Ein Endzeitfilm aus Deutschland? Ich musste zweimal hinschauen und glaubte meinen Augen kaum. Nicht so eine seichte Wischi-Waschi-Komödie oder so ein schnell runter gekurbelter Sat1-Liebesschmonsens - nein, ein echter "Mad Max" nur eben mit Sauerkrautgeschmack.
Die Idee, dass die Sonne in baldiger Zukunft unser größter Feind ist, da die Strahlungskraft im Quadrat zugenommen und die Welt in ein verdörrtes, lebloses Ödland verwandelt hat (inklusive fast komplett ausgelöschter Menschheit), ist nicht von schlechten Eltern.
Wir begleiten die beiden Schwestern Marie (Hannah Herzsprung) und Leonie (Lisa Vicari) mit ihrer Zweckgemeinschaft Phillipp (Lars Eidinger) im scheinbar letzten funktionstüchtigen Auto auf dem Weg in die Alpen, da es dort noch regnen soll. Das Trio ist ständig auf der Suche nach Wasser, Essen und natürlich Benzin. An einer verlassenen Tankstelle gabeln sie noch den geheimnisvollen Tom (Stipe Erceg) auf.
"Hell" beginnt wirklich beeindruckend, überzeugt mit einer beklemmenden Atmosphäre und einem sehr gelungenen visuellen Look, der mich irgendwie in Ansätzen an die Welt von "Pitch Black" erinnert. Die Autoscheiben sind verdunkelt und mit Zeitungen zugeklebt, damit das agressive Sonnenlicht keine Hautschäden verursachen kann. Im Freien bewegen sich die Menschen wenn es geht nur im Dunkeln bzw. im Schatten. Sollte Sonnenlicht nicht zu vermeiden sein, vermummen sich die Leute mit Basecap, Kopftüchern und Sonnenbrillen. Auch die verwahrlosten Straßen und Städte passen perfekt in diese Apokalypse.
Das ist alles gut und schön, bis die Fahrt durch die Berge durch einen umgestürzten Kran unterbrochen wird. Diese Stelle im Film ist der Knackpunkt, ab dem das Niveau den Bach runter geht. Es liegt vielleicht auch an den eigenen Erwartungshaltungen, aber was sich als ungewolltes Problem herausstellt, das man locker in fünf Minuten Filmzeit abhandeln könnte, zieht sich nun durch den ganzen Film. "Hell" fühlt sich an, als hätte man ein Buch vor sich liegen, bei dem man nur das erste Kapitel durchkaut und alle weiteren in den nächsten zehn Fortsetzungen folgen werden.
Okay, es kommt eben manchmal anders, als man sich es ausmalt - die Komponente der unbekannten Bedrohung geht ja auch an sich in Ordnung, aber spätestens wenn dieses Geheimnis gelüftet wird, ist die Luft entgültig drauß. Und wenn man den weiteren Storyverlauf noch Aufmerksamkeit schenkt, sind manche Handlungen der Figuren zum Haare raufen.
Was mich zusätzlich ärgert ist, dass zu keiner Zeit drauf eingegangen wird, wieso die Menschheit dieses "kleine" Problem mit der Sonne nicht hinbekommen hat. Ich liebe Spielraum für eigene Interpretationen, aber dass ich diese Sache einfach so als Fakt hinnehmen muss, ist mir zu plump.
"Hell" ist mit Sicherheit gut für eine einmalige Sichtung an einem Heimkinoabend, dennoch war ich vom weiteren Filmverlauf des anfänglich gut in Szene gesetzten Road-Movies schwer enttäuscht. Hier wurde mit Sicherheit ein Haufen Potential verschenkt, für einen beeindruckenden Endzeit-Thriller mit grandioser Optik zu schaffen. Schade.
5/10