So schnell flogen Fäuste noch nie
Bruce Lee war schon länger im Filmgeschäft, doch "The Big Boss" aka "Die Todesfaust des Cheng Li" war sein Sprungbrett zum Überstar. Verdient, denn selbst Halbblinde erkannten schnell, dass dieser noch recht junge Mann einmalig ist und die Welt des Kampfsports und des Films für immer verändern sollte. Irgendwo zwischen Exploitation und Martial-Arts-Fest, zwischen Thailand und Hong kong, zwischen Splatter (für damalige Actionfilmverhältnisse) und Kitsch, spielt Lee einen Kampfkunstexperten, der daheim keine Arbeit findet und zu Verwandten nach Thailand geschickt wird. Dort deckt er, während der Arbeit in einer Eisfabrik, einen unbarmherzigen Rauschgiftring auf, den er eindrucksvoll im Alleingang windelweich schlägt...
Simple Story, cooles Setting, legendärer Film. Nicht nur auf Grund der noch immer nirgendwo aufgetauchten Säge-in-Kopf-Szene, sondern weil er einfach ein super Actionfilm ist, den man so bis dato noch nie gesehen hatte. Kein Wunder, dass er einer der erfolgreichsten Filme seines Jahrzents in Hong Kong wurde. Danach war das Genre nicht mehr dasselbe und Bruce Lee war auf dem Weg zu einer weltweiten Ikone. Dass dies durch seinen viel zu frühen Tod nur noch verstärkt wurde, ist eine traurige, andere Geschichte. "The Big Boss" hat Eier, schraubte die Gewalt und den Realismus in Kampfkunst-Filmen drastisch hoch. Eine CATIII-Einstufung war die Folge, was den phänomenalen Erfolg nicht eindämmen sollte. Aus heutiger Sicht zahm und zum Teil lächerlich, aber noch immer pausenlos spaßig und krachend.
Jeder der vier fertiggestellten Filme von Bruce ist auf seine Art ein Meisterwerk. Aber "Todesfaust" hat seinen ganz eigenen Charme. Noch tief verwurzelt im asiatischen Kino, noch ohne westliche Einflüsse, wirkt Lee hier unverbraucht, unerschöpflich, jünger und noch etwas menschlicher als in darauffolgenden Auftritten. Man kauft ihm den höflichen Jedermann genauso ab wie das unschlagbare Kampfkunstass. Ein perfekter Startschuss für jeden, der sich mit der Legende Bruce Lee auseinandersetzen will. Aber Vorsicht: Suchtgefahr! Die Einflüsse des Films auf den Eastern sind schnell auszumachen und die Gratwanderung zwischen Härte und Albernheit wird hier stark gemeistert. Das Original bleibt eben unnachahmbar - egal wie massiv danach die Bruceploitation-Welle rollte. "Die Todesfaust des Cheng Li" war Startpunkt von etwas Großem, auf das die Welt sich nicht vorbereiten konnte. Bruce Lee wird höchstwahrscheinlich nie mehr getoppt werden und steht in Stein gemeißelt da, wie Marilyn Monroe oder James Dean. Mittlerweile mehr als ein Star.
Fazit: Bruce Lees erster Streich, der ihn zum Hong Kong-Superstar machte und schon mächtig andeutete, was da für ein Kaliber die Fäuste fliegen ließ. Die Lawine war nicht mehr aufzuhalten und "Die Todesfaust des Cheng Li" ist Martial Arts-Grundausbildung. Wunderbar gealtert und noch immer extrem kurzweiig!