Angesichts eines Films, der den Titel "Safe" führt und mit Jason Statham in der Hauptrolle besetzt ist, kann man sich als Kenner seiner Filme auf ein paar Dinge verlassen - schnell geschnittene Action mit Statham in seiner angestammten Rolle als Einzelkämpfer, Horden von skrupellosen Killern und dem ständig vorherrschenden Gefühl von Unsicherheit - "Safe" ist natürlich reine Ironie.
Auch hinsichtlich der Story sollte man sich nicht auf Überraschungen vorbereiten, denn der Aufbau geht nach den üblichen Regeln der Statham-Filme vor - erst der Fall des Helden, um dann - am tiefsten Punkt angekommen - zum Gegenschlag aufzustehen. Doch schon zu Beginn werden erste Unterschiede zum klassischen Revenge-Film deutlich, um den es sich bei "Safe" letztlich gar nicht handelt. Zwar wird Luke Wright's (Jason Statham) Frau von der russischen Mafia ermordet, aber es wird nicht im Bild gezeigt. Er selbst wird nicht erschossen, sondern mit der Drohung bestraft, ihn immer im Auge zu behalten und jeden zu töten, mit dem er in Kontakt tritt.
Wie er in diese Situation kam, wird nicht näher betrachtet. Luke hatte bei einem Martial-Arts-Kampf am Vorabend seinen Gegner ins Koma getreten, obwohl er den Kampf verlieren sollte. Daran wird deutlich, das er wusste, worauf er sich eingelassen hatte. Der Film bemüht sich gar nicht erst, ihn als anständigen Charakter zu gestalten - einzig ein paar moralische Standards hat er sich noch bewahrt, die ihn von seiner sonstigen Umgebung unterscheidet. Mit seiner Moral ist er ein Jahr später vollständig am Ende, lebt auf der Straße und übernachtet im Obdachlosenheim, ohne irgendeinen Kontakt zu haben. Als ihn dann noch seine ehemaligen Kollegen von einer Polizei-Elite-Einheit unter Leitung von Captain Wolf (Robert John Burke) demütigen, scheint er aufzugeben.
Es steht außer Frage, das die eigentliche Story damit erst beginnt, aber zwei interessante Aspekte treiben das weitere Geschehen voran. Zum einen wird mit ungehemmtem Zynismus ein Bürgerkriegs ähnliches Szenario in die Straßen von New York gezaubert, mit dem man die Tourismuszahlen deutlich drücken könnte. Das sich die russische und chinesische Mafia in die Quere kommen, fällt schon unter Normalzustand, genauso wie die korrupte Polizei damit beschäftigt ist, die Hände aufzuhalten. Und auch Bürgermeister Tremello (Chris Sarandon) hat vor allem sein persönliches Auskommen im Hinterkopf, aber die Zustände in New Yorks Straßen und die wachsenden Todeszahlen unter der normalen Bevölkerung, fangen an, ihm Ärger zu machen.
Auslöser dafür ist Mei (Catherine Chan), ein 11jähriges chinesisches Mädchen, das ein Jahr zuvor von der chinesischen Mafia unter der Leitung von Han Jiao (James Hong) nach New York entführt wurde, weil sie ein geniales Zahlengedächtnis hat. Nachdem ihr von Han Jiao eine extrem lange Zahlenkombination anvertraut wurde, wird sie zum allgemeinen Objekt der Begierde, kann aber mit Glück den Russen entkommen, die sie sich zuvor geschnappt hatten. Zufällig läuft sie Luke in einem U-Bahnhof über den Weg, als dieser mit dem Gedanken spielt, sich auf die Gleise zu werfen. Als er sieht, das sie verfolgt wird und einen der Russen wieder erkennt, macht er sich auf die Verfolgung.
Darüber, wie logisch diese Wandlung vom herunter gekommenen Penner zum überlegenen Einzelkämpfer ist, sollte man sich lieber keine Gedanken machen, aber die Motivation, dem Mädchen zu helfen, nimmt dem Film den üblichen auf Schuld und Sühne aufgebauten Rachehintergrund. Luke ist als Identifikationsfigur noch der anständigste Charakter, aber weder treiben ihn moralische Aspekte an, noch will er die Welt retten. Nicht einmal die Verbrecher will er zur Strecke bringen, sondern einfach sich selbst aus seinem bisherigen Zustand befreien. Das so viele eigennützige Parteien mit im Spiel sind, kommt ihm natürlich entgegen, denn so lassen sich diese wie gewohnt gegeneinander ausspielen.
"Safe" ist weder in seiner Story, noch in den Charakterzeichnungen besonders originell, aber konsequent in der Darstellung einer Sozialisation, die ausschließlich aus Verbrechern zu bestehen scheint, bei denen der Normalbürger nur noch als Kolleteralschaden angesehen wird. Durch den Verzicht auf explizite Gewaltdarstellungen und sadistische Quälereien, von üblichen sprachlichen Drohgebärden einmal abgesehen, bleibt der Zynismus dieses Weltbilds erträglich, gerade weil es gar nicht erst versucht, noch irgendwelche moralischen Standards einzuhalten. Stattdessen räumt der Film mit durchgehend hohem Tempo mit einer Illusion auf - das irgendetwas sicher wäre (7/10).