Es gibt bestimmte Typen, denen man gewisse Rollen nur schwer abkauft. Wrestler Steve Austin beispielsweise: Den sieht man im Ring, bei illegalen Käfigkämpfen, vielleicht auch als Aufseher oder Insasse im Knast, aber beim Chef eines vierköpfigen SWAT-Teams wird es problematisch. Und auch sonst werden hanebüchene Umstände ins Spiel gebracht, die den Unterhaltungswert dieses B-Actioners jedoch kaum schmälern.
Beim letzten Einsatz gingen Tate (Austin), Hunt (Michael Jai White), Blanco und Jannard etwas zu ruppig vor und werden daraufhin kurzfristig suspendiert und zu Trainingseinheiten geschickt. In einem verlassenen Hangar wird mit Dummys geübt, ohne dass das SWAT-Team über die bewaffneten Gangster im Versteck Bescheid weiß, die im Gegensatz zu den vier Cops schwer bewaffnet sind…
Die Eingangssequenz gibt schon mal eine aussagekräftige Marschrichtung vor, denn aufgelockerte Situationskomik und blöde Kommentare gehören genauso dazu wie politisch unkorrektes Vorgehen der Gesetzeshüter. Die Gruppe konzentriert sich auf die beiden Muskelmänner, während die Dame im Team eine eher beiläufige Funktion erhält, dabei allerdings nicht zur Tussi mutiert.
Bei den zahlreichen rivalisierenden Gangstern im Hangar kommen ebenfalls ein paar flockige Sprüche herum, allein, als ein Dunkelhäutiger versucht, seine italienischen Wurzeln glaubhaft zu machen oder irgendwann die halbe Familie des Russen aufkreuzt.
Spannend ist die Ausgangssituation allemal, denn Cops ohne Waffen sind zunächst relativ hilflos und müssen sich mit einigen Finten über Wasser halten.
Ein paar knackige Fights gehören selbstverständlich dazu und so erhält Austin ein paar ebenbürtige Gegner, ein paar Kolosse wie Wrestler Keith Jardine.
Auch Michael Jai White darf sich körperlich betätigen, bei ihm ist weniger Kraft denn Beweglichkeit im Spiel.
Neben den solide inszenierten Kämpfen kommt es anbei zu einigen Schusswechseln, auch mal blutigen Einschüssen und kleinen Explosionen, ferner zu einer kleinen Verfolgung mit gepanzerten Trucks auf dem Außengelände.
Insgesamt hätte der Actionanteil ein wenig höher sein dürfen, doch das ordentliche Tempo kaschiert so manche minimale Dialoglast im Mittelteil.
Natürlich kann man bei einem derart gelagerten Streifen keine authentisch reagierenden Individuen erwarten, denn anstatt abzudrücken, labert man noch etwas länger und verschafft dem Gegner eine Möglichkeit zur Gegenwehr oder gibt dem Kollegen freie Bahn, ohne zu wissen, wie viele bewaffnete Kriminelle im Obergeschoss des Gebäudes lauern.
Die Geschichte mit dem ominösen Koffer, dessen Inhalt man nie zu Gesicht bekommt, erweist sich als genauso witzlos wie ein finaler Twist mit einem Beteiligten, was in Sachen Logik ohnehin nicht konform geht.
Aber „Tactical Justice“ ist auch kein Stoff für Denker, sondern zugeschnitten auf harte Kerle oder solche, die ab und an mit solchen mitfiebern mögen. Bis auf die eigentlich obligatorischen, aber nicht vorhandenen Nacktszenen gibt es viel Gebrüll, zotige Schoten („Wait! I need a line!“) und zahlreiche Gangsterklischees.
Darstellerisch gibt es nichts auszusetzen und auch handwerklich wurde nicht viel falsch gemacht.
Ein anspruchsloser, aber recht kurzweiliger No-Brainer für Actionfreunde, die sich zwischendurch auch mal mit einer weniger aufwendigen Materialschlacht zufrieden geben.
6,5 von 10