"Große Macht hat primitive Menschen schon immer verblüfft."
Seit dem Beginn der Marvel Cinematic Serie im Jahre 2008 lag die Absicht nahe, eine Vielzahl an Superhelden zusammenzuführen. Nach Hulk, Iron Man und Thor bildet Captain America das Schlusslicht und gleichzeitig den Auftakt zum großen Superhelden-Crossover "The Avengers".
Während in Europa der Zweite Weltkrieg tobt wird der patriotisch veranlagte Steve Rogers (Chris Evans) durch seinen schmächtigen Körperbau erneut vom Militär ausgemustert. Bei einem weiteren Versuch wird Steve auf ein geheimes Experiment der Regierung aufmerksam. Trotz der Vorbehalte von Colonel Chester Philipps (Tommy Lee Jones), dem militärischen Leiters des Projekts, gelingt es ihm für das Experiment angenommen zu werden. In Zusammenarbeit mit der britischen Agentin Peggy Carter (Hayley Atwell) und diversen Wissenschaftler erhält Steve Dank eines Serums eine außergewöhnliche physische Stärke und wird fortan Captain America benannt. Die einzige Probe des Serums geht allerdings bei einem Attentat verloren, sodass Steve nicht für Kampfeinsätze sondern als Werbefigur und moralische Unterstützung des Militärs genutzt wird, bis das Serum aus seinem Blut wiedergewonnen werden kann. Als jedoch ein Freund von ihm bei einem Einsatz gegen die Organisation Hydra verloren geht, begibt er sich eigenmächtig in umkämpftes Gebiet und trifft auf den deutschen Johann Schmidt (Hugo Weaving). Auch er hat durch ein Serum außergewöhnliche Stärken entwickelt, wurde anhand von Nebenwirkungen aber gleichzeitig entstellt. Als Red Skull ist er bekannt und hat abseits von Hitlers Invasionsplänen ganz eigene Pläne für die Herrschaftsübernahme der Welt.
Captain America ist ein US-amerikanischer Superheld der 40er Jahre, der ein Kostüm in den Farben der Flagge der Vereinigten Staaten trägt. Die zu Kriegszeiten als Propaganda angelegten Comicgeschichten ließen Captain America gegen Nationalsozialisten, Saboteure und andere Versinnbildlichungen der damaligen Kriegsgegner kämpfen. In späteren Jahren wurden die Geschichten mit Captain America jedoch auch von vielen Autoren zur Sozialkritik eingesetzt. Diese Einflüsse finden sich in der Verfilmung "Captain America – The First Avenger" wieder, jedoch weit weniger pathetisch als vielleicht vermutet.
In der ersten Hälfte lebt "Captain America“ von einer äußerst klassischen Erzählweise. Die Charaktere werden vorbereitet und allerhand Klischees bedient. Der Held ist stets Herr seiner Lage und in seiner Tugendhaftigkeit unübertroffen, die Bilder verlieren nie ihre verklärende Wirkung und der Schrecken des Feindes beschränkt sich auf böse Blicke und altmodische Machtparolen.
Gerade hier wird der abgerufene Patriotismus deutlich sichtbar, kann aber ebensogut als Idealismus wahrgenommen werden. Durch diesen Idealismus und der schier maßlos scheinenden Naivität seines Charakters ist Captain America ein ziemlich glatter und kantenloser Charakter, dessen fehlende Konturen ihn wohl zu einer eher unattraktiven und immens eindimensionalen Superheldenfigur mutieren lassen.
Vergessen darf man dabei aber nicht, dass die Comic-Vorlage genau diese altmodischen Prinzipien verfolgt. So wirkt das Abbild der Kriegs-Propaganda in der Verfilmung aus heutiger Sicht schon eher satirisch. Gerade wenn der Protagonist als Werbefigur vor knallbunten 40er Jahre Kulissen mißbraucht wird.
Die zweite Hälfte des Films wird erwartungsgemäß actionreicher und effektlastiger. Das fiktive Weltkriegsszenario erscheint comichaft überzeichnet. Weite, hohe Sprünge und überdimensional große Kriegsmaschinerie sind dabei ebenso häufig wie der Einsatz von okkulten Artefakten. "Captain America“ steht zu seiner Comicadaption im Blockbusterformat und bietet somit eine saubere Inszenierung für die Masse.
Die Actionszenen sind zwar nicht sonderlich innovativ, werden aber wirkungsvoll ausgespielt und mit einem atmosphärischen Soundtrack untermalt. Auffällig ist die brachiale Vorgehensweise mittels bombastischer Explosionen und dynamischer Choreographien. "Captain America“ ist zudem erfrischend konsequent.
Trotz namhafter Besetzung haben die Darsteller kaum Einflussmöglichkeiten auf ihre oberflächlichen Figuren. In seinen besten Szenen kommt Hugo Weaving ("Der Herr der Ringe"-Reihe) gerade so an seinen Parade-Bösewicht aus der "Matrix"-Reihe heran. Chris Evans ("Fantastic Four"-Reihe), Hayley Atwell ("Die Säulen der Erde") sowie Tommy Lee Jones ("No Country for Old Men") versäumen es langwierig Akzente zu setzen.
"Captain America – The First Avenger“ bereitet den letzten Schritt zur Vervollständigung der Avengers-Verfilmung vor und präsentiert seinen altmodischen Titelhelden in einer klassischen sowie ironischen Inszenierung. Die Comic-Verfilmung mag zunächst irreführend schleppend und thematisch überschwenglich idealistisch sein, zeigt sich aber verspielt und massentauglich. Besonders heraus stechen die brachialen Actionszenen, die zwar nicht sonderlich ideenreich sind, jedoch unterhaltsam sowie effektreich präsentiert werden. Weder die Darsteller noch die Figuren zeigen sich besonders tiefgründig, dafür ist der Film aber konsequent genug, sich zum rechten Zeitpunkt von handlungstragenden Figuren zu trennen. Knappe ...
8 / 10