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Was haben Robert De Niro und Jason Statham gemeinsam? Das schauspielerische Können ist es ebenso wenig wie die körperliche Fitness, so viel dürfte klar sein. Der Werdegang der beiden Mimen, welche ihre jeweiligen Talente zunehmend unter Wert verkaufen, schlägt jedoch eine ähnliche Richtung ein: Während De Niros frühere Glanztaten keiner weiteren Erwähnung bedürfen, sind seine aktuellen Auftritte einer solchen gar nicht erst wert. Auch Statham vermochte es bisher nicht, an seine damaligen Paraderollen als Transporter sowie cranker Typ anzuknüpfen. Es mutet daher irgendwie passend an, dass die beiden in “Killer Elite” nun gemeinsam vor der Kamera stehen. Denn auch wenn Clive Owen als dritter Star im Bunde eine charmante Vorstellung abliefert, kommt der Action-Thriller aufgrund seiner holprigen Dramaturgie nicht übers Mittelmaß hinaus und reiht sich somit nahtlos in den allgegenwärtigen Abwärtstrend der beiden Darsteller ein.

Wir schreiben das Jahr 1979: Danny Bryce (Jason Statham) ist seine Profession als Auftragsmörder leid und setzt sich daher zur Ruhe. Der neu gefundene Frieden währt jedoch nicht lang: Sein früherer Kollege sowie Kumpel Hunter (Robert De Niro) wird von einem Scheich gefangen genommen und fortan als Druckmittel missbraucht, um den ausgestiegenen Killer zu reaktivieren und Gebrauch von seinen speziellen Fähigkeiten zu machen. Danny soll Rache für die im Oman-Krieg gefallenen Söhne des Scheichs nehmen, indem er die Verantwortlichen SAS-Soldaten ebenfalls zur Strecke bringt. Damit deren Tod kein allzu großes Aufsehen erregt, sollen die Morde als Unfall getarnt werden. Trotz dieser behutsamen Vorgehensweise wird die Geheimorganisation der “Feather Men“, ein Bund von Ex-Agenten, auf die Anschläge aufmerksam - ihr bester Mann, der ehemalige SAS-Spezialist Spike Logan (Clive Owen), soll die Angelegenheit nun bereinigen…

Es dauert lediglich ein paar Schimpfworte lang, und schon findet man sich in der ersten Action-Szene wieder, welche vor allem durch ihren wuchtigen Sound angenehm kernig daherkommt. Wer sich nach diesem markigen Auftakt jedoch eine krachende Krawall-Show im Stile von Stathams Vorzeigewerken erwartet, dürfte bitter enttäuscht werden. Fortan präsentiert sich das Duell der Killer als atmosphärisch dichter, dramaturgisch jedoch ziemlich holpriger Thriller mit vereinzelten Action-Eruptionen, welche sich größtenteils in ruppigen Nahkämpfen manifestieren. Diese gefallen zwar aufgrund ihres rauen Tons, können wegen der wackeligen Kamera jedoch nicht ihre volle Pracht entfalten. Abseits der Auseinandersetzungen stehen die Planung sowie Durchführung der Attentate im Mittelpunkt des Interesses. Auch wenn sich eben jene Parts hin und wieder etwas langatmig gestalten, können die abwechslungsreichen Schauplätze sowie Herangehensweisen doch für ein schön stimmiges Bild sorgen.

Nach Abschluss dieser Missionen wähnt man sich eigentlich am Ende des Streifens. Wobei: Irgendetwas fehlt doch noch, das Aufeinandertreffen von Statham und Owen wirkte bisher zu halbgar… Und so kommt es dann auch wie befürchtet: Mittels eines bemühten Story-Kniffs zieht man die Handlung künstlich in die Länge und überspannt den Spannungsbogen merklich. Dass zwecks dieser Ereignisse noch eine weitere Figur als emotionales Bindeglied herhalten soll, wirkt höchst redundant - da die anfängliche Ausgangslage schlicht kopiert wird, hätte man die beiden als Druckmittel genutzten Charaktere auch einfach in einer Rolle zusammenfassen und somit einiges an dramaturgischem Ballast einsparen können. Dass die politisch angehauchte Handlung zum Schluss hin zudem ziemlich hanebüchene Haken schlägt, ist dem finalen Gesamtbild ebenfalls nicht unbedingt zuträglich - angeblicher Realimus hin oder her, glaubwürdig wirkt hier eh nichts. Immerhin spitzt sich der Konflikt zwischen den beiden Kontrahenten angenehm zu und mündet schließlich in einer Reihe aufregender Aufeinandertreffen.

Passend zum zweischneidigen Gesamtprodukt unterliegen auch die Schauspielerleistungen einer schwankenden Qualität. Clive Owen erweckt seinen stark gezeichneten Ex-Agenten mit stoischer Verbissenheit zum Leben und hinterlässt somit klar den besten Eindruck. Dank des Drehbuchs darf Jason Statham diesmal etwas mehr als größtmögliche Coolness aufbieten. Während seine reumütige Resignation sowie die Suche nach Frieden überzeugend rüberkommen, wissen die emotionalen Momente zwischen ihm und seiner Filmpartnerin nur beschränkt mitzureißen. Robert De Niro ist sich indes vollends bewusst, dass er niemandem mehr etwas beweisen muss, und reißt daher lediglich eine routinierte Vorstellung runter. Auf Seiten der Nebendarsteller gefallen Dominic Purcell sowie Aden Young als markante Komplizen, denen vom Skript überraschende, da unerwartet unspektakuläre Abgänge spendiert werden. Die Mimen dürfen sich (abgesehen von Statham, welcher aussieht wie immer) allesamt im modisch zweifelhaften Stil sowie in alten Klapperkisten präsentieren, was zumindest bedingt den Geist der frühen 80er aufleben lässt.

Fazit:Killer Elite” leidet unter einem schwerwiegenden Patzer: Aufgrund seiner unbeholfenen Dramaturgie wirkt der Action-Thriller länger, als er eigentlich ist. Das an sich aufregende sowie atmosphärisch stimmige Duell würde ungemein von einem kompakteren Skript profitieren. Der durchwachsene Gesamteindruck wird durch die schwankenden Darstellerleistungen zusätzlich unterstrichen. Bei diesem namhaften Cast hätte man eigentliche mehr als im Endeffekt durchschnittliche Kost erwarten dürfen - oder halt auch nicht, berechnet man den aktuellen Trend der anfangs genannten Akteure mit ein...

5/10

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