Brandon (Michael Fassbender) ist ein Mittdreißiger der gehobenen Mittelschicht New Yorks. Er führt ein ausschweifendes Sexleben, schafft es jede Frau zu verführen, die er haben will und das ohne ein Partylöwe, ein Schwätzer oder ein Aufreißertyp zu sein. Im Gegenteil: Brandon ist der stille, zurückhaltende, ja: unauffällige Typ am anderen Ende der Bar. Trotz seiner vielen Sexualkontakte lebt Brandon überaus einsam und isoliert. Zu engeren Bindungen scheint er nicht fähig. Als seine Schwester Sissy in Bedrängnis geraten zu ihm in sein Appartement zieht, gerät seine brüchige Welt ins Wanken…
Der deutsche Schauspieler Michael Fassbender (INGLORIOUS BASTERDS, HAYWIRE) ist derzeit in Hollywood ganz schön dick im Geschäft. Und alles was er dafür tun muss, ist nackt vor der Kamera rum zu laufen, (Film-)Sex mit hübschen Darstellerinnen zu haben und vor laufender Kamera zu pieseln (witzige Szene!). Die Rolle des sexsüchtigen und dennoch Kontakt scheuen Brandon schmückt der bis auf den letzten Muskel durchtrainierte Darsteller jedenfalls oscarverdächtig aus. Brandon giert es nach Sex in allen seinen Formen, sei es mit Bekanntschaften, Prostituierten oder online. Wenn mal Not am Mann ist, ist er sich nicht zu fein selbst Hand an zu legen. Wahre Nähe kann er dagegen nicht ertragen und, wenn Gefühle ins Spiel kommen, bleibt die Nudel schlapp. Welch Dilemma. Welch Tragödie. Der Liebesuchende bleibt zur ewigen Einsamkeit verdammt. In gewisser Weise steht Brandon beinahe stellvertretend für den modernen, Online-Kontakte pflegenden, reale Kontakte vernachlässigenden Menschen der Gegenwart.
In einer Nebenrolle, ebenso phantastisch, Carey Mulligan (DRIVE, WALL STREET 2) als Brandons Schwester Sissy, die sich als Sängerin in Bars durchschlägt. Sie singt, besser: haucht ein „New York, New York“, das einem die Tränen in die Augen treibt, und prangert mit ihrer Rolle die These an, dass eine sexuell offene Frau als Schlampe beschimpft, ein sexuell freizügiger Mann aber als Held gefeiert wird.
Auf dem Regiestuhl saß Steve McQueen – nein, nicht der verstorbene Schauspieler und Hobby-Rennfahrer, sondern der britische Regisseur, der auch vor HUNGER verantwortlich war, auch mit Fassbender in der Hauptrolle.
Fazit:
Verstörende Kehrseite der Übersexualisierung unserer Zeit, in der Intimität, Zärtlichkeit und wahre Nähe mehr und mehr an Wert verlieren. Durchweg grandios!