KARATE BOMBER
…entstand zur etwa selben Zeit wie Jackie Chans Durchbruchsfilme DIE SCHLANGE IM SCHATTEN DES ADLERS und SIE NANNTEN IHN KNOCHENBRECHER! Auch der Comedy-Kung Fu-Stil ist ziemlich ähnlich und trotzdem kann sich Chan Chi Hwas KARATE BOMBER nicht mit den zeitlosen Yuen Wo Ping-Klassikern auf eine Stufe stellen…
Yang Tao (Jackie Chan) ist ein arbeitsloser Taugenichts, welcher nicht einmal richtiges Kung Fu beherrscht. Eines Tages wird er Zeuge, wie der sagenumwobene Volksheld „Todespeitsche“ einen Verbrecher zur Strecke bringt und anschließend seinen eigenen Verletzungen erliegt. Yang Tao erkennt seine Chance, kassiert die Belohnung für den Tod des Verbrechers und zieht von nun an selbst als „Todespeitsche“ durchs Land.
Meister Fang und seine Tochter hingegen sind mit einem Regierungsauftrag unterwegs: Die „immergrüne Jade“ und das „Lebenselixier“ wollen sicher durchs Land eskortiert werden. Hierfür scheint ihnen die Verpflichtung der „Todespeitsche“ eine gute Wahl zu sein…
Doch nicht jeder fällt auf die Maskerade herein: Das „Lumpenbündel“ (Lee Man Tai) und die „Stinkmorchel“ (Dean Shek) haben Yang Taos mangelhaftes Kung Fu bemerkt und bringen dem Bengel diverse Techniken wie den „Kuss der Spinne“ und den „Königsgriff“ bei.
Gerade rechtzeitig gelingt es den beiden Bettlern, Yang Taos Ausbildung zum Kung Fu-Kämpfer zu vollenden. Die Verbrecherbanden des Landes haben sich zwischenzeitlich zusammengeschlossen, um den Transport zu überfallen und den wertvollen Schatz zu erbeuten. Der Gefährlichste unter ihnen ist Meister Lin Fu (Kam Kong). Gegen den „Mann mit den tausend Gesichtern“ sind selbst die beiden Bettler machtlos…
KARATE BOMBER heißt im Original HALF A LOAF OF KUNG FU!, was in etwa „halbe Kung Fu-Portion“ bedeutet! Diesem Namen macht der von Jackie Chan-Entdecker Lo Wei produzierte Comedy-Kung Fu-Streifen alle Ehre! Gleich im Vorspann werden ernsthafte Kung Fu-Klassiker parodiert, wenn Jackie in diversen Kostümen über den Bildschirm hampelt und von seinen Gegnern nur schallende Schläge und ebenso schallendes Gelächter erntet!
Danach wird der Film erst einmal von Comedy-Einlagen dominiert: Jackie bewirft einen gigantischen Gegner in Zeitlupe mit Eiern und mischt in seinen Tagträumen eine Gruppe von üblen Schlägern auf. Durch das Essen von Spinat wird Jackie zum Seemann Popeye (inklusive Originalmusik) und flattert anschließend wie Vögelchen Tweety zwitschernd von Dach zu Dach.
Die Schlag- und Hintergrundgeräusche sind offensichtlich diversen Cartoons entliehen und einige der Charaktere haben schon krasse Macken: Extremes Stottern oder Muskelzucken sind nur einige davon, während Dean Shek mehr als nur einmal einen Furz rausdonnert. Ich würde mich stark wundern, wenn der eine oder andere RUSH HOUR- oder SHANGHAI NOON-Anhänger hier nicht schon längst die Stop-Taste betätigt hätte!
Den Klamauk fährt KARATE BOMBER dann aber allmählich zurück und nach und nach taucht eine große, beinahe unüberschaubare Anzahl an Charakteren auf: Ein alter, in Lumpen gehüllter Meister durfte damals in keinem Kung Fu-Streifen fehlen, wobei er diesmal weder Säufer noch Krüppel ist und auch nicht allzu viel Screentime abbekommen hat.
Regelmäßig tauchen Anführer und Handlanger diverser Verbrecherbanden auf, welche sich zwar zusammengeschlossen haben, trotzdem noch immer auf eigene Faust arbeiten und auch untereinander noch Rechnungen zu begleichen haben. Dean Sheks Auftritt als dürrer Pausenclown hingegen war damals so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche…
Doch keine Sorge: Die wichtigen Charaktere lernt man schnell kennen und um den Rest braucht man sich gar nicht groß zu kümmern! Bei ihnen handelt es sich meist um Kanonenfutter und den großen Showdown überleben sowieso nur die wenigsten Beteiligten! Mit den abschließenden Worten des „Lumpenbündels“ wird dann auch die gesamte Story erklärt… zwar simpel, aber dennoch plausibel!
Die von Jackie Chan choreographierten Kampfszenen bestechen bei KARATE BOMBER noch nicht durch die Ausgefeiltheit und Perfektion seiner späteren Werke! Die zum Ende hin vor allem quantitativ zunehmenden Kämpfe ermüden teilweise sogar und werden durch den Einsatz einiger Waffen (Pfeil und Bogen, Sicheln, Speere) und die Zugabe von etwas Gewalt (Armbrüche, Kehlenquetscher) zumindest recht abwechslungsreich gestaltet! Besonders hoch her geht es zu keiner Zeit und die FSK 12-Freigabe geht insgesamt gesehen auch in Ordnung!
Schlussendlich ist KARATE BOMBER kein schlechter Film, bleibt aber weder durch eine fesselnde Story, noch durch besonders spektakuläre Kung Fu-Einlagen in Erinnerung! Der typische Hong Kong-Humor wirkt im Vergleich zu anderen Werken dieser Zeit noch etwas unausgereift und die Synchro kann leider auch nicht als kultverdächtig eingestuft werden!
Zumindest bedingt empfohlen sei KARATE BOMBER Anhängern von klassischen Kung Fu-Filmen und Oldschool-Jackie Chan-Fans! Die richtige Entscheidung wäre hier wohl, sich den Film das nächste Mal im TV anzuschauen! Leute, die erst seit Jackie Chans Hollywood-Durchbruch mit dabei sind, werden dem Film wohl nicht das Geringste abgewinnen können!
5/10 Punkten, diBu!