... für die anderen eine Stilikone. Zweifelsohne ist sie ein Weltstar und - weil sie lieber ihrem Gefühl folgt statt einem Karrierekalkül - immer furchtlos da, wo es gerade einen Umbruch und Aufbruch in etwas Unbekanntes gibt. Sie war das Chelsea Girl im Swinging London der 1960er Jahre und inspirierte Helmut Newton zu seinem ersten Aktfoto. Dann entdeckte Luchino Visconti sie für sein umstrittenes NS-Sittengemälde "Die Verdammten" und holte sie nach Italien, wo sie wenig später mit ihrer Rolle in Liliana Cavanis Drama "Der Nachtportier" für einen Skandal sorgte, indem sie eine Holocaust-Überlebende spielte, die sich auf eine sadomasochistische Amour fou mit ihrem ehemaligen KZ-Wärter und Peiniger einlässt. In Hollywood stand sie mit Paul Newman für den Sidney-Lumet-Film "The Verdict" vor der Kamera, und für Woody Allen war sie die perfekte Frau. Zumindest für seinen Film "Stardust Memories", der Charlotte Rampling zu einer kühl-lasziven Männerfantasie stilisierte. Immer wieder sollte Rampling in ihren zahlreichen Rollen als Projektionsfläche dienen, wurde als "Objekt der Begierde" inszeniert, und hat sich dem doch jedes Mal entzogen.
Der Dokumentarfilm "The Look - Charlotte Rampling" hat sich ihrem Blick verschrieben. Charlotte Rampling ist das Subjekt des Films, sein Zentrum, sein Herz, während sie mit Weggefährten wie dem Fotografen Peter Lindbergh und dem Schriftsteller Paul Auster in neun Kapiteln jenseits des anekdotischen und chronologischen Sich-Erinnerns die großen Lebensthemen auslotet. Was man über sie erfährt ist intim, eine Innenansicht, die - wie sie selbst sagt - die einzige Möglichkeit eines wahrhaftigen Abbilds birgt.
Quelle: 3sat