Bestandteil einer mit dem Oberbegriff "Provinzkrimi" oder "Heimat-Tatort" vielleicht noch vereinbarenden, ansonsten nicht weiter zusammenhängenden Spielfilmreihe des Bayrischen Rundfunks, in der zumeist doch leidlich bekannte Bücher der entsprechenden literarischen Gattung in recht rascher zeitlicher Abfolge zu dem jeweiligen Erfolg in den Buchläden und Bestellerlisten verfilmt oder sich in Eigenkreativität dahingehend angelehnt wurde. Basierend hier auf Jörg Maurers Erstling "Föhnlage" der mittlerweile auf vier Abenteuer um Kommissar Hubertus Jennerwein angewachsenen Saga über Intrigen und Verbrechen meist im Werdenfelser Land. Das Debüt in Sachen Buch als auch Film dabei mit noch so einiger Luft nach oben; wobei die Seiten zum Blättern selbst da die Nase vorn und wenigstens den halbherzigen Spaß für Rätsel- und Entspannungsfreunde des leichten Konsums, und die bewegten Bilder teilweise eine gänzlich andere Geschichte und mehr das Gegenteil von Idylle zu bieten haben. Eine seltsam aufgezogene Kreatur mit eigenwilligem Gemüt. Heiter bis tödlich, und dies in mehrerlei Hinsicht eine Spur zu angestrengt:
Von den Kollegen in München geschasst und wegen seiner Akinotopsie ( = Bewegungsblindheit ) mittlerweile auch im Dienst eingeschränkt, trifft Kommissar Hubertus Jennerwein [ fehlbesetzt und schief im Ton: Martin Feifel ] nach langer Zeit Abwesenheit für befristet ein halbes Jahr wieder an seiner alten Dienststelle in Garmisch-Partenkirchen ein. Von dem dortigen Vorgesetzten ebenso unter Druck gesetzt wie von den Einheimischen, vor allem dem Bauspekulanten Xaver Haraßer [ komplett neue Gestalt: Helmfried von Lüttichau ] samt Sohn Markus [ Franz Xaver Brückner ] ungern, von Xavers Ehefrau Renate [ Katharina Müller-Elmau ] mit gemischten Gefühlen gesehen, verstrickt sich die angeschlagene Polizist schon bei seinem ersten Fall in Schwierigkeiten. In dem lokalen Kulturzentrum wurde während einer Aufführung durch einen von der Decke stürzenden Mann ein Besucher getötet. Haben die beiden Toten eine Verbindung zueinander, was es Mord, was es Selbstmord, was hatte man auf dem Speicher zu suchen, und was haben der Bestatter Ignaz Grasegger [ Andreas Giebel ] und sein mysteriöser österreichischer Gast Karl Swoboda [ Georg Friedrich ] damit zu tun ? Unterstützung bekommt Jennerwein durch die untereinander zerstrittenen, da jeweils die Karriereleiter empor klimmen wollenden Hauptkommissar Johann Ostler [ Jürgen Tonkel ] und Kommissarin Nicole Schwattke [ Katharina M. Schubert ].
Derlei "A Gaude muaß sein" Geschichten im meist beschaulichen Land weitab des Trubels der Großstadt erfreuen sich seit wenigen Jahren beständiger und auch beständig wachsenden Zuspruches; was vor allem auch an den ebenfalls vom hiesigen Regisseur Rainer Kaufmann, da allerdings wesentlich stimmungsvoller inszenierten Erntedank. Ein Allgäukrimi (2009) und der Fortsetzung Milchgeld. Ein Kluftingerkrimi (2012) liegt. Das Rezept ist ebenso stetig und bleibt sicherlich auch in Zukunft verhältnismäßig gleich, wird theoretisch die heile Welt genauso geboten und auch weiterhin als Ausflugsziel versprochen, wie dort auch die mehr oder minder interessanten polizeilichen oder detektivischen Ermittlungen und natürlich ganz viel Lokalkolorit für den sich nach Ruhe und Provinzialität sehnenden Zeitgenossen zu erreichen sind. Das jetzige Umfeld von Skiort Garmisch-Partenkirchen als quasi ewiger Urlaub im tiefsten teutonischen Bayern noch extra die zusätzliche agrarische Rustikalität, was durch die hier abweichend stattfindende Distriktsposse mit Kabarettismus light noch einmal auf alle Deutlichkeit hin verstärkt wird.
War schon der Taschenband kein Ausbund an Esprit und fern von Genialität, aber immerhin mit schelmischen Unterton, so treibt es die Regieführung in den meisten Momenten noch ein wenig mehr in das so allzu deutliche Banale statt der erhofften Skurrilität. Zwar fängt man mit einem Originalzitat an, beherzigt so manche Referenzen und schafft es in der Wahl von Dorf, Schauplatz und Umgebung durchaus, sich der Phantasie des Lesenden in gescheiter Weise anzupassen und noch zu ergänzen, greift dafür aber in der Besetzung und Behandlung von Figuren und der im Text weitverstrickten Begebenheit eher vollkommen daneben. Die Personen sind entweder zu ernst oder als konkretes Gegenteil auch karikaturhaft albern, was ebenso wie die gesamte spätere grantelnde Sachlage und der oft unpassend agilen Handheld-Kamera ein ungünstiges Gefühl von Aufdringlichkeit, plumper Gefälligkeit und anderweitigen dunklen Gefilden beigibt. Hier feiert das Brauchtum alles Andere als fröhliche Urständ.
Gegenteilig als hier dargestellt und auch empfunden und gerade auch in auf ganz ähnlichen Pfaden wandernden Serien der aktuelleren öffentlich-rechtlichen Vorabendoffensive wie Hubert & Staller oder Mord mit Aussicht wesentlich besser gefühlt, macht sich ein vielmehr miefiges Terrain mit weinerlichem und eigentlich ganz dramatisch tragischen Leitbild sowie verstaubte Land-und-Leute Klischees von Anno Dunnemals plus chargierende Jodele im Ton breit. Ein Heimatflair, dass trotz schneebedeckter, transalpiner Panoramen im Hintergrund, Dialekt und der gewissen deutschen Kleinlichkeit im Extrem – Klüngelei, Vetternwirtschaft, in der Keiner dem Anderen etwas gönnt, das Ausgesetztsein ohne Verbündete im schwarzen CSU-Freistaat, verschwiegene Stammtischatmosphäre – sicherlich kein wünschenswerter Zustand von Landliebe und Lebensgefühl von Zurück zur Natur, sondern den bitteren Nachgeschmack falscher Verschrobenheit hinterlässt.