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"Hat hier irgendjemand die stimmverändernden Reisepastillen gesehen?"

Seit einem gescheiterten Auftrag sucht Johnny English (Rowan Atkinson) Zuflucht in einem tibetanischen Kloster um seinen Geist zu reinigen und die hohe Kampfkunst zu erlernen. Als der britische Geheimdienst Pläne zur Ermordung des chinesischen Premierminister erhält, sieht sich Geheimdienstchefin Pegasus (Gillian Anderson) gezwungen, den trotteligen Agenten zu rehabilitieren, denn der Informant will sich einzig English anvertrauen. So kehrt Johnny English zurück nach England und erhält nach dem obligatorischen Flirt mit Sekretärin Kate Sumner (Rosamund Pike) sowie kurzem Erfahrungsaustausch mit dem befreundeten Kollegen Simon Ambrose (Dominic West), den Nachwuchsagenten Tucker (Daniel Kaluuya) zu seiner Unterstützung zugewiesen. Der Informant wird während dem Informationsaustausch allerdings getötet, jedoch nicht ohne sein Wissen vorher mitzuteilen. So steckt eine geheime Organisation namens Vortex hinter dem Vorhaben für das Attentat auf den chinesischen Premierminister.

Bereits 2003 schlüpfte Rowan Atkinson in die Rolle des Johnny English und lieferte mit seiner ungewohnten Rolle eine Gratwanderung zwischen naiver Situationskomik und tolpatschiger Agentenparodie. Während der Vorgänger bereits mit seinem Vorspann diese Gratwanderung suggerierte, beschränkt sich "Johnny English - Jetzt erst recht" einzig auf eine Parodie auf diverse Bond-Filme und lässt das Genre an sich außen vor.

Mit dem zweiten Teil ändert sich die Inszenierung am auffälligsten. "Johnny English - Der Spion, der es versiebte" griff auf wenige, übersichtliche Schauplätze und eine gemächliche Kameraführung zurück. Teil 2 geht schneller vor, zeigt professionellere Bilder und eine größere Auswahl an Schauplätzen. Neben dem britischen Boden sind dies ein tibetanisches Kloster, weite Teile von Hongkong sowie die französischen Alpen.
Gerade durch die Hochglanzoptik verspielt sich "Johnny English - Jetzt erst recht" allerdings einen Großteil seines persönlichen Charmes. So waren die rustikalen Kulissen wesentlich wärmer anzusehen als die nunmehr sterilen Umgebungen. Bereits hier verlässt der Nachfolger den Weg einer Komödie und geht zu sehr Richtung ernsthaftem Agentenfilm.

Bereits "Johnny English - Der Spion, der es versiebte" hatte seine Schwächen, besonders im Bezug auf albernen Humor, war jedoch stets auf seine Weise amüsant. "Johnny English - Jetzt erst recht" dagegen bricht in großen Teilen seiner Laufzeit ein, langweilt zwar nicht, weckt aber stets unerfüllte Hoffnungen. Durch Jackie-Chan-typischen Martial-Arts-Humor, unter der Gürtellinie befindlichen Mike Myers Albernheiten und stets wiederholtem Verwechslungs-Witz geht die eigentliche Forderung, der körperbetonten Situationskomik vom Hauptdarsteller ausgelöst, fast völligst unter.
Nur wenige Einzelszenen wecken das Schmunzel des Publikums. Dies betrifft vorwiegend die Seitenhiebe an diverse Bond-Filme, wie offensichtliches Product-Placement, eine parkourartige Verfolgungsjagd die bewusst unspektakulär, aber effektiv, ausfällt sowie später mehr antreffender, zündender Situationkomik.

Die eigentliche Handlung ist bestenfalls zweckmäßig, eingestreute Wendungen schnell erkannt. Charaktere bleiben oberflächlich.
Zu Rowan Atkinson ("Mr. Bean"), der sichtbar wenig gefordert wird, gesellen sich diesmal bekanntere Gesichter, als noch im ersten Teil. Aber auch Gillian Anderson ("Akte X"), das attraktive Ex-Bond-Girl Rosamunde Pike ("Surrogates - Mein zweites Ich") und Dominic West ("Centurion") können durch ihre wenige visuelle Präsenz, oder ihre eingeschränkten Möglichkeiten kaum Akzente setzen. Und ausgerechnet das Zusammenspiel zwischen Daniel Kaluuya und Rowan Atkinson will so rein garnicht harmonieren.

Der Freispruch von Rowan Atkinson zu seiner Rolle als Mr. Bean im Jahre 2007 scheint nun Wirklichkeit. Kaum noch Bezüge sind zu dessen Paraderolle in "Johnny English - Jetzt erst recht" zu sehen. Da Atkinson's Stärken in ausgeprägter Mimik und körperbetonter Slapstick liegen, verbleibt der Humor steif und sehr gewollt. Nur wenige Einzelszenen erinnern an den einst so wuchtigen Mimen.
Die professionellere Präsentation lässt zusätzlich die leichtfüßige Harmonie des Vorgängers missen, streut ein paar mehr zweckmäßige Actionszenen ein, macht die Atmosphäre aber zu ernst. Die unzähligen Bezüge zu Bond-Filmen parodieren vielmehr die bekannteste Agentenfilm-Reihe der Welt, als das Genre an sich auf die Schippe zu nehmen.

4 / 10

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