Review

Filminteressierte kommen an den Filmen von Roman Polanski nicht vorbei. Insbesondere wenn aktuell mit Christoph Waltz, Jodie Foster, John C. Reilly und Kate Winslet so erfahrene Schauspieler mitspielen die uns schon so manch gute bis exzellente Performance in den Filmen der letzten Jahre gebracht haben. Der vorliegende Film aus einer neutralen Metaebene betrachtet polarisiert das Filmpublikum gegebenenfalls ein wenig.

Zum einen stellt er eine amüsant-eskalierende Komödie mit schönen Spitzen und einer guten Prise schwarzen Humor dar. Man erfreut sich nachhaltig an den Widersprüchen und grotesken Vorurteilen der Beteiligten. Zum anderen sehen wir nichts anderes als die teils peinlich-bemühte und vermeintlich-selbstkritische Nabelschau einer gehoben-wertkonservativen Mittelschicht bei denen "auf den Teppich kotzen" und Kinder als "Teppichratten" bezeichnen ekstatische Verzückung aufgrund des vermeintlichen Tabubruchs hervorruft.

DER GOTT DES GEMETZELS ist nach dem etwas schwachen letzten Werk Polanskis THE GHOSTWRITER ein durchaus sehenswertes kammerspielartiges Drama welches auf dem französischen Bühnenstück von Yasmina Reza "Le Dieu du Carnage" beruht. Bevor sich Roman Polanski seiner annahm, wurde DER GOTT DES GEMETZELS zunächst u.a. mit Isabelle Huppert inszeniert und es gab auch eine Broadway-Adaption.

Die Geschichte ist einfach und gradlinig gestaltet. Ein elfjähriger Junge schlägt einem Gleichaltrigen in Brooklyn mit einem Stock 2 Zähne aus. Die Eltern von Opfer und Täter treffen sich in der Wohnung des "Täters" und versuchen zunächst "die Krise" sachlich und distinguiert zu lösen. Leichte Meinungsverschiedenheiten eskalieren allerdings im Laufe der Zeit, es fliesst Alkohol, die Hemmungen fallen und gegenseitige Beschimpfungen lassen Ehekrisen zum Vorschein kommen....

Mehr soll nicht verraten werden. Der Film spielt ganz klar seine Stärken aus wenn man sieht worüber die Erwachsenen eigentlich streiten, wie lächerlich argumentiert wird und wie das ganze dann auch noch in Form einer Satire zugespitzt wird. Man erkennt sich selbst wieder und das Ganze wirkt einfach sehr sympathisch und auch nachvollziehbar und nah an der - ggfs. selbst erlebten - Realität.

Meist spielt das ganze im Wohnzimmer der Familie oder anderen Räumen sozusagen in Realzeit und damit wird der theaterartige Charakter des Films noch weiter verstärkt. Für mich sticht Christoph Waltz besonders positiv hervor, seine sehr "radikalen" Ansichten in der gemeinsamen Diskussion und der konsequente Egoismus stellen einen schönen Gegenpol zum zumindest zunächst vorherrschenden "Gutmenschentum" der Elterngruppe dar. Kate Winslet überzeugt mich nicht wirklich, sie spielt z.B. "die betrunkene Ehefrau" eben so wie man es schon tausendmal gesehen hat.

Insgesamt ist die eskalierende Situation schön anzuschauen, bringt aber auch keine neuen Erkenntnisse psychologischer oder weltanschaulicher Art. Muss sie aber auch nicht. Unbehelligt der oben genannten subjektiven Kritik unterhält der Film trotz seiner Berechenbarkeit durchaus und ist deshalb ohne Vorbehalt aufgrund der insgesamt sehenswerten Performance der beteiligten erfahrenen Schauspieler für Drama- und Komödien-Liebhaber gleichermassen zu empfehlen.

7/10 Punkten

Details
Ähnliche Filme