Review

Bei einer Durchsicht des im Internet verfügbaren Rezensionsmaterials erscheint mir "Psalm 21" ziemlich unterbewertet. Als stinklangweilig wird das doch recht aufwühlende Psychodrama mit Horrorelementen bezeichnet; das kann ich nicht nachvollziehen. Regisseur Fredrik Hiller gelingen in Verbindung mit der stimmungsreichen orchestralen Filmmusik von Christer Christensson vielmehr immer wieder dramatische Zuspitzungen von Szenen, die dann wieder in eine Entspannung münden, in der man aber schon wieder die nächste Intensivierung vorausahnt.

Von vornherein sollte man jedoch beachten, dass die deutsche Synchronisation von minderer Qualität und ein Atmosphärekiller ist. Mir scheint, dass sich ein Großteil der Rezensenten den Film von dieser Billigvertonung hat verderben lassen, statt sich dem wohlklingenden Schwedisch der Originalfassung zu widmen. Nicht nur dass die Stimmen wenig überzeugen können, zudem treibt die Übersetzung auch noch ziemlichen Unsinn, wenn sie z. B. den Namen eines Sees, im Original "Död Sjön", "der Tote See", in der deutschen Sprachfassung mit "Deadlake" wiedergibt. Völliger Unsinn, hier aufs Englische zurückzugreifen, und man fragt sich, ob die DF auf einer englischen Übersetzung statt auf dem schwedischen Original beruht.

Also den schwedischen Ton auswählen und schon ist ein großer Schritt auf eine überzeugende Wirkung des Films zu getan. Nicht der deutschen Bearbeitung anlasten kann man allerdings die wenig begeisternden CGI-Geistereffekte, die schon auf dem DVD-Cover die Schaumotivation des Zuschauers gefährden. Hier wäre eine subtilere Variante wünschenswert gewesen.

Die Geschichte eines jungen Priesters, der mit seiner Vergangenheit, mit den Geheimnissen um seinen gerade verstorbenen Vater zu kämpfen hat, mag nicht in jedem Punkt originell sein. Nervt zu Beginn noch sein überfröhliches Auftreten auf der Kirchenkanzel, kann man diese Selbstpräsentation aber mit Fortschreiten der Erzählung immer besser einordnen - und was der Film sehr zutreffend darstellt, ist zum einen die eklatante Widersprüchlichkeit biblischer Texte (liebender bzw. hassender, zorniger Gott) und zum anderen die wohlfeilen Versuche der Kirchen, durch allerlei Relativierungen letztlich das Scheinbild von Gottes Willen und Handeln zu konstruieren, das die Treue der Kirchenmitglieder am ehesten garantieren kann.

Ohne CGI-Masken als Zugeständnisse an moderne Tendenzen des Horrorkinos würde Hillers beachtliches Drama noch mehr Wirkung erzielen, scheint mir. Aber auch so, nicht zuletzt aufgrund der intensiven schauspielerischen Leistungen, allen voran von Hauptdarsteller Jonas Malmsjö, verdient der Film Aufmerksamkeit und vor allem etwas mehr Offenheit gegenüber seiner genreverknüpfenden Anlegung, als sich bislang im Netz-Echo gezeigt hat.

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