Review

Folterfilm, die x-te... Was soll man noch großartig dazu schreiben? Vorneweg muss ich sagen, dass meine Erwartungen aufgrund der Tatsache dass Marcel Walz Regie geführt hat, schon relativ gering waren (weshalb ich mir den Film auch nicht zugelegt habe, sondern nur zufällig in einer Sammlung ins Haus bekam).

Was immer wieder auffällt: eine technisch saubere Inszenierung ist heutzutage auch bei Independentfilmen fast schon Standard - und gerade deshalb auch nicht mehr unbedingt etwas, was man als Pluspunkt anführen kann. Gerade ich bin ja kein Befürworter davon, technischen Aspekten eines Films eine besonders hohe Gewichtung zu geben. Da gibt es weitaus wichtigere Dinge: das Drehbuch zum Beispiel. Und hier ist es dann auch schon vorbei mit der Herrlichkeit... Die Geschichte gibt einfach gar nichts her, die erste halbe Stunde besteht eh fast nur aus Belanglosigkeiten und ewig in die Länge gezogenen Alltagsszenen (inklusive aller Klischees). Danach wird das Minimum an Handlung durch sinnfreie Folterszenen (und der obligatorischen, noch völlig sinnfreieren Vergewaltigungsszene - überflüssig wie ein Kropf) in die Länge gezogen, um anscheinend grade noch eine vernünftige Spielfilm-Länge zu erreichen. Spannung und Dramaturgie sind Fehlanzeige. Die Auflösung des Ganzen wirkt dann auch reichlich obskur und an den Haaren herbeigezogen.
Die meisten der Darsteller leisten jetzt auch nicht gerade einen Beitrag dazu, das Geschehen interessanter zu gestalten. Was natürlich auch den recht platten Dialogen des Drehbuchs geschuldet ist...
Vor allem Annika Strauß ist in der Hauptrolle deplatziert, da sie einfach furchtbar unsympathisch agiert (was im wahren Leben wohl nicht recht viel anders sein dürfte, wie ich selbst feststellen durfte...) und man allein deshalb schon kaum mit ihr mitfiebern kann. Klar, es ist ein Independentfilm - und ich halte selber nichts davon, die Schauspieler bei Indie-Filmen zu stark zu kritisieren. Nur scheint sich die Strauß halt für eine ganz große Akteurin zu halten, dann muss sie sich auch an solchen Maßstäben messen lassen. Und warum sie diese hohe Meinung von sich selbst hat, bleibt ein Rätsel  - hat sie doch bisher ausschließlich das Kreisch-Weib in eben solchen stumpfsinnigen Splatterfilmchen gegeben. Eine große Schauspiel-Karriere sieht anders aus...
Von den anderen Darstellern haben die meisten nicht viel mehr zu tun, als ängstlich dreinzuschauen. Und da wäre da noch die "Böse": bei ihr wirkt einfach alles reichlich überzogen und übertrieben. So schön es ja sein mag, diesen Charakter mal ein wenig anders zu gestalten - aber es wirkt halt alles andere als furchteinflößend... Das dabei entstandene Overacting mag dabei gar nicht mal in erster Linie der Darstellerin geschuldet sein - ich gehe mal davon aus, die Figur war bereits von Herrn Walz so definiert. Und die Darstellerin hat bei ihrer letzten Szene dann immerhin angedeutet, dass sie es durchaus besser können würde (wenn die Figurenzeichnung mal nicht so übertrieben gestaltet ist).
So bleibt es alles in allem bei einem weiteren, relativ stumpfen Torture-Film, der zu keinem Zeitpunkt die Langeweile ablegen kann. Schade um die wirklich schöne Kulisse - denn das Haus in der südländischen Umgebung sieht wirklich toll aus.

Details
Ähnliche Filme