Review

Shame(2011)

Brandon ist süchtig. Krankhaft zwanghaft süchtig. Und er bekommt was er will. Egal ob mit Prostituierten, Männern, Dirty Movies oder eben mit sich selbst. Im Bett, in irgendeinem Club, Zuhaue oder im Büro. Er zelebriert den Akt. Mechanisch, getrieben und einsam. Brendon ist allein. In seinem Job in einer Werbeagentur oder nach Feierabend mit Kollegen in einer Bar. Die Menschen in seinem Umfeld sehen immer nur eine Fassade. Freundlich, angepasst. Das was in ihm schlummert sieht niemand. Als seine Schwester bei ihm einzieht zerbricht sein Wall aus Fantasie und Wahn. Alles mündet in ein filmisches Crescendo das lange im Kopf haften wird...


Steve McQueen (Hunger 2009) hat es wieder getan. Einen Film zu kreieren, der an die Nieren geht und die volle Substanz des Zuschauers fordert. Ein zerstörerisches Mahnmal des eigenen Spiegels. Diesmal gibt es keinen politischen Kontext, keine Erläuterungen und alles bleibt an der wütenden Oberfläche. Der fantastische Score und die dunklen Bilder der New Yorker Zwiespältigkeit bilden eine unheimliche Sogkraft.
All das wird getragen von talentierten Schauspielern. Carey Mulligan ist der eomtionalste Punkt des Filmes und beweist vor allem stimmlich ("New York, New York..."), das sie zu den größten weiblichen Mimen dieser Generation gehört. Auch die vielen Nebendarsteller machen ihre Sache gut und hüllen einen schwelgerisch schimmernden Rauch um den Mann der Stunde...Michael Fassbender.
Ein Ausnahme Talent. Was er hier zeigt ist die Vergangenheit und die Zukunft der Schauspielerei. Sein Spiel ist Methode. Mal kalt, mal wütend, zu jeder Zeit klassisch und äußerst mutig. Fassbender ist in diesen hundert Minuten beängstigend und beeindruckend zugleich. Diese Intensität sucht ihregleichen und selbst ein DeNiro, Gosling, Day Lewis oder ein Bale hätten wohl hier ihren Meister gefunden. Umso unverständlicher ist es, das die Academy ihn dieses Jahr nicht für den Oscar vergeschlagen hat. Gerade nach "Hunger" oder der beeindruckenden Leistung in "Fish Tank" eine echte Schande.
Fazit...es fällt hier und da schwer hinzuschauen. Vieleicht weil an mancher Stelle die Frage aufkeimt, ob man nicht gerade selber einen Spielgel vorgehalten bekommt. Was ist normal und wie beurteilt man das hinreichend. Ein Dämon der Filmkunst, dessen einmaliger Genuss wohl für die Ewigkeit reicht.
10/10

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