiv, aber besser zu früh, als zu spät aufhören (ist ja inzwischen auch über die 60)...
Das alles zusammen und die Verschiebung in Richtung Komödie (ähnlich den Spencer/Hill Italo-Western damals), machten "Die Schlange im Schatten des Adlers" zu einem Hit. Ein weiteres Higlight in meinen Augen, der Soundtrack!
Der hat zwei (Synthie)Hauptthemen:
"Magic Fly" von Space und "Oxygene Part 2" von Jean Michel Jarre. Der Rest ist eine wilde und unglaubliche "Diebstahlshow" aus anderen Film-Scores:
James Bond, Carrie (Brian DePalmas Stephen King Verfilmung), Star Wars oder auch Western Themes aus dem Outlaw Josey Wales Score. Dieser wilde Mix passt allerdings, ist hervorragend eingesetzt und unterstreicht den Film sehr positiv. Die deutsche Synchro setzt hier und da einen Kalauer in Richtung des Komödien-Touches drauf und passt gut.
Ein Trauerspiel dagegen sind die bisher alle erhältlichen deutschen Fassungen, die in so gut wie allen Kämpfen mal mehr, mal weniger geschnitten sind (eben auch der oben erwähnte 3er Kick fehlt). Schade und Schande!
Als Fazit bleibt zu sagen, das wenn man auf Chan oder Martial-Arts steht und nichts gegen kleinere Komödien-Einlagen hat, hier an der richtigen Adresse ist.
Dies war mein erster Jackie Chan, bin seitdem Fan und ich schaue ihn mir immer wieder gerne an.
Die Schlange beißt zu...

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