Vergleichs- und Kontrastprogramm zu Tsui Harks letztjährigen Detective Dee - Mystery of the Phantom Flame, wobei der hiesige koreanische Ermittler und sein erster filmischer Fall nur dem schnellen Blick nach als eine versuchte Analogie und dem Ausnutzen des Erfolges erscheint und vielmehr seine eigene, die unabhängige Identität aufweist. Mag auch der Zeitpunkt der Entstehung verdächtig sein und sind so manche Grundzüge vom Durchmischen verschiedener Genres wie Krimi, Action, period piece, das Verlagern in die Vergangenheit und somit auch die Optik dem Schein nach dieselben, so ist vor allem die Herkunft selber schon autark und komplett unterschiedlich. Dort die von Robert van Gulik verfassten, auf einer traditionellen Überlieferung aufbauenden Romane um Judge Di Renjie, hier die mystery novel "Secrets of Yeolnyeomun" von Kim Tak-hwan, in der umgeschriebenen Version, die auch durchaus für eine weitere Fortsetzung, eine erneute Episode um den frühen Detektiv, einen asiatischen Sherlock Holmes gleich dienen könnten und auch entsprechend als Option in den Raum gestellt wurde:
1782. Das Land ist von Korruption überschwemmt, und durch stark sinkende Steuereinnahmen, die am Fiskus vorbeigeschmuggelt und unterschlagen werden geschwächt. Um diesem Missstand und damit verbundenen zusätzlichen Mordfällen Einhalt zu gebieten, entsendet der amtierende König Jeongjo [ Nam Sung-Jin ] den Joseon's Famous Detective K [ Kim Myeong-min ], welcher vom Minister Lim [ Minister Lim [ Lee Jae-yong ] mit den ersten Informationen und dem Schauplatz der Ereignisse, der Provinz Jeokseong versorgt wird. Unterwegs trifft er den Tagelöhner Han Seo-pil [ Oh Dal-soo ], der ihm zunehmend nützliche Dienste erweist und stößt auf die mysteriöse Handelsmagnatin Han Gaek-joo [ Han Ji-min ], in deren Umgebung nicht nur die Leute verschwinden und später tot wieder aufgefunden werden, sondern auch untragbare Zustände gegenüber der Dienerschaft Ks Missmut erwecken. Ein scheinbarer Selbstmord aus der Vergangenheit sowie die Hinweise auf Kunstfälschungen, Geldwäsche im großen Stil, Ahnenschändung und der Diskriminierung von Arbeiter zugunsten der Arbeitgeber und Christen zugunsten Konfuzianischen Glaubens schicken den neugierig gewordenen K auf einen zunehmend gefährlichen Weg.
Angereichert mit zumindest anfänglich wesentlich mehr Humor und dafür durchgängig weniger [ – allerdings gerade bei einer vorangeschobenen Massenverfolgung durch Stadt und Markt vorzüglich einbeziehenden – ] Action als der Kollege aus Hongkong / China, wird die Geschichte mit allerlei unterhaltsamen, vielleicht etwas im Tonfall unterschiedlichen, da später etwas aus- und überschweifenden Momenten erzählt. Die Lesart einer kriminologischen Ermittlung behält man allerdings lange bei, ohne dies nur als Vorwand zu nutzen, fragt sich tatsächlich in mehrere Richtungen und geht den gegebenen Spuren, den gefundenen Verdächtigen und den erst lose dahingeworfenen Indizien nach. So wie auch der Titel täuscht und auf eine falsche Fährte lockt, so wird auch der Zuschauer ein wenig blind und somit umständlich an die Sache herangeführt, mit immer wieder geöffneten Augen zwar, aber erst spät als vollendeten Mitwisser der ganzen Vertuschung. Wie auch bei der Eröffnungsszene liegt ein murder in disguise vor, ist nichts so, wie es auf den ersten Blick erscheint und die begleitenden Umstände stellen nicht bloß Motiv und Zeitpunkt, sondern auch die eigentliche, final mit einem Glaubenskrieg leicht lamentierende Handlung dar.
Formuliert wird dies durch Regisseur Kim Seok-yoon mit einer Vielzahl von flankierenden, vorauseilenden, im Nachhinein aufklärenden Bildern; imaginäre Vorstellungen, die Wahl von Alternativen oder die Nutzung von enthüllenden Rückblenden, die das Publikum bei der Wahrheitsfindung und – gleichsam wichtig bis fast bedeutender – der Verständlichkeit der leicht überfüllten bis letztlich doch recht verwirrenden Entwicklung versorgen.
Die sichere Hand gerade bei der Abmischung durchaus divergierender Themen und Stimmungen verlässt den Filmemacher erst spät, wird der emotional und so auch dramaturgisch ausschlaggebende Punkt, obzwar nicht unvermittelt, so doch fast unnötig, und dann auch viel zu ausdauernd und somit gegen-, also nachteilig in der Wirkung gesetzt. Auch die Zeichnung des Detective K selber in seiner schwankenden, noch nicht einmal durchgängig sympathischen Anordnung aus Inspector Clouseau, dem frühzeitlichen Holmes und dem Kapitän Tenkes vermag nicht gänzlich zu überzeugen. Auf jeden intellektuell verblüffenden oder zumindest mit Beobachtungsgabe oder auch dem Schneid überzeugenden Gedanken folgt auf Garantie eine Trotteligkeit und vice versa. Mal gibt es die hilflose Grimasse angesichts einer Gefahrensituation, wird hilflos durch die Gegend gestolpert und vor Angreifern geflüchtet. Mal werden schwerbewaffnete Handlanger im Nu mit Kampfkunst ausgeschaltet.
Diese Reise durch verschiedene Stadien wird immerhin mit viel realer und auch deswegen anmutiger Natur, aus der Kulisse von Studiobauten und CGI hinaus in die Welt getragen, verfügt über eine auffällig mitagierende Kamera auch wie als Dritte Person oder Gegenstand selber mit im Geschehen, die trotzdem zu jedem Zeitpunkt die Übersicht und Ruhe bewahrt und darf sich auch einer auserlesen umsäumenden Ausstattung erfreuen. Bauten sind erdig und zudem atmosphärisch mit dem historischen Einzugsgebiet verbunden, die Dekoration ist vergleichsweise schlicht, aber wartet mit offenen Schönheiten und versteckten Überraschungen auf. Die assistierende Komik, die gerade in der langen Sondierung der Lage für grundweg angenehme Aspekte der Unterhaltung sorgt, ist sicherlich nicht immer anspruchsvoll, kann aber auch bei nebensächlichen Slapstickaktionen, dem bevorzugt schnellen Witz oder schlichtweg dem eifrigen dumb fun durchaus überzeugen. Gedachte running gags um Sun Tzus "Art of War", eine Liste aller Baptisten und ein antikes Pornoheft namens "Court Lady's Secret Appeal" werden im fortschreitenden Kosmos von Unterschlagung, Unterdrückung, Glaubenskrieg und hinterhältig geplantem Königssturz sogar als eminent wichtiges Begleitmaterial verwendet.
Fortsetzung angedeutet und bei dem finanziellen Erfolg – mit fast 4.8 Millionen Zuschauer problemlos die Nummer Eins im ersten Jahresquartal – auch durchaus wahrscheinlich.