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Kaum ein Kinoquartal ohne neuen Film mit Michael Fassbender - Shame ist der neuste Streifen mit dem aufstrebenden Star. Auf einen stringenten Handlungsverlauf verzichtend, zeichnet das Drama ein bitteres Bild eines vor emotionaler Nähe flüchtenden Sexsüchtigen. Die mit Hintergründen geizende Herangehensweise mag zuweilen etwas sperrig und zäh erscheinen, bietet aber eine beklemmende Bühne für ganz großes Schauspiel: Fassbender begeistert mit einer ebenso reduzierten wie radikalen Glanzleistung, welche nur wenig Platz für weitere Protagonisten lässt; so kommt die ebenfalls erstklassige Carey Mulligan als nach Aufmerksamkeit schreiende Schwester ziemlich kurz. Die Inszenierung fällt allen voran durch ihre langen und starren Kameraeinstellungen auf, deren Nahaufnahmen ein bedeutungsschwangeres Gefühl der Schwere heraufbeschwören. Inhaltlich durchwachsen, darstellerisch astrein - insgesamt ein solides Stück.