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„Ja, ich glaube, das ist die Hauptcharakteristik, das Hauptthema, das sich durch all meine Filme zieht – dieser Kampf gegen das Schicksal, gegen das Verhängnis.“ (Fritz Lang)

Kämpften in „Metropolis“ noch die Menschen der Unterschicht gegen die Unterjochung durch die Oberschicht und kämpfte Peter Lorre als Kindermörder in „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ noch gegen die Lynchjustiz durch die Verbrecherwelt, so war es in Langs zweitem Hollywood-Film nach „Fury“ Henry Fonda in der Rolle des Kriminellen Eddie Taylor, der gegen seine unrechte Verurteilung kämpfte. Und wie bereits in den zuvor genannten Filmen ist es Lang auch in „You only live once“ gelungen, erneut sein herausragendes Können unter Beweis zu stellen.

Als Eddie Taylor (Henry Fonda) aus dem Gefängnis entlassen wird, scheint sich sein Traum von einem geregelten Leben endlich zu erfüllen. Seine geliebte Joan (Sylvia Sidney) hat bereits sehnsüchtig auf ihn gewartet, und es dauert auch nicht lange bis die beiden heiraten und in ein schmuckes Eigenheim einziehen. Doch in die Idylle hinein platzen Verdächtigungen, dass Eddie an einem Bankraub beteiligt war, bei dem sechs Menschen ums Leben kamen. Nach einem erbarmungslosen Indizienprozess wird der unschuldige Eddie zum Tode verurteilt…

„Ich schrieb einmal in einer Einleitung zu einem Buch, dass der Kampf wichtig ist, nicht sein Ausgang, sondern die Revolution selbst. Manchmal kann man mit einem starken Willen sein Schicksal ändern, aber es gibt keine Garantie, dass man es kann.“ (Fritz Lang)

Dieser von Lang propagierte starke Wille wird in „Gehetzt“ auch von Eddie Taylor und seiner jungen Frau Joan ausgelebt. Sie können sich nicht damit abfinden, dass ihr junges Glück durch einen Justizirrtum zerstört wird. Und so stemmen sie sich mit aller Gewalt gegen den drohenden Tod Eddies auf dem elektrischen Stuhl.

Bis es zu diesem Aufbegehren gegen das vermeintlich sichere Schicksal kommt, erscheint „You only live once“ in der Tat etwas langatmig. Doch spätestens in jenem Moment, in dem Eddie seinen Job verliert und dem Zuschauer suggeriert wird, dass Eddie wieder in alte kriminelle Dunstkreise gesogen werden könnte, entwickelt sich bereits eine latente Spannung, die Lang geschickt bis zum Finale weiter zu spinnen weiß.

Lang erschafft – wie bereits so oft zuvor – in “You only live once“ Bilder, die wie auf Zelluloid gebannte Gemälde wirken. Hierbei gelingt es ihm, Szenen zu kreieren, die nachhaltig den Film Noir beeinflussen sollten. So ist beispielsweise die schicksalsträchtige Szene am Gefängnistor in ihrer nebulösen Erscheinung und mit der offensichtlich religiösen Tiefgründigkeit eine der eindrucksvollsten Szenen, die je ihren Weg in einen Film gefunden hat.

Und auch weiterhin arbeitet Lang offensichtlich gerne mit religiösen Versatzstücken, bietet es sich doch gerade bei diesem Thema offenkundig an. Denn das Aufbegehren gegen das Schicksal kommt immer mehr einem Kampf um den Einzug in das Paradies gleich, ohne dass vollends klar ist, was für das kämpfende Paar das Paradies sein soll…

Henry Fonda und Sylvia Sidney verkörpern in diesem Kampf gegen das (Vor-)Urteil von Gesellschaft und Justiz eine frühe Blaupause des beliebten „Bonnie & Clyde“-Themas und überzeugen vor allen Dingen durch einen ausgewogenen Reichtum an Kontrasten zwischen ihren beiden Figuren. Verleiht Fonda vor allen Dingen durch seine kantigen Züge und das aufbegehrende Schauspiel seiner Figur einen eindringlichen „Bad Guy“-Charakter, der zugleich durch seine sanftmütigen Momente dem Publikum Sympathien abringen kann, ist Sylvia Sidney in ihrer Rolle als Joan Taylor die engelsgleiche Unschuld, die in schon fast blinder, bedingungsloser Loyalität ihrem Ehemann zur Seite steht.

„You only live once“ ist sicherlich nicht zu Langs stärksten Filmen zu zählen. Aber dennoch ist seine beeindruckende Wirkung auf den Zuschauer nicht abzustreiten, was das herausragende Talent eines Fritz Lang nur noch untermauert. 8,5/10

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