Review

Shame ist ein wirklich guter Film geworden. Die Gewichtung ist aber leider nicht ausgewogen.Eine starke Szene (mit die Beste des Films) ist die anfängliche U-Bahn-Szene, wo es um Blickkontakt und physisch distanziertem Non-Verbalen Flirten(sogar ein bißchen drüber hinaus) geht. Faßbender und sein(e) Gegenüber sind wirklich genial. Die Progression förmlich spürbar, dazu ein dermaßen genialer Soundtrack, der wirklich nicht nur nebenbei dahinplätschert, sondern sich subtil in den Vordergrund schiebt und gegen Ende faßt auf gleicher Augenhöhe mit der Bildsprache ist.
Leider findet man diese starken Szenen nur selten , gegen Ende bei einer 3er Sexszene wird diese Intensität nochmal erreicht.
Insgesamt ist Shame ein sehr sperriger Film. Der Rezipent wird teilweise gezwungen lange Einstellungen (nicht zu ertragen sondern) sich anzuschauen. Wie z.B eine über 4 Minuten lange Szene einer Songversion von "New York,New York". Zwar wird diese nochmal unterteilt, erste Hälfte Sängerin zweite Protagonist, aber das, was die Szene ausdrücken will wird schneller erreicht und es wirkt fast schon zu lang-fast.
Meiner Meinung nach, wird dem Protagonisten und seinem Problem der Sexsucht zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Die Nebenfiguren sind interessant, wie z.B seine Schwester und sein Chef oder die annährende Liebschaft, aber zumindest seine Schwester, der viel Zeit gegeben wird und anfänglich seinem Chef sind Figuren die Ihre eigenen "Probleme" haben (oder andere Probleme herbeiführen) und die mit  Brandons Problem Sexsucht nicht viel zu tun haben, bzw  bei seinem Werdegang und den vielen Fragen, die der Zuschauer hat, eher hinderlich sind.
Visuell und darstellerisch zeigt Shame sich auf hohem Niveau. Was fehlt ist der Tiefe Einblick in den Protagonisten, seine Gedanken, sein Stellungsnahme. Dies liegt nicht daran, dass man zu wenig Fantasie oder Interprdationsvermögen besitzt. Nein - durchaus interessiert die Figur und deshalb will man auch nicht viel interpretieren müssen, denn  man versucht sich selbst die Antworten zu geben, aber da gibt es viele, da dem Zuschauer nicht jeder wichtige Moment erklärt wird. Es kommt dann leicht das Gefühl von Flachheit auf -kompensieren tut dies wieder die intensive Darstellung. Man hätte auch nicht alles gänzlich erklären müssen :
Z.B scheinen die beiden Geschwister eine fragwürdige Kindheit gehabt zu haben.Der Begriff Eltern fällt nie- vielleicht früh verstorben, absichtlich keinen Kontakt mehr oder-oder. Die Frage muss auch nicht beantwortet werden.
Was mich aber interessiert, ist die Frage was will Brandon eigentlich, dass die Sexsucht aufhört weil diese eine feste Beziehung stört, eine Coexistenz usw. Wie er selber die Sucht einschätzt, den Grad der Entwicklung usw. Warum er mit keinem drüber spricht/sprechen kann?
Was der Film vorwiegend vermittelt, ist die Trostlosigkeit einer Sucht. Das Gefühl des Hin-und Hergerissenen.Einen Schlussstrich ziehen zu wollen.Seine Sucht erkannt zu haben und dagegen anzugehen, soweit man es alleine schafft. Der Schluss schließt den Kreis oder auch nicht?
Ein wenig mehr dialogische/monologische oder wie auch immer vermittelte Aufarbeitung wäre wünschenswert gewesen und hätte den Charakter und das Verständnis dem Zuschauer wesentlich näher gebracht.

Da das Thema in der Form selten inszeniert wurde, ist der Film auf jeden Fall sehenswert.

7 von 10 Punkten

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