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  Chris Evans spielt den Hänfling Steve Rogers, der sehr gern seinen Beitrag zum amerikanischen Sieg über Nazi-Deutschland leisten würde, aber bei jeder Musterung aufgrund diverser körperlicher Defizite durchfällt. Ein aus Deutschland emigrierter Wissenschaftler, gespielt von Stanley Tucci, der eine Testperson für ein spezielles Serum sucht und dabei nicht nur auf Muskelkraft Wert legt, wird schließlich auf ihn aufmerksam und verabreicht ihm dieses gegen den Willen des beteiligten Colonels, gespielt von Tommy Lee Jones. Das Experiment funktioniert und aus dem Hänfling wird Captain America, der prompt als amerikanischer Held vermarktet wird, um mehr Bürger für den Kriegsdienst gewinnen zu können. Schließlich kommt er dann aber doch zu seinem Einsatz im Krieg, es geht gegen einen führenden Nazi, gespielt von Hugo Weaving, und seine Organisation Hydra, die mit modernster Wissenschaft und okkulter Magie den Krieg zu entscheiden versucht.

Da das angekündigte Großprojekt “The Avengers“, in dem sich dann die verschiedensten Marvel-Helden die Klinke in die Hand drücken sollen, so früh wie möglich gehypt werden soll, hat nun neben “Thor“ auch “Captain America“ seinen eigenen Film bekommen, einen Film, bei dem die Macher viel falsch machen konnten, ist der Held doch so patriotisch angelegt (zumindest ursprünglich, bevor Marvel ihn schließlich aufgegriffen hat), dass der Film im Rest der Welt gnadenlos durchfallen könnte. Letztlich werden zentrale Fehler jedoch nicht gemacht, gleichzeitig aber auch viel Potential verschenkt.

Solides Handwerk und Unterhaltungskino
Wie zuletzt “Thor“ und viele andere Marvel-Verfilmungen ist auch “Captain America“ solides Unterhaltungskino, das man sich als geneigter Zuschauer definitiv ansehen kann. Die Story stößt zwar nicht gerade in ungeahnte Tiefen vor, die Dialoge sind nicht gerade grimmepreis-verdächtig und wirklich unverhofft kommen die Wendungen auch nicht wirklich daher, aber es gibt auch keine längeren Hänger, die den Film ausbremsen würden. Die Handlung ist straff, weil zunächst einmal der Held geboren werden muss, woraufhin er als eine Art Maskottchen für das amerikanische Militär herhalten muss. Hier gibt es ab und an ein paar ganz nette Gags und darüber hinaus eine sympathische Hauptfigur, die durchaus an Profil gewinnt. Lediglich die aufgesetzte Love-Story nervt vielleicht ein wenig, aber daran hält sich der Films sowieso nicht länger auf. Stattdessen gibt es Querverweise auf andere Marvelhelden, so spielt Tony Starks Vater Howard hier eine entscheidende Rolle als Wissenschaftler und Ausrüster des Militärs und am Ende tritt auch die Organisation S.H.I.E.L.D. erneut auf. Zu sehen gibt es außerdem einen soliden Chris Evans, einen guten Hugo Weaving, einen überzeugenden Stanley Tucci und einen bestens aufgelegten Tommy Lee Jones.

In der zweiten Filmhälfte nehmen die Action-Sequenzen dann überhand und überzeugen mit guten Spezial-Effekten und einer ordentlichen Inszenierung von Joe Johnston durchaus. Mit “Jumanji“, “Jurassic Park 3“ und “Wolfman“ dürfte der Regisseur dafür auch über ausreichend Erfahrung verfügen. Es ist letztlich das Übliche, ein bisschen Nahkampf, etwas Pyrotechnik, viele Effekte, aber es weiß durchaus zu gefallen, besser zumindest als zuletzt beispielsweise “Green Lantern“. Und so handelt es sich bei “Captain America“ letztlich um solides Handwerk, das ordentlich unterhält, letztlich aber aus der Masse der Comic-Verfilmungen nicht wirklich hervorzustechen vermag, da es weder die Tiefe eines “Dark Knight“, den Humor eines “Iron Man“; noch den Schauwert eines “Transformers“ erreicht.

Patriotismus und verschenktes Potential
Stellenweise wird es dann aber doch arg patriotisch und heroisch. Zwar ist mitunter eine gewisse Ironie der Macher zu spüren, etwa wenn der Comic-Held in seiner Comic-Verfilmung zum Comic-Helden degradiert wird und in miesen Shows für das amerikanische Militär werben muss. Dann ist der Held aber auch des Öfteren zu gut um wahr zu sein. Er will alles und jeden retten, er macht keine Fehler, opfert sich auf, bis es irgendwann nicht mehr glaubhaft ist. Allzu oft werden hier auch die übrigen amerikanischen Soldaten in die Heldenrolle gerückt, was letztlich nur deshalb nicht allzu negativ auffällt, weil es bisher keinen gerechtfertigteren Krieg als den gegen Nazi-Deutschland gegeben hat. Wenn der Held dann aber schon am Anfang sehnsüchtig darauf pocht, in den Krieg zu dürfen und schließlich mit seinem mit den amerikanischen Nationalfarben bemalten Schild durch ein deutsches Lager spaziert, sodass ihn auch der dümmste Nazi als Amerikaner erkennen kann, ist dies einfach nur doof und nervig.

Letztlich mangelt es aber auch an Mut und Konsequenz, weswegen der Film nicht sonderlich weit aus dem Mittelmaß herausragt. Die Eigenironie, die zu spüren ist, wenn der Held in seinen Shows auftreten muss, wird leider nicht weiter durchgezogen, so wäre der Patriotismus-Fehler durchaus zu kaschieren gewesen. Ähnlich ärgerlich ist es, dass Tommy Lee Jones, hier mit seiner kauzigen Art einfach perfekt besetzt, nicht mehr Freiheiten hat, um dies auszuspielen. Etwas mehr Action und echte Höhepunkte fehlen ebenfalls, auch hier wird das Pflichtprogramm erfüllt, aber nichts gezeigt, was man nicht schon einmal gesehen hätte. Symptomatisch ist letztlich auch, dass der Film nicht einmal in 3D gedreht, sondern lediglich konvertiert wurde.

Fazit:
“Captain America“ bietet letztlich ordentliche Unterhaltung, aber auch nicht mehr, weil er sich kaum von den übrigen Comic-Verfilmungen aus dem Hause Marvel unterscheidet.

67%

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