Review

Innerhalb kürzester Zeit gab es in allen Internet-Foren Aufruhr wegen zwei Filmen: "A Serbian Film" und eben dieser hier, "Human Centipdede II". Beide Filme sind höchstumstritten, in manchen Ländern nur geschnitten erhältlich, während andere Länder jegliche Veröffentlichungen verbieten oder vom Markt nehmen.
Bei "A Serbian Film" hab ich diesen Hype im Internet mehr oder weniger mitgemacht, man kam  ja gar nicht drum herum, dieses Thema als Filmfreund zu ignorrieren. Trotzdem kann ich bei "ASF" nicht wirklich mitreden: Dies scheint eher ein Beitrag zu sein, der versucht, mit  drastischen Szenen die Zustände in Serbien darzustellen. Zumindest Leute, mit Hintergrundwissen oder aus diesem Land stammende Menschen könnten in diese Szenen so etwas hineininterpretieren. Auf jeden Fall hab ich mich persönlich entschlossen, diesen Film (vorerst) nicht zu schauen, da ich über kein Hintergrundwissen verfüge.


Bei "Human Centipede II" sieht es da schon ganz anders aus: Dies ist einfach ein "gewöhnlicher" Horrorfilm, der mit seiner Geschichte unterhalten bzw. schockieren will.
Man bekommt die Geschichte des geistig zurückgebliebenen Martin Lomax ( Laurence R. Harvey) erzählt, der zuhause bei seiner Mutter wohnt und  als Pförtner in der Tiefgarage arbeitet. Diese Arbeit ist eintönig und langweilig, so dass Martin seiner Faszination nachgehen kann: Wenn er mal keine Kamera im Parkhaus überwachen muss, gräbt er sein Laptop hervor und schaut sich "Human Centipede I" in Endlosschleife an. Fasziniert von diesem Film und der Idee, will er sein eigenes Lebenswerk erschaffen: Einen menschlichen Tausendfüßer aus zwölf Menschen basteln.

Das hört sich jetzt nicht wirklich krank an, aber die Konstruktion und der Sinn dahinter sind in der Tat menschenverachtend. 12 Menschen werden in der Doggy-Stellung zusammengetackert, und zwar wird diese Kette immer erweitert, indem Martin das nächste "Glied" mit dem Mund an das Pupsloch des Vordermanns festtackert. Sozusagen sind 12 Menschen zu einem Lebewesen aneinandergekettet, dass im Grunde nur noch aus einem Kopf und einem anderen Ende besteht. Tja, da bekommt der gängige Begriff "Ass to Mouth" aus der Porno-Branche direkt eine neue Bedeutung.  Der Sinn des Ganzen, zumindest, was Martin darin sieht, lass ich hier mal weg, da es heftiger rüberkommt, wenn man nicht weiß, was für Beweggründe der geistig Zurückgebliebene dafür hat.

Kommen wir zur handwerklichen Seite: Der gänzlich in schwarz/weiß-Bildern gehaltene Film besticht durch solide Kameraarbeit, ordentliche Schnitte und vorallem sehr überzeugende Gore-Szenen. Solche Szenen sind zwar nicht im Übermaß vorhanden, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich selten so gute Handarbeit gesehen habe, ich denke da mal nur an den äußerst realistischen Kopfschuss.

"The Human Centipede II" kann man eigentlich in zwei Hälften teilen, die sich ganz stark unterscheiden. Die erste Hälfte zeigt eher das Leben von Martin und seinem Umfeld. Unterbrochen durch neue Opfer, die er mit einem Hebeleisen in der Tiefgarage bewusstlos schlägt und in seine gemietete Lagerhalle schleppt.
Dies ist zwar relativ hart gezeichnet, aber auch so überspitzt, dass "Human Centipede II" als rabenschwarze Komödie durchgehen könnte. Laurence R. Harvey der jetzt nicht wirklich dem Quelle-Katalog-Schönheitsideal entspricht, spielt die Rolle des Martins sehr überzeugend und immer mit einem Augenzwinkern. Zumal Harvey zu keiner Zeit ein Wort im Film sprcht.
So weit so gut. Wenn eben da nicht die zweite Hälfte wäre: In dieser vollendet Martin sein Lebenswerk und man ist dem Grauen, was da über den Bildschirm flattert, hilflos ausgeliefert. Von dem Sinn her, was auf den Betrachter zukommt, erinnert stark an "Martyrs", wenn auch "HCII" noch eine Spur heftiger ausgefallen ist. Jedoch hatte "Martyrs" nach der ganzen seelischen Quälerei noch eine Message bzw. einen Brainfuck zu bieten, der den Film in ganz anderem Licht erstrahlen ließ und somit unbedingt sehenswert machte. "Human Centipede II" drückt aber nur auf das Gaspedal und endet im Nichts ohne eine Aussage. Bedrückender wirkt das Ganze, da außer Martin fast nur Statisten bzw. Opfer mitspielen, denen gänzlich jeglicher Background fehlt. Die Dialog-Szenen sind eh äußerst rar gesäht und kommen evtl. auf maximal zehn Minuten Laufzeit, da auch der Hauptdarsteller kein einziges Wort im Film spricht.
Wenn man der zweiten Hälfte noch etwas zu Gute halten kann, dann, dass bei dieser Gewaltverherrlichung keine Gewaltverherrlichung stattfindet. Hähh?
Damit meine ich, der Film ist grausam, aber es wird nichts wirklich zelebriert. Als Beispiel möchte ich nennen, dass man zwar sieht, wie dieser menschliche Tausendfüßler zusammengebastelt wird, jedoch immer nur bei einer Person. Also man bekommt nicht zwölf mal hintereinander immer dasselbe gezeigt.
Trotzdem dürften selbst die hartgesottensten Leute unter uns bei "Human Centipede II" weiche Knie bekommen.

FAZIT:

Es ist wirklich schwer zu sagen, was ich von "Human Centipede II" halten soll. Besticht die erste Hälfte noch durch üblen, schwarzen Humor und dichter Atmosphäre, schockt Hälfte Zwei ohne jeglichen Sinn und Verstand. Und ohne Botschaft - was dem gesamten Werk einen negativen Anstrich verleiht. Trotzdem empfehle ich Hardcore-Zuschauern, sich den Film anzuschauen, denn Wirkung wird er hinterlassen. Auch die Original-Sprachen-Muffel können einen Blick riskieren, denn gesprochen wird so gut wie nichts.

5 Punkte für die erste Hälfte
5 Punkte für die zweite Hälfte
minus 2 Punkte, weil der Film keinen Sinn ergibt.

= 8/10 Punkte

Das ist zwar relativ hoch angesetzt, aber wie gesagt, die Wirkung spüre ich auch zwei Tage später noch. Und irgendwie denke ich auch heute noch über diese kranke Scheiße nach...

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