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"Und er kann bestimmt auch gut zuhören..." oder ein kurzes Plädoyer für einen unterschätzten Film:

Angesichts größtenteils negativer Reaktionen und Bewertungen eines Films, der nur entstanden ist, um die Bedürfnisse einer möglichst großen Fangemeinde zu befriedigen, liegt die Frage nah, warum dieses Ansinnen augenscheinlich schief ging. Sieht man einmal davon ab, dass sicherlich noch genügend Geld in die Kassen fließen wird, spätestens bei der Blue-Ray und DVD Vermarktung - denn bissige Haie wollen zumindest einmal gesehen werden, bevor sie für immer in den Tiefen der Sammlung untertauchen.

Natürlich ist die Story von den College-Studenten, die einmal ein ruhiges gemeinsames Wochenende am mondänen Familiensitz ihrer Kommilitonin Sara (Sara Paxton) verbringen wollen, nicht innovativ, aber das war es noch nie, egal ob den schon vorbestimmten Opfern dort Vergewaltiger, Hinterwäldler oder Haie auflauerten oder, wie hier, gleich alle zusammen. In einer meist vorhersehbaren Reihenfolge, wird die Schar der hübschen und erfolgreichen jungen Menschen, die nach bekannten Mustern ausgesucht wurden, dezimiert, bis es zum Show-Down zwischen den Hauptdarstellern und den Bösewichtern kommt. Anspruchsvolle Aufgaben wie eine differenzierte Gestaltung der Charaktere oder der Versuch innerer Logik in den Abläufen, wurden von den Drehbuchschreibern gar nicht erst in Angriff genommen. Das ist hier nicht anders und schon gar nicht schlechter als in vielen Vorgängerfilmen, die das Rad auch nicht neu erfunden hatten.

Zudem hält sich der Film in der Darstellung blutiger Zerstörung wohltuend zurück, belässt es oft bei Andeutungen oder lässt die Protagonisten unter Wasser verschwinden, ohne deren Schicksal näher beleuchten zu müssen. Gut, das wird sicherlich bei Hardcore-Fans der Szene eher zu negativen Bewertungen geführt haben, aber das erklärt nicht die umfassende Herabwürdigung des Films, denn weniger abgestumpfte Zeitgenossen dürfte gerade die Mischung aus Tier-Horror und einem optisch verträglichen Dahinscheiden der Protagonisten angenehmen Grusel servieren. Der zudem durch sehr ordentliche 3D-Effekte noch unterstützt wird.

Entscheidend ist aber die Nähe gerade solcher Filme zum aktuell vorherrschenden Zeitgeist, ersichtlich an den wenigen prägnanten Dialogen, der Wahl der Klischee-Charaktere und besonders der Hauptfiguren. Offensichtlich gibt es nach wie vor eine klare Zuordnung in den Hautfarben der Handelnden, denn der Quoten-Schwarze Malik (Sinqua Walls) darf natürlich die Latina Maya (Alyssa Diaz) lieben und keines der hellhäutigen Mädchen. Zudem wird dem logischerweise hervorragenden Sportler, dem das Studium selbst sichtlich schwer fällt, besonders perfide mitgespielt, indem man dem Bewegungstalent die Gliedmaßen reduziert, anstatt ihn gleich komplett fressen zu lassen.

Eine Abweichung von der Norm ist aber der coole Tauchlehrer Dennis (Chris Carmack), der hier in einer Mischung aus Hinterwäldler und beleidigtem Playboy auftritt. Während der klassische Ureinwohner tiefamerikanischer Provinz schon optisch den Eindruck hinterlässt, dass sich ihm kein weibliches Geschöpf jemals freiwillig nähern würde, kann Dennis auf ganz andere Erfahrungen zurückgreifen - selbst Sara hatte mal etwas mit dem Womanizer. Auch seine Narbe stört da wenig und wenn er, als er mitbekommt, dass Sara ausgerechnet für den fleißigen Medizin-Studenten Nick (Dustin Miligan) schwärmt, spöttisch hinzufügt, dass dieser bestimmt auch gut zuhören kann, spricht er damit bestimmt vielen Männern aus der Seele. Softe Eigenschaften wie kommunikative Qualifikation haben aktuell unter männlichen Helden keinen guten Status.

Vielleicht liegt darin der Fehler der Drehbuchautoren, dass sie ausgerechnet einen zwar gut aussehenden und nicht unsportlichen Musterknaben zum Helden erwählten, um dafür die klassischen verwegenen Cracks und One-Liner-Absonderer hier zu fiesen Typen zu erklären. So gewinnt man keine Freunde unter der angestrebten Verbrauchergruppe, aber zumindest in diesem Punkt besticht "Shark Night 3D" mit einer innovativen Idee und ist letztlich wieder, quasi als Negierung, ganz nah am Zeitgeist.

Wer sich an solch kleinen Abweichungen erfreuen kann und weder spritzendes Blut, noch Gedärme für den persönlichen Grusel benötigt, gleichzeitig die ehernen Gesetzen des Slashers als Grundlage akzeptiert, ist in "Shark Night 3D" gut aufgehoben, am besten im Kino (6/10).

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