Beim zweiten oder dritten Blick aufs Cover erschließt sich, auch im Hinblick auf den eindeutigen Titel das Sujet: Eigenheim-Terror mit Identitätsübernahme. Dabei setzt der kanadische Regisseur Jeremy Power Regimbal bei seinem Debüt weniger auf Körperterror und Blutvergießen, sondern auf den beklemmenden Grundton seines Psycho-Thrillers.
Um nach dem Unfalltod ihrer sechsjährigen Tochter ein wenig zu sich zu finden, wollen Mark (Joshua Close), Mary (Selma Blair) und ihr achtjähriger Sohn Brendon (Quinn Lord) im geräumigen Haus am Waldrand einige Zeit verbringen. Doch bereits früh am Morgen werden sie von der ebenfalls dreiköpfigen Nachbarsfamilie Sitkowski geweckt, welche eigentlich nur Feuerholz vorbeibringen wollte. Der unbeholfen daherkommenden Aufdringlichkeit erfolgt rasch Ernüchterung...
Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Stoff rein gar nicht von den gängigen Genrevertretern, obgleich die spätherbstliche Umgebung und die traumatisierte Familie, welche sehr unterschiedlich mit dem Verlust umgeht, von vornherein die leidvolle Grundstimmung unterstreicht. Bei den Eindringlingen handelt es sich ebenfalls nicht um die üblichen Kontrollfreaks mit Hang zu Machtspielchen und Sadismus, - sie scheinen eher auf der Suche nach etwas zu sein und geben sich deshalb lange Zeit unbedarft, wodurch eine bedrückende Atmosphäre entsteht. Erst als die Kinder der Familien aneinander geraten, wird der Terror so langsam eingeläutet.
Leider fährt die Erzählung eine arg vereinfachte Psycho-Schiene, obgleich kleinere Wendungen und Entschlüsselungen minimaler Geheimnisse folgen. Der Bedrohung durch das Familienoberhaupt geht im Mittelteil ein wenig die Puste aus und es wird versucht, mit einer sexuellen Komponente ein wenig Spannung zu schüren, was aufgrund mutloser Darstellung eher zur Lächerlichkeit verkommt. Das Element des unberechenbaren Sohnes wird zu wenig genutzt, während die in sich strauchelnde Mutter mehr und mehr zum Spielball zwischen den Fronten verkommt. Ein etwas härterer Konfrontationskurs, zumindest auf emotionaler Ebene, wäre hier wünschenswert gewesen.
Diesbezüglich liefern die Mimen eine ordentliche Durchschnittsperformance ab, die Kamera arbeitet zuweilen variabel und bleibt insgesamt angenehm bodenständig, während der Score recht spärlich eingesetzt wird, was wiederum der Authentizität des Unmittelbaren zugute kommt. Auch die gerade einmal zweckdienliche Ausstattung fördert die Konzentration aufs Handeln der Figuren, welche insgesamt ein wenig zu oberflächlich ausgearbeitet sind.
Folterfreunde und Splatterfans werden demnach nicht bedient, der Stoff setzt eher auf klassische Genremotive, ohne sonderlich innovativ daherzukommen.
Die beklemmende Grundstimmung weiß durchaus anzusprechen, in punkto Spannung wäre besonders hinsichtlich des etwas zu rasch abgehandelten Showdowns deutlich mehr drin gewesen. Freunde von gängiger Home Invasion könnten demnach einen Blick riskieren, ein kanadisches Pendant zu "Funny Games" sollte man jedoch nicht erwarten.
Knapp
6 von 10