Gelegentlich frischt man bei Anlässen wie diesem Filmtitel seine Erinnerungen des Konfirmandenunterrichts auf, denn man könnte fälschlicherweise denken, dass es beim titelgebenden Psalm um „Der Herr ist mein Hirte…“ handelt, was eben nicht der Fall ist.
Allzu bibelfest muss man für diesen Streifen jedoch nicht sein, obgleich die Aushängeschilder der Kirche eine nicht unerhebliche Rolle dabei spielen.
Ein solches ist Priester Henrik, der soeben vom eher plötzlichen Tod seines Vaters erfährt, der ebenfalls Pfarrer war. Kurz entschlossen fährt er mitten in der Nacht los, um Näheres über die Umstände zu erfahren, als Henriks Auto schlapp macht. Kurz darauf landet er bei Familie Lidman, welche ein Geheimnis zu verbergen scheint, was im direkten Zusammenhang mit dem Tod von Henriks Vater steht…
Die Erzählung schafft es binnen kurzer Zeit, Hauptfigur Henrik als sympathischen Zeitgenossen zu etablieren, denn seine Predigt gestaltet er locker mit viel Sinn für Humor, während Kind und Frau getrennt von ihm leben und Henrik mit einer neuen Frau zusammenlebt, - ein moderner Familienmensch also.
Dass bei dem jungen Geistlichen nicht alles intakt ist, kristallisiert sich jedoch rasch heraus, denn einige Flashbacks als auch manche Alpträume signalisieren, dass mindestens ein Ereignis in Henriks Kindheit tiefe Spuren hinterlassen haben muss.
Zwar fühlt sich ein Großteil der Inszenierung wie ein Selbstfindungsdrama an, doch ab und an werden kleine Horroreffekte eingebaut, die stark an asiatische Vorbilder erinnern. Primär handelt es sich um dämonische Gesichter, deren FX etwas zu deutlich digitalen Ursprungs sind. Hier mal eine Fratze, dort mal zwei aneinander knarrende Bäume, ein Schatten im Flur oder ein Licht in der Scheune der Lidmans, aber kaum eine Szene, die sonderlich originell daherkommt.
Im Gegenteil, auf Dauer ermüden die einseitigen Effekte, die Story kommt nur mühsam voran, lediglich der Score weiß mit seiner orchestralen Besetzung und den gut abgestimmten Nuancen zu gefallen.
Die reichlich nebulös aufgezogene Geschichte will im Grunde mehrere Gebiete abdecken, denn es geht um harsche Kritik an Religion und Kirche, insbesondere einzelne Vertreter, um zwei familiäre Tragödien und zudem soll auch noch ein mysteriöser Tod möglichst spannend aufgedeckt werden, was in Ansätzen und mithilfe einiger Flashbacks so halbwegs gelingt.
Die ruhige Erzählweise und die merkwürdig agierenden Figuren tragen nicht unbedingt zum erhöhten Unterhaltungswert bei, allenfalls die leicht winterliche Atmosphäre des einsam gelegenen Dorfes vermag ab und an zu punkten.
Auch wenn die hierzulande unbekannten Mimen voller Inbrunst und mit intensivem Spiel überzeugen können, so gelingt dies dem Streifen im Gesamtbild nicht.
Zu verworren wird die im Grunde einfache Geschichte erzählt und zu steif und konstruiert wirken die wenigen Gruseleffekte. Der radikale Schlussakt bringt zwar kurzzeitig noch ein paar aufgewühlte Emotionen ins Spiel, er untermauert aber gleichermaßen, wie unausgegoren die Erzählung konzipiert ist, denn zum übrigen Teil der Chose fügt sich dieser finale Part nicht ansatzweise ein.
Knapp
4 von 10