Präzision, Besonnenheit, Geduld, Flexibilität und Tatkraft sind unerlässliche Eigenschaften um als Auftragskiller in seiner Profession erfolgreich zu sein. Ach ja, ein gehöriges Maß an Gefühlskälte kann auch nicht schaden - und genau da liegt Danny Bryces Problem. Zwar haben ihn unzählige Aufträge zum Star unter den bezahlten Killern gemacht, wirkliche Zufriedenheit hat sich dabei aber nie eingestellt. Nachdem er bei seinem letzten Job beinahe ein Kind erschossen hätte, hat er endgültig genug vom Töten. Er sehnt sich nach einem beschaulichen Familienleben in der australischen Wildnis.
Jason Statham leiht Bryce seine kantigen Züge, zweifellos eine ideale Besetzung, hat doch der britische Genrestar reichlich Erfahrung mit schweigsamen Profis, die sich gerne in der Grauzone zwischen gut und böse aufhalten. Ob als Transporteur heißer Ware (Transporter 1-3), Bankräuber (Bank Job), Söldner (The Expendables) oder eben Auftragskiller (The Mechanic), stets ist er in schmutzige Geschäfte verwickelt und hat trotzdem das Herz am rechten Fleck. Danny Bryce ist damit ein typischer Statham-Antiheld, wenn man so will ein menschelnder Verbrecher mit seinem ganz eigenen Moralkodex. Und der bringt ihn vom selbst gewählten Altenteil flugs wieder zurück in die Schusslinie.
Sein bester Freund und Mentor (Robert de Niro) vermasselt ein Engagement von Scheich Amr bin Issa. Um ihn auszulösen muss Danny den brisanten Job zu Ende bringen. Amr bin Issa will Rache für den Tod seiner drei Söhne, die in den 1970er Jahren von SAS-Truppen im Zuge eines geheimen Krieges der britischen Regierung um die Ölvorräte des Oman ermordet wurden. Der Scheich will den Tod aller drei verantwortlichen SAS-Männer auf Video, mitsamt Geständnis und Maskierung als Unfall. Keine leichte Aufgabe, selbst für einen Experten wie Bryce. Zumal er sich damit auch noch mit den „Feather Man" anlegt - seines Zeichens ein Geheimbund ehemaliger SAS-Angehöriger, die im Verborgenen kräftig in der britischen Wirtschaft und Politik mitmischen. Und die sind wenig zimperlich, wenn sie ihre Interessen gefährdet sehen. Schon bald bekommt es Danny mit dem Clubeigenen Kettenhund Spike (Clive Owen) zu tun, ein in vielerlei Hinsicht mehr als ebenbürtiger Gegner.
Killer Elite beruht auf dem kontroversen Tatsachenroman „The Feather Men" des britischen Abenteurers Sir Ranulph Fiennes. Obwohl Regisseur Gary McKendry seinen Film in den frühen 1980er Jahren ansiedelt und sich weitestgehend an Fiennes Story-Gerüst hält, ist Killer-Elite mehr Action- als Politthriller. Die außenpolitischen Machenschaften der Thatcher-Regierung sind lediglich das Setting, in dem McKendry seine zwei Protagonisten aufeinander prallen lässt. Und das funktioniert ausgezeichnet.
Der Auftragskiller Bryce und der ehemalige Elitesoldat Spike sind sich ähnlicher, als letzterer wahrhaben will. Beide sind Männer fürs Grobe, sture Befehlsempfänger die für ihre Bosse die Drecksarbeit erledigen. Größere Zusammenhänge, oder die Motive ihrer Auftraggeber haben sie nie hinterfragt. Der Focus lag immer auf dem jeweiligen Job und seiner möglichst effizienten Erledigung. Dass sie sich auf entgegengesetzten Seiten gegenüberstehen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Während Bryce dieser Umstand schnell bewusst wird und er seinem Gegner beinahe so etwas wie Sympathie entgegen bringt, klammert sich Spike an der Idee fest, für eine gerechte Sache zu kämpfen.
Jason Stathams abgeklärte, fast stoische Coolness bietet dabei einen interessanten Gegenpart zu Clive Owens aufbrausender und verbissener Gefährlichkeit. Dank eines solch ebenbürtigen Gegners blüht der gern auf seine Körperlichkeit reduzierte Actionstar regelrecht auf und verpasst seinem Charakter ein für ihn unübliches Maß an Tiefe.
Reizvoll sind in diesem Zusammenhang auch die unterschiedlichen, teilweise in sich widersprüchlichen Strategien der beiden Figuren. Während Bryce vor dem schier unüberwindbaren Spagat zwischen Erledigung der drei Auftragsmorde und Deeskalierung hinsichtlich seines Verfolgers steht, versucht Spike die Situation zu entschärfen und entfesselt damit erst Recht eine Eskalation der Gewalt.
McKendry taucht dieses spannende Katz-und-Maus-Spiel in dreckige, trostlose Bilder. Auch die Inszenierung der durchaus wuchtigen Actionszenen ist frei von modernen, pseudo-authentischen Mäzchen wie Schnittstakatto oder Wackelkamera. Die Übersichtlichkeit des Ganzen mutet fast schon altmodisch an, harmoniert aber perfekt mit der ebenso straffen wie unaufgeregten Erzählweise. Man fühlt sich permanent an das Politthriller-Kino der 70er-Jahre erinnert (u.a. French Connection, Der Schakal, Dirty Harry), als nüchterne Effizienz zum Genre-Merkmal avancierte. Die Machart von Killer Elite entspricht damit exakt Anlage und Ausrichtung der zentralen Figuren. Wenn das nicht mal effizient ist.