Die wirklich glorreichen Tage von Joel Schumacher, der uns so populäre Werke wie „Falling Down“, „Flatliners“ oder „Lost Boys“ schenkte, scheinen längst gezählt, auch wenn er noch hochkarätige Stars wie Nicolas Cage und Nicole Kidman für sein kleines Kammerspiel gewinnen konnte, - das fahrige und konstruierte Drehbuch täuscht nicht darüber hinweg, es mit einem recht einfallslosen Vertreter der Reihe Home Invasion zu tun zu haben.
Diamantenhändler Kyle (Cage) und seine Frau Sarah (Kidman) leben zwar in einem luxuriös ausgestatteten Anwesen, doch aus ihrer Ehe ist so ziemlich die Luft raus.
Bis vier maskierte Gangster ihr Domizil überfallen und auch Tochter Avery (Liana Liberato) ins Visier der Kriminellen gerät…
Etwas mehr Zeit hätte sich Schumacher mit der Exposition vor dem Überfall schon lassen können, denn so erfahren wir kaum etwas über die einzelnen Figuren und ihr emotionales Verhältnis zueinander. Während Kyle stets unterwegs ist, versucht Sarah die Ehe mit einem gemeinsamen Abendessen zusammenzuhalten, doch auch Tochter Avery rebelliert, indem sie heimlich ausbüchst, um mit ihrer Freundin zu einer Party zu düsen. Kurz darauf befinden sich bereits die vier als Polizisten verkleideten Täter im Haus.
Von da an ist der Schlagabtausch recht hoch, alle Nase lang werden Twists eingebunden und die Machtverhältnisse sämtlicher Figuren fast im Minutentakt neu verteilt.
Allerdings verhalten sich die Gelegenheitsganoven völlig unprofessionell, lassen sich phasenweise von Kyle und seinen Ausführungen über Diamanten ablenken, üben kaum Druck aus, obwohl sich Kyle behaglich weigert den Safe zu öffnen und gehen das Risiko ein, eine Drogentussi mitzuschleppen, die derweil nichts Besseres zu tun hat, als Sarahs Abendgarderobe an sich auszuprobieren.
Zwischenzeitlich wird unheimlich viel geflucht, gebrüllt und gekreischt, obgleich dazu mitunter überhaupt kein Anlass besteht. Natürlich bekommen sich die Eindringe noch untereinander in die Haare, indes ein paar Flashbacks eine weitere (möglicherweise falsche) Fährte auslegen.
Dabei ist das Erzähltempo durchaus latent hoch und auch ein paar spannende Momente sind nicht von der Hand zu weisen.
Allerdings steht und fällt alles mit dem Drehbuch und da häufen sich im Verlauf eklatante Schwächen in Form von Unwahrscheinlichkeiten und derben Logiklöchern.
Das beginnt beim teilweise irrationalen Verhalten einiger Beteiligter, die grundlegend die Gunst der Stunde ungenutzt lassen und impliziert nicht zuletzt die Risikobereitschaft des Familienvaters, der trotz des planlosen und unberechenbaren Vorgehens der Eindringlinge zu kalkuliert reagiert.
Cage performt, obgleich er zunächst für die Rolle eines Einbrechers vorgesehen war und kurzfristig wieder einlenkte, durchweg souverän und inbrünstig. Kidman und Liberato spielen passabel, wenn auch etwas zurückhaltend, nur Cam Gigandet vermag als psychopathtisch veranlagter Gangster mit ein paar stärkeren Szenen zu überzeugen, während seine Mitspieler eher ein wenig hölzern agieren.
Mit Genrevertretern wie „Secuestrados“ oder gar „Funny Games“ kann Schumachers Streifen demnach zu keiner Zeit mithalten, denn dafür mangelt es am Mitfiebern mit den Figuren und auch die Bösewichte lassen kaum einen Zug von bösartiger Brutalität durchschimmern.
Zudem ist die Handlung von irrationalem Verhalten auf allen Seiten durchzogen, gefolgt von zahlreichen Wendungen die in ihrer Fülle viel zu konstruiert daherkommen.
Ein flottes Erzähltempo, ein solides Handwerk und ein paar spannende Momente sind allerdings gegeben und wenn man mit relativ geringen Erwartungen an die Sache herangeht, ist Unterhaltung auf anspruchslosem Niveau angesagt, die eher berieselt, als in Beschlag zu nehmen.
Knapp
6 von 10