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Der 21jährige Colson gelangt nach fünf Jahren Haft endlich wieder in Freiheit. Obwohl er damals einen Mord beging, griff das Jugendstrafrecht und es wurden einige Jahre Knast weniger, als es bei einem Erwachsenen der Fall gewesen wäre. Sein älterer Bruder Eric nimmt ihn gegen den Willen seiner Frau in das gemeinsame Haus auf und besorgt ihm einen Job. Nach anfänglichem Misstrauen erkennt die Gattin Renee jedoch, dass dieser schüchterne junge Mann niemals einen Mord hätte begehen können. Also forscht sie bei den Angehörigen des damaligen Opfers nach und kommt langsam der Wahrheit näher, die auch ihr eigenes glückliches Leben zerstören könnte.

Das ist für einen Thriller nicht die schlechteste Ausgangslage, zumal der Zuschauer ebenso wie Madame synchron die wahren Geschehnisse häppchenweise serviert bekommt. Aber das ist dermaßen laaaaaaaaaaaaangatmig inszeniert, dass einem beinahe die Augen zuklappen.

Vom Wort „Tempo“ scheint Regisseur Wagner noch nie etwas gehört zu haben (noch dazu hat er auch seitdem keinen Film mehr gedreht). Immer, wenn es die Möglichkeit gäbe, endlich mal ein bisschen Schwung in die Handlungsabläufe zu bringen, drosselt er erneut die Geschwindigkeit. Wie soll denn so ein spannender Film funktionieren und den Zuschauer fesseln?

Übrigens, auch wenn hier bei ofdb „Drama“ steht, soll das hier mit Sicherheit ein Thriller sein, die Ansätze dazu erkennt man ja durchaus, und auch die Wendungen gegen Ende sind gar nicht mal unoriginell, wenn auch weit hergeholt, doch der nicht vorhandene Esprit lässt das Interesse des Zuschauers bald erlahmen.

Die Schauspieler bekleckern sich allesamt nicht mit Ruhm. Insbesondere der Darsteller des scheuen Colson wirkt, als hätte er mehrere Tabletten Valium genommen. Das soll wahrscheinlich seine Schüchternheit aufzeigen und dem Zuschauer näher bringen, dass dies niemals ein Mörder sein kann, aber man kann es auch Übertreiben mit so einer Darstellung. Es sei denn, er fand den Film genauso langweilig wie der Rezensent.

Als wäre das noch nicht genug, wird der Zuschauer mit einer gar grausigen Synchronisation gefoltert. Die Stimmen passen teilweise überhaupt nicht zu den Charakteren und wirken genauso steif wie die komplette Inszenierung an sich.

In Avignon und New York soll der Film angeblich für das beste Drehbuch ausgezeichnet worden sein. Das kann ich sogar nachvollziehen, denn der Plot ist durchaus ordentlich. Dann haben sich die Juroren aber wohl nie den Film angesehen, sondern nur das Buch durchgelesen, denn die cineastische Umsetzung ist dermaßen schleppend geraten, dass spätestens nach zwanzig Minuten höchste Einschlafgefahr droht.

Hier wäre deutlich mehr drin gewesen, vielleicht hätte Herr Wagner sein Drehbuch einem fähigen Regisseur in die Hand rücken sollen, er hingegen ist mit der Aufgabe vollkommen überfordert.

3 Punkte

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